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Kirchenpräsident: „Widerspruchsgeist ist kein Wert an sich“

Ein ZDF-Fernsehgottesdienst hat an Martin Luthers Verteidigung seiner Thesen vor 500 Jahren in Worms erinnert. Kirchenpräsident Volker Jung ermutigte darin auch heute noch zum Widerspruch, übte aber auch Kritik an den sogenannten „Querdenkern“.
Der Sportbeauftragte der EKD, Volker Jung

Foto: EKHN/Neetz

Volker Jung ist Kirchenpräsident der hessisch-nassauischen Kirche

An den Widerspruch des Reformators Martin Luthers vor Kaiser Karl V. in Worms vor 500 Jahren hat am Sonntag ein ZDF-Fernsehgottesdienst erinnert. „Um des Evangeliums willen ist Widerspruch und Widerstand überall dort nötig, wo Menschen gefoltert, erniedrigt, vergewaltigt, hingerichtet werden“, erklärte dazu der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung. „All das. widerspricht der Würde, die Gott in jedes Menschenleben hineingelegt hat, sagte er in dem Gottesdienst unter dem Motto „wagemutig“ aus der Magnuskirche in Worms.

Widerspruch sei deshalb auch nötig gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. „Da muss man sich in Luthers Schuhen auch gegen manche Äußerung von Luther selbst stellen. Und natürlich auch gegen Fehler und Missstände in unseren Kirchen“, sagte Jung.

Der Kirchenpräsident wandte sich aber gegen die Vereinnahmung des Reformators für jeden Widerspruch. „Dafür einzutreten, wovon man überzeugt ist, ist gut. Aber Widerspruchsgeist ist kein Wert an sich. Es gibt Menschen, die standhaft widersprechen und sehr viel Unsinn vertreten“, sagte Jung. „Widerspruch heißt dann Querdenken“, sagte er mit Blick auf Corona-Leugner.

„Ständige Erneuerung des Evangeliums“

Luther habe sich auf das Evangelium und die Vernunft gestützt, um zu einem Urteil zu kommen. Er habe aber gewusst, dass Menschen sich irren können. „Deshalb hat er sehr deutlich gesagt, dass er widerruft, wenn er widerlegt wird.“ Jung nannte das „eine wichtige Prüffrage: Ist jemand bereit, auch kritisch auf die eigene Meinung zu schauen? Skeptisch werde ich immer dann, wenn Menschen neben ihrerMeinung nichts anderes mehr gelten lassen.“

Der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf nannte es ein starkes Zeichen für eine gute ökumenische Geschwisterlichkeit, dass er bei der Feier dabei sein dürfe. Die Glaubensstärke Luthers nötige auch ihm Respekt ab. Die Kirchen könnten sich im Zeitalter der Ökumene so begegnen, wie es Papst Franziskus einmal formuliert habe: „Sich gegenseitig in das Gesicht sehen, einander den Friedenskuss geben, füreinander beten und natürlich miteinander beten, auf der Grundlage der einen Taufe und des einen Glaubens“, sagte Kohlgraf. „Auch heute ermutigen uns Menschen wie Martin Luther zur ständigen Erneuerung aus dem Evangelium.“

Die Reise des Reformators Martin Luther (1483-1546) von Wittenberg nach Worms gilt als Schlüsselmoment der Kirchengeschichte. Bei seinem mutigen Auftritt auf dem Wormser Reichstag vor Kaiser Karl V. am 16. und 17. April 1521 weigerte er sich, die eigenen Lehren zu widerrufen. Luther beharrte darauf: Wenn er nicht durch die Bibel und klare Vernunftgründe überzeugt werde, könne er nicht gegen sein Gewissen handeln. Wenig später sprach der Kaiser die Reichsacht über Luther aus und erklärte ihn für vogelfrei. Die Reformation jedoch breitete sich umso schneller aus.

epd
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3 Antworten

  1. „Widerspruchsgeist ist kein Wert an sich“
    Da hat er vollkommen recht.

    Was ist aber dann ein Wert an sich?

    Kluge Leute haben diese Frage schon gestellt: Was ist eigentlich am Wichtigsten?

    Die Antwort aus berufenem Munde lautet so:
    “Das wichtigste”, erwiderte Jesus, “ist:
    ‘Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist der alleinige Herr.
    Und du: Liebe den Herrn, deinen Gott,
    von ganzem Herzen,
    mit ganzer Seele,
    mit ganzem Verstand
    und mit all deiner Kraft!’
    An zweiter Stelle steht: ‘Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!’
    Kein anderes Gebot ist wichtiger als diese beiden.”
    (Evangelium nach Markus)

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  2. In einer postmodernen Gesellschaft kann es gar keine universellen Werte geben. Wenn Jung aus dieser Haltung heraus argumentiert hat er ja Recht. Wenn er vom Wort Gottes her argumentiert eben nicht: dann waren Luthers Aussagen von der Schrift kommend keinem Widerspruchsgeist geschuldet sondern schlicht aus der Erkenntnis der Bibel. Welchen Fehler Jung hier macht wie es sehr oft geschieht vom heute her Personen umdeuten zu wollen. Luther war ein Kind seiner Zeit und auch ein Mensch mit Fehlern. Deshalb den Luther von damals umprägen zu wollen ist doch reichlich albern. Man kann sagen, dass man Dinge heute anders sieht ist logisch, Jungs Ansatz aber nicht

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  3. Wir Querdenker sind eben “Ketzer” (Definition: jemand, der öffentlich eine andere als die in bestimmten Angelegenheiten für gültig erklärte Meinung vertritt).
    In früheren Zeiten hätte man uns einfach auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

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