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Konferenz: Politik muss Religionen einbeziehen

Internationale Religionsführer haben bei einem Kongress darüber diskutiert, welchen Beitrag Religionen zu einer friedlicheren und sichereren Welt leisten können. Das Fazit: Es gibt Hoffnung.
Von PRO
Layla Alkhafaji

Foto: Ring for Peace

Für die Irakerin Layla Alkhafaji zeigte der Besuch von Papst Franziskus in ihrem Heimatland, dass Religionsführer Einfluss auf das Weltgeschehen haben

Religionen müssen stärker in politische Entscheidungen einbezogen werden, damit gesellschaftliche und globale Probleme gelöst werden können. Diese Forderung bildete den Konsens in den unterschiedlichen Beiträgen einer Veranstaltung auf der Weltkonferenz von „Religions for Peace“ in Lindau. Was möglich ist, wenn führende Persönlichkeiten aus den Religionen in der Politik Verantwortung übernehmen und gehört werden, beschrieben Frauen und Männer aus der ganzen Welt, die sich für den interreligiösen Dialog einsetzen.

Steve Killelea, der als internationaler Beauftragter von „Religions for Peace“ in Australien von dort aus zugeschaltet wurde, erklärte, dass Religionen zwar oftmals zu Konflikten beitrügen, genauso aber für deren Lösung wichtig seien. Wenn verschiedene Religionen gemeinsam an einem Strang zögen, sei es möglich, globale Probleme wie die Zerstörung der Umwelt oder die Lebensmittelknappheit anzugehen. Allerdings brauche es dafür die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und alte Feindbilder abzulegen, wie ein Beispiel aus Kenia gezeigt habe. Killelea berichtete von einem Priester und einem Imam, die sich zusammenschlossen, um Frieden in der Sahel-Region zu erzielen. Nach einigen langen Gesprächen stellten sie fest, dass mehr Verbindungen zwischen ihnen existierten als Unterschiede. Der Dialog zwischen den Religionen sei ein wichtiger Faktor bei der Förderung des Friedens, so Killelea.

Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, äußerte sich dazu in ähnlichen Worten. Es sei ein Trugschluss, zu glauben, Konflikte könnten im Alleingang gelöst werden. Es brauche Beziehungen zwischen den Gläubigen, die sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen einander anerkennen könnten. Kennzeichen solcher Beziehungen, die den „Test der Unterschiede“ bestünden, sind laut Welby Demut und Ehrlichkeit.

Einfluss von Religionen in der Politik

Nicht nur zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen sei der Dialog von Bedeutung, auch im politischen Kontext müsse er stärker geführt werden. Dafür gab Layla Alkhafaji Beispiele aus ihrer Heimat Irak, wo sie als Mitglied des politischen Büros tätig ist. Unter der Regierung Saddam Husseins saß die Frauenrechtlerin elf Jahre lang im Gefängnis. Heute arbeitet sie daran mit, eine irakische Verfassung zu schreiben. Der Irak sei ein „Land der Vielfalt“, was in politischen Entscheidungen berücksichtigt werden müsse. Diese Vielfalt sei ein Segen, wenn man es schaffe, sie nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance zu betrachten.

Als wichtiges historisches Ereignis nannte Alkhafaji den Besuch von Papst Franziskus im März dieses Jahres und sein Treffen mit dem Großajatollah Ali al-Sistani. Die Zusammenkunft der beiden mächtigen Männer habe eine große Wirkung auf die Gesellschaft gehabt und zu mehr Frieden und Sicherheit im Irak beigetragen. Beispielhaft nannte Alkhafaji die Stärkung der Rechte von Christen, die der Schiitenführer dem katholischen Oberhaupt zugesichert hatte. Das Ergebnis des Papstbesuches belege, dass religiöse Führer Einfluss auf das Weltgeschehen hätten.

Junge Menschen einbeziehen

„Multireligiöse Perspektiven sind ein Treiber, den man nicht unterschätzen darf“, sagte auch Irmgard Maria Fellner, die Beauftragte für Auswärtige Kulturpolitik und stellvertretende Leiterin der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt. Eine weitere Gruppe, die mehr gehört werden müsse, um die globalen Herausforderungen zu bestehen, bilde die junge Generation. Die Energie der jungen Menschen müsse man nutzen und richtig kanalisieren, um gemeinsam Probleme anzupacken, die alle etwas angingen. Dabei appellierte sie besonders auch an die Älteren, die „keine Angst vor gemeinsamer Verantwortung und Steuerung“ haben müssten. In manchen Bereichen der modernen Gesellschaft seien jüngere Menschen ohnehin qualifizierter, stellte Fellner fest.

Noch bis Donnerstag tagen Religionsführer, Diplomaten und Experten in Lindau und virtuell bei der Konferenz des interreligiösen Netzwerks von „Religions for Peace“.

Von: Ellen Fritsche

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