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Meinung

„Layla“: Wenn Achtjährige von Prostituierten singen

Wohl auch aus Trotz gegen Cancel Culture erklingt allerorts der Schmuddelsong „Layla“, sogar in der Schule. Selbst der sonst nicht zurückhaltende Markus Söder kuscht. Und sollte sich ein Beispiel an der achtjährigen Luise nehmen.
Von Nicolai Franz
„Jeder soll singen, was er will“ – ein schwaches Statement, wenn es um „Layla“ geht

Eine Mutter erzählte mir neulich, dass sich die Klasse ihrer Tochter Luise im Musikunterricht ein Lied aussuchen konnte. Alle – bis auf Luise – entschieden sich für „Layla“.

Drittklässler. In der Schule. Die ein Lied singen wollten, das die Vorzüge einer Prostituierten preist. Schlimm genug.

Doch was die Mutter – und später mich – wirklich auf die Palme brachte: Die Lehrerin spielte das Lied tatsächlich im Unterricht ab.

Und so sangen die Achtjährigen, unterbrochen von der tapferen Luise („Das ist frauenverachtend!“) diese Zeilen, für deren Zitierung ich vorauseilend um Verzeihung bitte:

„Ich ging in den Laden und schon stand sie da
Geile Figur, blondes Haar
Er hat ‘nen Puff und seine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la-la-la-la-Layla“

Ich bin wirklich kein Kulturpessimist, glaube also nicht, dass unsere Gesellschaft grundsätzlich den Bach runtergeht. Zum Beispiel finde ich es gut, dass es allgemein verpönt ist, Frauen als Sexobjekte zu sehen. „No means no“ – das hat sich spätestens seit #metoo herumgesprochen.

Und wer sich am Ballermann ums Bewusstsein saufen will, möge sich einen Schund wie „Layla“ antun. Auf Schulhöfen oder gar in Klassenräumen hat das Lied wie alle anderen jugendgefährdenden Inhalte aber nichts zu suchen.

Auch in anderen Kreisen scheint es gerade cool zu sein, das Mitgrölen von „Layla“ als Bollwerk gegen Cancel Culture zu verstehen. Beim Gillamoos, wo Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein NRW-Amtskollege Hendrik Wüst (CDU) gemeinsam auftraten, lief neben der Winnetou-Titelmelodie tatsächlich auch „Layla“. Und zwar ohne dass es zu einem nennenswerten Aufschrei gekommen wäre.

Mehrheit der Prostituierten kommt aus Elend

Was für ein Schlag ins Gesicht für die vielen Unions-Politiker, die sich zum Beispiel für das „nordische Modell“ einsetzen. Sie wollen Freier bestrafen, um Frauen aus der Prostitution zu retten. Ein großer Teil der dort tätigen Frauen kommt aus Elend, Armut, Drogenmissbrauch und Zwang.

Wie absurd wirkt es da, wenn Politiker in Bierlaune Bordellfreuden feiern. Wer das unwidersprochen hinnimmt, hat jede Glaubwürdigkeit in diesen Fragen verloren. Dazu gehört auch Markus Söder, dem nicht mehr einfiel, als zu sagen, jeder solle „singen können, was er will“.

Diese Kritik hat mit Cancel Culture nichts zu tun. Ja, mag doch jeder Erwachsene singen können, was er will, solange er damit keine Kinder gefährdet.

Aber wer sich aus Angst vor dem Vorwurf der Cancel Culture nicht traut, klar Stellung gegen Frauenverachtung zu beziehen, muss sich über das Echo nicht wundern. Da sollten sich die Unionspolitiker mal ein Beispiel an der achtjährigen Luise nehmen.

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5 Antworten

  1. Schön, dass Luise so tapfer war.
    Ich finde es komisch, dass ein Politiker verantwortlich gemacht wird, welche Lieder auf einem Volksfest oder sonstwo laufen, auf dem er auch ist. Oder hat es Markus Söder mitgesungen?
    Was möchte die Autorin, dass er vorher eine Blacklist einreicht. Das wäre ja autoritär ohne Ende.
    Wir sollten wirklich darüber sprechen, dass Deutschland das Bordell Europas ist und ob wir das als Gesellschaft gut finden oder es uns egal ist?

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  2. Danke für diesen Beitrag!
    Ich war lange Zeit als Streetworker im Rotlichtmilieu unterwegs…. modere Sklaverei!
    Umso erschreckender, dass das Lied sogar in der Kirche an der Orgel gespielt Beifall bekommt (Pro berichtete)

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  3. Diese “woke” Gesellschaft hat ihre Maßstäbe völlig verloren.
    Die Verwahrlosung schreitet fort. Die entchristlichte Gesellschaft zur unmenschlichen Gesellschaft.

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  4. Eigentlich kein neues Phänomen. Ich kann mich noch an eine Episode aus meiner frühen Kindheit – ich war etwa 8 Jahre alt – erinnern, in der ein damaliger Freund aus der Nachbarschaft einen damaligen Hit skandierte. Ich hattte damals keine Ahnung, um was es da ging. Erst nach vielen Jahren dämmerte mir, das es “Skandal im Sperrbezirk” war.

    “Layla” bleibt für mich übrigens weiterhin ein Song von Eric Clapton. Der neue, gleichnamige, aber eindeutig nicht vergleichbare Song wird anscheinend umso häufiger gespielt, wie er kritisiert wird. Zumindest in diesem Fall würde ich von daher nicht von “Cancel Culture” sprechen. Bei Winnetou & Co. sieht es schon etwas anders aus. Schützenswert ist der Song für mich ohnehin nicht, viel Kunst steckt auch nicht dahinter, kann also weg. Die wahren Helden sind übrigens fast immer die, die sich gegen eine eindeutige Mehrheit stellen, nicht diejenigen, die sich in einen bereits singenden Chor einreihen. Egal, ob bei “Layla” oder bei “Fridays for Future”.

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  5. “Ich bin wirklich kein Kulturpessimist, glaube also nicht, dass unsere Gesellschaft grundsätzlich den Bach runtergeht. ” Ich schon ! Neuestes Beispiel, LGBTQ Kitas in Berlin.
    Klar, für Leute die Gott für ein passives vergeistigtes Wesen halten ist es unvorstellbar, dass dieser Gott massiv in die Menschheitsgeschichte eingreift und schon gar nicht als Richter und Vollstrecker.
    Ich hingegen befürchte wir stehen unter Beobachtung und haben die Grenze überschritten.
    Wenn Kinder involviert sind versteht unser Gott keinen Spaß, nachzulesen bei Matth 18,6
    Wer soll diese Entwicklung stoppen, kraftlose Volkskirchen, zersplitterte Freikirchen ?
    Ich befürchte da ist niemand in Sicht und so fahren wir mit Tempo 100 gegen die Wand !

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