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Khorchide fordert alternatives Gottesbild im Islam

In islamischen Gottesstaaten wie dem Iran distanzieren sich immer mehr Menschen vom Glauben, sagt Islamwissenschaftler Khorchide. Das habe mit der Instrumentalisierung der Religion zu tun.

Foto: PRO/Jonathan Steinert

Mouhanad Khorchide leitet das Zentrumsfür Islamische Theologie an der Universität Münster

Vor dem Hintergrund der brutalen Niederschlagung von systemkritischen Protesten im Iran fordert der Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide ein neues Verständnis des Islams und des islamischen Gottesbildes. „Der Umgang des iranischen Regimes mit der eigenen Bevölkerung ist ein aktuelles Beispiel dafür, wie Religion zum Instrument der politischen Repression wird“, schreibt Khorchide in der Düsseldorfer Rheinischen Post. „Regime, Geistliche und Eltern, die im Namen des Islams Frauen zu Objekten der Hörigkeit machen wollen, haben eing rundsätzliches Problem mit dem freien selbstbestimmten Menschen.“

Gerade in Gesellschaften wie dem Iran, in denen Einschränkungen als vermeintlich göttlicher Wille dargestellt würden, distanzierten sich immer mehr Menschen von Gott, schreibt der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster weiter. Sie nähmen einen Gott wahr, der nicht auf der Seite des freien Menschen stehe, sondern auf der Seite der Despoten und Unterdrücker. „Es wird daher dringend ein Alternativverständnis des islamischen Gottesbildes und damit eng verbunden des Islams benötigt, um bereichernde Potenziale zur Befreiung des Menschen und zur Verwirklichung seiner Glückseligkeit sowie seiner Interessen als verantwortungsvoller Mensch zu entfalten.“

Der Tod einer jungen Frau, die nach der Inhaftierung durch die Sittenpolizei wegen nicht vorschriftsmäßig getragenen Kopftuch am 16. September gestorben war, hat im Iran eine Welle des Protests gegen die Unterdrückung von Frauen ausgelöst. Bei dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen bisher mehr als 80 Menschen getötet.

epd
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9 Antworten

  1. Es stellt sich allerdings auch immer wieder die Frage, welchen Sinn es (aus subjektiver Sicht einer Religion) macht, wenn sich diese von den Idealen ihres Gründers distanziert. Die Geschichte des real existierenden Christentums war oft mehr (!) von Gewalt geprägt, als Jesus es vorgelebt hat. Die Geschichte des real existierenden Islam wiederum war oft sogar friedlicher (!) als Mohammed es (in seinen letzten Jahren) vorgelebt hat. Nach allem, was mir bekannt ist, war die islamische Gesellschaft in den letzten Jahren Mohammeds tatsächlich etwas wie ein Gottesstaat, was man aber wiederum auch von bestimmten Phasen des alttestamentlichen Israel sagen kann. In sofern können sich die iranischen Mullahs – sad but true – durchaus auf Mohammed berufen. Jesus wiederum lehrte – anders als der Islam und die Offenbarung des AT an Israel – eine Trennung zwischen dem Reich Gottes und dem/den “Fürsten dieser Welt”.

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  2. Ich würde den Islam als totalitäres politisches System mit Gottesbezug definieren.

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  3. „Es wird daher dringend ein Alternativverständnis des islamischen Gottesbildes und damit eng verbunden des Islams benötigt..” Eine echte Alternative zum islamischen Gottesbild (das Bild Allahs) wäre der Gott der Bibel, der Vater des HERRN Jesus Christus. Am Bild Allahs herumretuschieren ist Unsinn, Sinn fürs Leben und fürs Sterben macht nur der Gott der Bibel.

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  4. Der Islam müsste sich vom Quran und Mohammed als bestes Vorbild eines Menschen distanzieren und damit würde er aufhören zu existieren. Wenn man alleine einmal reinschaut in die Hadithe, die Geschichten über Mohammed erzählen, kann einen zT nur schlecht werden.
    Mohammeds Regeln galten immer für alle im Herrschaftsbereich des Islam (Haus des Islam) lebende.
    In den drei Stufen des Jihats wird das gebauer erklärt. Aber viele wissen nicht einmal diese einfachen Dinge, auch wenn wir ein Beispiel dafür im Kosovo direkt in Europa haben.

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    1. Oder der christliche Terror, wie z.B. die “Lord’s Resistance Army” in Uganda oder die IRA in Irland.

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      1. Malik, wobei islamischer Terror von „guten“ Muslimen, da sie im Einklang mit dem Koran handeln, verübt wird und „christlicher“ Terror“ nicht von (wiedergeborenen) Christen verübt wird, denn sie handeln klar gegen Gottes Wort.

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        1. Können Sie für Ihre Aussagen über Muslime Quellen angeben? Ich kenne viele Muslime und auch Stellungnahmen von muslimischen Verantwortlichen, die Islamisten eindeutig verurteilen und sagen, dass das keine guten Muslime sind, z. B. https://www.rtf1.de/news.php?id=9651

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  5. „Es wird daher dringend ein Alternativverständnis des islamischen Gottesbildes und damit eng verbunden des Islams benötigt, um bereichernde Potenziale zur Befreiung des Menschen und zur Verwirklichung seiner Glückseligkeit sowie seiner Interessen als verantwortungsvoller Mensch zu entfalten,“ sagt Herr Khourchide.
    Das sind tollklingende, gewaltige hohle Worte. Wer benötigt denn dieses “Alternativverständnis des islamischen Gottesbildes” und “des Islams”? Wo bitteschön liegen jene “bereichernde Potenziale…”? Im Islam? Im erwünschten “Alternativverständnis”? Im “Menschen”? Und wer soll dieses “Alternartivverständnis” entwickeln und erfolgreich durchsetzen? Vor allem wann und wie soll das ganze stattfinden? Mir wirds übel.

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