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Lammert: Der Katholischen Kirche ist „nicht zu helfen“

Ex-Bundestagspräsident und Katholik Norbert Lammert übt heftige Kritik an seiner Kirche. Sie nehme sich selbst zu wichtig. Ihren eigentlichen Auftrag verliere sie dabei aus den Augen.
Von Swanhild Brenneke

Foto: CDU (Gerd Seidel)

Norbert Lammert war von Oktober 2005 bis September 2017 der Präsident des Deutschen Bundestages

Die katholische Kirche sei seit Jahrhunderten von einem „theologisch überhöhten Klerus“ geprägt und von Laien, deren Rolle in der pastoralen Praxis zwar wichtig sei, die aber „nie wirklich ernst genommen“ werde, erklärte der ehemalige Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert.

Für den Gemeindealltag seien Laien unverzichtbar, sie würden jedoch „in geradezu demütiger Weise ignoriert“, schreibt Lammert in einem Gastkommentar im aktuellen Magazin der „Herder Korrespondenz“.

Ob die Kirche gesellschaftlich akzeptiert werde, hänge auch davon ab, ob „sie sich auf die Herausforderungen und Fragen dieser Welt“ einlasse. Er nehme jedoch wahr, dass dies nicht der Fall sei. „Einer Institution, der nun auch in dramatischem Umfang der Nachwuchs für ihre privilegierten Funktionsträger ausgeht und die zugleich das Angebot qualifizierter Laien zu gleichwertigem kirchlichen Dienst zurückweist, ist nicht zu helfen“, sagt der ehemalige Bundestagspräsident, selbst Katholik.

Kirche nimmt sich selbst wichtiger als ihren Auftrag

Lammert erinnerte an „Lumen Gentium“, die Dogmatische Konstitution über die Kirche, die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil Anfang der sechziger Jahre formuliert wurde. Laien würden dort ausdrücklich als „Teilhaber an der Heilssendung der Kirche“ beschrieben. Sogar Papst Franziskus habe erklärt: „Die Laien sind schlicht die riesige Mehrheit des Gottesvolkes. In ihrem Dienst steht eine Minderheit: die geweihten Amtsträger.“

In der Realität der Kirche spiele das jedoch immernoch kaum eine Rolle. Die Katholische Kirche befinde sich im Reformstau und falle hinter ihre eigenen Einsichten zurück, schreibt Lammert. Das sei „eine erschreckende Erosion einer bedeutenden Institution, die sich selbst wichtiger nimmt als ihren Auftrag“.

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3 Antworten

  1. Die Kritik von Norbert Lammert tut um so mehr weh, als er sich jederzeit und engagiert für christliche Verantwortung und Menschenrechte eingesetzt hat.
    z.B. hier: https://www.jesus.de/nachrichten-themen/nachrichten/marsch-fuer-das-leben-abtreibungsgegner-demonstrieren-in-berlin/

    Trotz aller Kritik und Krise bleibt einem Christen immer die Verbundenheit mit der Kirche.
    Ein Christ steht nie als Kritiker und Verurteiler außen, sondern wird sich für die Kirche engagieren, sie mitgestalten und lieben.

    Die Kirche ist die Gemeinschaft aller Gläubigen,
    ja – mehr noch, sie ist der Leib Christi auf Erden:
    “Alles hat Gott ihm, Christus, zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt.
    Sie ist sein Leib, die Fülle dessen, der das All in allem erfüllt.”
    (Epheser 1)

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  2. Der Sterbeprozess der kath. Kirche ist eingeleitet, unwiderruflich. Gott steht uns bei. 1800 Jahre Irrlehre. Mord, Betrug, Mißbrauch bis heute, immer noch das Denken die Geistlichen sind die Herren der Welt. Wir brauchen die Loslösung von Rom.

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  3. Ich gebe Norbert Lammert Recht und leide selbst daran. Wäre es nicht jetzt dringlich geboten, dass die oberste – in der Gesellschaft wahrgenommene – Autorität der Christen, ein deutliches Wort zum Überfall auf die Ukraine sagt? Die EKD hat zum Friedensgebet und für Russen und Ukrainer aufgerufen. Vom Papst habe ich das noch nicht vernommen – oder ist da etwas an mir vorbeigegangen?

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