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Kirchentag ruft zum Einsatz für bessere Welt auf

Christen sollen aufstehen und die Welt ein bisschen besser machen – das war die zentrale Botschaft vom Abschlussgottesdienst des Kirchentages in Wittenberg. 120.000 Besucher waren dafür auf die Elbwiesen nahe der Lutherstadt gekommen.
Von Jörn Schumacher
Rund 120.000 Menschen haben in Wittenberg den Abschlussgottesdienst des Kirchentages gefeiert

Foto: pro/Jonathan Steinert

Rund 120.000 Menschen haben in Wittenberg den Abschlussgottesdienst des Kirchentages gefeiert

Bei strahlendem Sonnenschein, leichter Brise und Temperaturen um die 30 Grad Celsius haben laut den Veranstaltern rund 120.000 Menschen den Abschlussgottesdienst des Kirchentages auf den Elbwiesen vor der Lutherstadt Wittenberg gefeiert. Erzbischof Thabo Makgoba, Primas der Anglikanischen Kirche in Südafrika, rief die Besucher in seiner Predigt dazu auf, mit ihrem Leben ein Spiegel der Liebe Gottes zu sein. Nachbarn, Flüchtlinge und Feinde sollten Gottes Liebe im Leben der Christen sehen.

„Hört die Schreie der anderen, wie Gott sie hören würde”, forderte er die Zuhörer auf. Wer sich überfordert fühle, die Welt auf diese Weise zu transformieren, solle zumindest eine Sache zum Wohl der Welt tun. Er habe den Traum, dass „eines Tages all die narzisstischen, nationalistischen, isolationistischen Ausschweifungen der Gegenwart verschwinden werden” und stattdessen „ein weltweites Bewusstsein” dafür entstehe, „dass wir eine Menschheit sind” und was das Beste für die Welt sei.

Thabo Makgoba, Primas der Anglikanischen Kirche in Südafrika, hielt die Predigt beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages Foto: pro/Jonathan Steinert
Thabo Makgoba, Primas der Anglikanischen Kirche in Südafrika, hielt die Predigt beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages

Aufruf zu radikaler Liebe

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au rief die Besucher des Gottesdienstes dazu auf, gedankliche Schubladen über andere Menschen aufzumachen und miteinander zu sprechen. Das Gespräch sei auch mit jenen zu suchen, die keinen Dialog wollten. Auch wenn das anstrengend und schwierig sei, beende nur das „die Aufrüstung der verbalen Gewalt”. Der Glaube mache „den Kopf frei und das Herz mutig und weit“, sagte sie. „Jetzt gehen wir und können anders.“

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, riefen beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages zu zivilgesellschaftlichem Engagement auf Foto: pro/Jonathan Steinert
Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, riefen beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages zu zivilgesellschaftlichem Engagement auf

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief dazu auf, sich aus dem Glauben heraus in die Gesellschaft einzumischen. Das sei die Berufung von Christen. „Lasst uns radikal glauben und radikal lieben.“ Dies solle vor allem auch im ökumenischen Miteinander geschehen. „Wir haben 500 Jahre lang Abgrenzung gelebt, das wollen wir nicht mehr. Wir wollen wieder zusammenkommen und einfach Freundinnen und Freunde in Christus sein.“

Christen könnten frei von Angst sein, weil Christus vor Gott für die Schuld der Menschen einstehe und weil sie wüssten, „dass in Christus nichts uns scheiden kann von der Liebe Gottes. Das ist Leben in Freiheit!“ Bedford-Strohm äußerte die Hoffnung, dass vom Kirchentag und vom Reformationsjubiläum ein neuer geistlicher Aufbruch ausgehe. Die Reformation habe als geistliche Erneuerungsbewegung dabei geholfen, den Blick wieder auf Christus zu lenken. „Genau das brauchen wir heute auch.“

Steinmeier bedankt sich für „geistliches Engagement“

Zum Abschluss des Kirchentages war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) noch einmal zugegen, nachdem er bereits bei einer anderen Veranstaltung gesprochen hatte. Er lobte, dass verschiedene Religionen auf dem Kirchentag vertreten gewesen seien. Dem ökumenischen Prozess wünschte er Erfolg. Zudem bedankte er sich für das soziale und auch das „geistliche Engagement“ der Evangelischen Kirche. Das Beten in Gottesdienst, geistliche Tagungen und Spiritualität seien gut für die Gesellschaft. „Der Glaube hilft uns unterscheiden zwischen dem, was unabdingbar wichtig ist, wo wir gefordert sind – und dem, was weniger wichtig ist.“ Wer nun vom Kirchentag nach Hause komme, könne berichten vom „Wert der Vernunft und vom Leben im Frieden“.

Um die Kirchentagsbesucher von Berlin zum Festgottesdienst nach Wittenberg zu bringen, stellte die Deutsche Bahn Sonderzüge zur Verfügung. Laut den Veranstaltern sei etwa die Hälfte derjenigen, die beim Festgottesdienst dabei waren, mit der Bahn angereist. Insgesamt habe es beim Kirchentag 106.000 Dauerteilnehmer und 30.000 Tagesgäste gegeben. Für die „Kirchentage auf dem Weg“ in sechs mitteldeutschen Städten seien 41.000 Tickets verkauft worden. Der nächste Deutsche Evangelische Kirchentag findet 2019 in Dortmund statt. Der Journalist Hans Leyendecker wird Präsident dieses 37. Kirchentages sein. (pro)

Von: jst

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