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Neuer Gnadauer Präses Steffen Kern ermutigt zum Aufbruch

Der Gnadauer Gemeinschaftsverband hat einen neuen Präses: Steffen Kern. Der Württemberger ermutigte die Mitglieder des Verbandes dazu, geistlich aufzubrechen. Es brauche heute neue Anstrengungen, um Menschen für den Glauben zu gewinnen.
Von PRO
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Steffen Kern tritt am 1. September das Amt des Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes an
Steffen Kern tritt am 1. September das Amt des Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes an

Steffen Kern ist neuer Präses des pietistischen Gnadauer Verbandes. Die Mitgliederversammlung wählte ihn bei ihrer digitalen Sitzung am Samstag mit 79 von 80 Stimmen ohne Gegenstimme zum Nachfolger von Michael Diener, der 2009 die Leitung des Verbandes übernommen hatte.

Kern, geboren 1973, ist in der Gemeinschaftsbewegung ebenso zu Hause wie in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Er ist als landeskirchlicher Pfarrer seit 2008 Vorsitzender des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Württemberg, die Apis. Seit 2019 gehört er für die Christusbewegung „Lebendige Gemeinde“ der württembergischen Landessynode an, zuvor war er schon einmal zwölf Jahre Synodaler. Auf EKD-Ebene ist er ebenfalls Mitglied in der Synode sowie in der Kammer für öffentliche Verantwortung. Auch zum Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz gehört Kern. 2013 sprang er spontan für Ulrich Parzany als Prediger bei der europaweiten Evangelisation „proChrist“ ein. Seit fünf Jahren ist er einer der Hauptredner – und im Vorstand des Trägervereins ebenso engagiert wie in einigen weiteren Gremien. Nebenbei hat er seit rund 20 Jahren eine regelmäßige Verkündigungssendung bei Hitradio Antenne 1.

Als neuer Präses soll er integrieren, so lautete einer der Punkte im Anforderungsprofil für die Aufgabe. Das gilt zum einen innerhalb des vielfältigen Dachverbandes mit seinen rund 300.000 Mitgliedern, 34 regionalen und sechs Jugendverbänden, mehreren Ausbildungsstätten, Missionswerken und diakonischen Einrichtungen. Aber es gilt genauso im Verhältnis zur EKD und den Landeskirchen. Schließlich ist die Gemeinschaftsbewegung ein Teil davon, in gewisser Weise der organisatorisch weitgehend autonome fromme, eben pietistische, Flügel – eine Beziehung, die nicht frei von Spannungen ist.

Gnadau kann „Christusleidenschaft“ einbringen

„Integrieren und Profil zeigen gehören zusammen“, sagte Kern, als er sich den Mitgliedern vorstellte. Die wollten von ihm auch wissen, wie er sich verhalten würde, sollten „Gnadau“ und EKD widerstreitende Positionen haben. „Unterschiede auf den Tisch legen und zum Gespräch machen – nicht zukleistern in falschen Harmonisierungsversuchen“, stellte Kern klar. Es müsse darum gehen, sich zu hinterfragen und zu biblisch fundierten Positionen zu kommen. Gleichzeitig warb er dafür, Vorurteile abzubauen. „Es gibt Themen, um die wir ringen, ethisch und theologisch, aber wir sollten uns achten und respektieren und im Ringen beieinander bleiben.“ Für den Rat der EKD, betonte Kern, werde er nicht kandidieren.

Sein Vorgänger Michael Diener gehört seit 2015 dem Rat an. Dessen Kritiker warfen ihm zuweilen vor, sich der EKD anzudienen und um seines Amtes im Rat willen konservative theologische Positionen aufzugeben. Vor allem zum Umgang mit Homosexualität hatte es Kontroversen gegeben, als Diener eine offenere Haltung dazu entwickelte.

„Christusleidenschaft“, ein Glaube, der Menschen im Herzen berühre, mache die Gemeinschaftsbewegung aus, betonte Kern in seinem Impulsvortrag am Freitag. Das habe sie auch in die Kirche einzubringen. Gnadau sei von denselben gesellschaftlichen Umbrüchen betroffen wie auch Amts- und Freikirchen: Nicht nur gingen Mitgliedszahlen zurück, sondern die Bedeutung des christlichen Glaubens an sich. Das Verlassen auf Traditionen trage nicht mehr, es brauche neue Anstrengungen, um Menschen zu gewinnen. Kern ermutigte deshalb zum Aufbruch, der sich aus dem Auftrag Jesu ableite: Mission, Verkündigung, Diakonie, Versöhnung, Nachfolge. Auch wenn die Ausgangsbedingungen schwierig seien, gelte es entsprechend dem Gnadauer Motto, Neues zu wagen, Gemeinden neu zu gründen und zu beleben.

Das Potential zur Erneuerung der Kirche liege im „Hören auf Jesus und sein Wort“. Diese Erneuerung sei „unverfügbar, aber das Wunder ist: Sie bleibt auch verheißen.“ Entscheidend für die Existenz und die Prägekraft der Gemeinschaftsbewegung sei, ob es ihr „gelingt, neue Formen der Gemeinschaft zu finden, die postmoderne Individualisten erreicht und einbindet. Es kommt darauf an, dass wir im besten Sinne des Wortes zu Zeit-Genossen werden, die die Ewigkeit im Herzen tragen.“

Warnung vor Kultur des Misstrauens

Gesellschaftliche Herausforderungen sieht Kern unter anderem in der Digitalisierung. In den nächsten Jahren müsse ein Schwerpunkt der Gemeinschaften darauf liegen, auch in den digitalen Räumen Angebote zu schaffen und präsent zu sein. Kern warnte auch vor einer zunehmenden Polarisierung in der Kommunikation. Auch christliche Debatten seien „von diesem Zeitgeist der Erregung geprägt“, es entstehe „ein Klima der gegenseitigen Verdächtigungen, eine Kultur des Misstrauens“. Kern warb dafür, „im Hören beieinander“ zu bleiben. Konsens und Toleranz gehörten zusammen. Darüber hinaus sprach Kern die Debatte über Sterbehilfe an. Er äußerte die Sorge, assistierter Suizid könnte zu einem „Normalfall des Sterbens“ werden. „Eine solche Kultur befördern wir nicht“, stellte er klar.

Kern lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Walddorfhäslach bei Tübingen. Er war der einzige Kandidat für das Amt des Präses, das er zum 1. September antreten wird. Den Vorsitz im Württembergischen Gemeinschaftsverband gibt er ab, der Synode wird er weiter angehören. Derzeit ist das Präsesamt des Gnadauer Verbandes vakant. Der bisherige Inhaber Diener wurde bereits im September vorigen Jahres verabschiedet und macht derzeit ein Sabbatjahr. Er kandidiert derzeit als Dekan im Kirchenbezirk Germersheim in der pfälzischen Landeskirche.

Außer dem Präses wählten die Delegierten vier Mitglieder des Gnadauer Vorstands. Neu hinzu kommt Klaus Göttler, Generalsekretär des Jugendverbandes „Entschieden für Christus“. Matthias Frey, Direktor der Stiftung „Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor“ in Marburg, als stellvertretender Präses, René Winkler (Theologisches Seminar St. Chrischona) und Gerold Vorländer (Stadtmission Berlin) wurden wiedergewählt, Klaus Schmidt, Direktor der „Evangelischen Gesellschaft für Deutschland“ in Radevormwald, schied aus dem Vorstand aus.

Die Mitgliederversammlung beschloss mit vier Gegenstimmen und neun Enthaltungen weiterhin einen Zukunftsprozess als Fortsetzung der Kongresse „Neues wagen“ (2013) und „Upgrade“ (2019). Ziel ist ein nachhaltiger geistlich-missionarischer Aufbruch, in dem die verschiedenen Generationen eingebunden sind. Unterstützt wird dieser Prozess von dem Organisationsentwickler Stefan Lingott.

Von: Jonathan Steinert

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