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Katholische Theologen verteidigen Ablehnung der Suizidbeihilfe

Warum ist die Katholische Kirche gegen Sterbehilfe? Drei Theologen erklären die Haltung der Kirche in einem Zeitungsbeitrag.
Von Norbert Schäfer
Tote Hand

Foto: Alberto Biscalchin | CC BY-SA 2.0 Generic

Die Katholische Kirche sieht sich bei der Frage um Suizidbeihilfe an der Seite der Palliativmedizin und der Hospizbegleiter

In einem gemeinsamen Gastbeitrag in der Tageszeitung Die Welt vom Montag verteidigen Kerstin Schlögl-Flierl, Professorin für katholische Moraltheologie an der Universität Augsburg, Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen, und Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritas-Verbandes, die ablehnende Haltung der Katholischen Kirche zur Suizidbeihilfe.

„Die katholische Kirche möchte Hilfe im Sterben und nicht Hilfe zum Sterben leisten und lehnt deswegen Suizidbeihilfe ab“, schreiben die katholischen Theologen. Die Debatte um die Suizidbeihilfe treffe „einen Kernbereich der diakonischen Tätigkeit“ und eine Kirche, die den Menschen beistehen wolle. Die Autoren begründen die Ablehnung der Suizidbeihilfe unter anderem damit, dass in Ländern mit „liberalisierten Regelungen“ die Zahl der Suizide nicht abnehme.

„Selbstbestimmung in Beziehung“

Schlögl-Flierl, Overbeck und Neher schreiben in dem Gastbeitrag, dass die Katholische Kirche die Entscheidung von Suizidenten akzeptiere und auch nicht verurteile. Die Katholische Kirche vertrete ein anderes Autonomieverständnis. „Sie betrachtet Selbstbestimmung in Beziehung: in Bezug zu sich selbst, in Bezug zu anderen – im Falle des Suizids die Angehörigen – und – für einen gläubigen Christen und eine gläubige Christin – in Bezug zum personalen Gott“, lautet es in dem Artikel. „Die Freiheit, sich das Leben zu nehmen, verneint im Suizid radikal ihre eigene Basis, das Leben, und wird ad absurdum geführt.“

Im Februar 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe für grundgesetzwidrig erklärt. Das Gericht hatte sein Urteil unter anderem damit begründet, dass das Recht auf selbstbestimmtes Sterben verletzt werde. Das Recht eines Menschen, selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden, besteht dem Urteil zufolge in jeder Lebensphase.

Weigerung ist nicht unbarmherzig

Im Januar hatten sich die evangelischen Theologen Reiner Anselm und Isolde Karle sowie Diakonie-Präsident Ulrich Lilie in einem gemeinsamen Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes geäußert. Lilie hatte die Meinung vertreten, dass kirchliche Einrichtungen bestmögliche Palliativversorgung anbieten, sich aber nicht der Suizidassistenz verweigern sollten. Dafür hatte Lilie Kritik geerntet.

Die katholischen Autoren wehren sich in dem Welt-Beitrag gegen Vorwürfe, dass die Katholische Kirche mit der Ablehnung des assistierten Suizides „unbarmherzig, würdelos und stumpf dem Leid der Wehrlosen“ gegenüber stehe. Barmherzigkeit bedeute „das Begleiten beim Sterben und nicht das Verhelfen zu diesem“.

Die gesetzliche Finanzierung von Einrichtungen dürfe nicht abhängig gemacht werden vom Angebot der Suizidbeihilfe. Die Autoren spekulieren nicht darüber, wofür Jesus sich in der Diskussion aussprechen würde und stellen abschließend fest: „Wir stehen […] an der Seite der Palliativmedizin und der Hospizbegleiter, die das Sterben beziehungsvoll gestalten, wir stehen an der Seite des Lebens.“

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