Beliebter Messenger-Dienst, aber auch anfällig bei der Verbreitung von „Fake News“: WhatsApp

Beliebter Messenger-Dienst, aber auch anfällig bei der Verbreitung von „Fake News“: WhatsApp

Verbreitung von „Fake News“ über WhatsApp hat drastische Konsequenzen

Die BBC hat die WhatsApp-Nutzung von 80 Personen aus Indien, Kenia und Nigeria analysiert. Die Untersuchung zeigt, dass die Verbreitung von „Fake News“ über dieses Medium blutige Konsequenzen haben kann. In Indien endete das sogar tödlich.

Wenn Nutzer über WhatsApp „Fake News“ verbreiten, kann das heftige Auswirkungen haben. Eine Studie des britischen Fernsehsenders BBC hat untersucht, was passiert, wenn Nutzer mutwillig Falschnachrichten in sozialen Netzwerken und Messengern verbreiten, ohne die Nachrichten zu verifizieren.

Laut BBC verloren in Indien Menschen dabei bereits ihr Leben. Dorfbewohner haben zwei fremde Männer gelyncht, weil sie sie fälschlicherweise für Kindesentführer hielten. Insgesamt gab es in dem asiatischen Land mehrere solcher Vorfälle. Gerüchte dieser Art kursieren in Indien häufig auf WhatsApp. „Fake News“ lassen sich dort im Gegensatz zu Facebook schwer untersuchen, weil die Nachrichten verschlüsselt und daher öffentlich nicht zugänglich sind.

Dies hat Auswirkungen, die wohl sehr lange unterschätzt wurden. Wie die Nachrichtenseite Heise meldet, hat die Analyse „Beyond Fake News“ ergeben, dass Fake News auf WhatsApp gerade deshalb so glaubwürdig erscheinen, weil sie von Bekannten oder sogar Familienmitgliedern verbreitet werden.

Rechte Netzwerke gehen deutlich organisierter vor

Indien hat etwa 200 Millionen WhatsApp-Nutzer. Dort stehe vor allem der Nationalismus als eine treibende Kraft hinter der Verbreitung von „Fake News“. Geringe Preise für Handys und erschwingliche Datentarife gewährten viel mehr Menschen Zugriff auf soziale Netzwerke als früher. Vor allem rechte Netzwerke gingen dabei deutlich organisierter vor und wiesen Überlappungen mit Netzwerken bestehend aus Anhängern von Premierminister Narendra Modi auf.

Die Auswertung ergab, dass in Kenia besonders viele Betrügereien rund um Finanzen und Technologie verbreitet wurden. In Nigeria waren es vor allem Falschmeldungen in Zusammenhang mit Terrorismus und der Armee. Statt Links zu Webseiten werden auf WhatsApp insbesondere Bilder mit Text oder Screenshots geteilt, deren Quelle noch nicht einmal klar ist. Das macht die Falschnachrichten besonders gefährlich.

Beiträge von Freunden und Familien ungeprüft weitergeleitet

Die BBC hatte die Studienteilnehmer begleitend befragt. Viele Teilnehmer waren sich sicher, dass sie „Fake News“ sicher erkennen können. Viele misstrauten auch etablierten Medien und verbreiteten „alternative Quellen“, im falschen Glauben, die „wahre Geschichte“ kundzutun. Oft hatten die Teilnehmer gar nicht versucht, Originalquellen auszumachen. Familie und Freunde schätzten sie als glaubwürdig genug ein, „um deren Beiträge ungeprüft weiterzuleiten“.

Heise schreibt, dass es in der aktuellen Version von WhatsApp bereits den Hinweis gebe, wenn eine Nachricht weitergeleitet wurde. Aus BBC-Sicht habe dies keine Auswirkungen: „Dem Nutzer sei es egal, ob die Nachricht weitergeleitet ist oder nicht – solange der Chat-Partner als vertrauenswürdig empfunden wird.“ Um die Probleme – nicht nur in Indien – zu beheben, will das Mutter-Unternehmen Facebook künftig 20 Forscherteams unterstützen, die nach Lösungsansätzen suchen. Für Indien und 18 weitere Länder steht dafür eine Million Dollar zur Verfügung.

Von: Johannes Blöcher-Weil

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus