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Journalist Mascolo fordert besonnene Berichterstattung in Krisen

Georg Mascolo fordert mehr Sachlichkeit in der Berichterstattung. Journalisten sollten sich „Daueraufgeregtheit“ sozialer Medien verweigern.
Der Journalist Georg Mascolo leitet den Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung

Foto: pro/Norbert Schäfer

Georg Mascolo (Archivbild) war von 2008 bis 2013 Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel

Der Journalist Georg Mascolo hat vor zunehmendem Alarmismus in der Medienberichterstattung gewarnt. „Gerade in Zeiten der Krisen und Verunsicherung wünschen sich die Menschen Sachlichkeit und Erklärung, nicht Überspitzung und Superlative“, betonte der frühere Spiegel-Chefredakteur am Donnerstagabend beim Jahresempfang der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe in Bückeburg. Guter Journalismus sei „dienend“ und helfe Menschen dabei, sich auf Grundlage sauber recherchierter und verständlicher Berichterstattung zu orientieren und zu einer eigenständigen Einschätzung komplexer Themen zu gelangen.

Mascolo, der bis zum Frühjahr dieses Jahres Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung war, sagte vor rund 900 Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft, „dass guter und schlechter Journalismus im Social-Media-Zeitalter oft nur einen Klick auseinanderliegen“. Entsprechend gefragt seien wache und kritische Mediennutzer. Diese könnten seriösen und redlichen Journalismus unter anderem daran erkennen, wie Redaktionen mit eigenen Fehlern umgingen: „Ehrlichkeit und Transparenz im Umgang mit Fehleinschätzungen und Fehlberichterstattungen sind für glaubwürdigen Journalismus unerlässlich.“

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Mit Blick auf die Energiekrise, steigende Lebenshaltungskosten und Sorgen vor wachsender sozialer Not kritisierte Mascolo, dass jetzt Berichte über einen drohenden „Wut-Winter“ zu lesen seien. „Die steilsten Prognosen bekommen oft die größte Aufmerksamkeit“, sagte er. Dabei zeige sich im Rückblick zumeist, dass die Vorhersagen drastischer seien als die Realität. Mascolo plädierte für Journalismus, der sich nicht „von der Daueraufgeregtheit der sozialen Medien mitreißen lässt“.

Zudem betonte er, dass die Unterdrückung von Presse- und Meinungsfreiheit weltweit betrachtet weiter zunehme. Einst sei die Bekämpfung der freien Marktwirtschaft ein zentraler Indikator für Demokratiedefizite gewesen, heute sei es die Unterdrückung unabhängig arbeitender Journalisten. Gerade deshalb müsse immer im Bewusstsein bleiben, dass die freien Medien einen lebenswichtigen Beitrag zur Demokratie leisteten, indem sie „den Mächtigen und Einflussreichen auf die Finger schauen“.

epd
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5 Antworten

  1. Nun, Herr Mascolo ist in seiner Berichterstattung nicht durch besondere Sachlichkeit aufgefallen. Alle ÖRR mit wenigen Ausnahmen beteiligen sich an der aktuellen Aufgeregtheit oder verstärken die Äußerungen der Politiker in diese Richtung erst noch. Zudem fehlt doch gerade dieser Rechercheverbund, wo Herr Mascolo war eine kritische Distanz zur Regierung und es wird auch dort die 4. Gewalt nicht ausgeübt, sondern alles was die Regierung sagt nachgebetet. Besonnenheit sieht für mich anders aus wie die Tätigkeit von Herrn Mascolo in den letzten Jahren

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  2. “Diese könnten seriösen und redlichen Journalismus unter anderem daran erkennen, wie Redaktionen mit eigenen Fehlern umgingen: „Ehrlichkeit und Transparenz im Umgang mit Fehleinschätzungen und Fehlberichterstattungen sind für glaubwürdigen Journalismus unerlässlich.“

    Mir fällt da eigentlich nur der Relotius-Fall. Wenn es doch mal vereinzelt nachträgliche Richtigstellungen gibt, sind diese meist sehr unauffälig. Ansonsten bestätigt diese Aussage eigentlich mein Bild vom Journalismus in Deutschland: Es kaum seriösen und redlichen Journalismus, denn Ehrlichkeit und Transparenz im Umgang mit Fehlberichterstattungen gibt es fast überall nicht.

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  3. Herr Mascolo hat soooo recht. Seriöse Medien sollten sich durch sachliche Berichterstattung auszeichnen, gerade weil die digitalen Netzwerke durch ihre Algorithmen den Krawall mit Klicks belohnen. Unter anderem mit dem Aufspüren der Panama-Papers ist dem Recherchenetzwerk mit internationaler Beteiligung eine sensationelle Enthüllung gelungen, die weltweit dazu beigetragen hat, die Mächtigen nicht nur unter die Lupe zu nehmen, sondern einige auch zu Konsequenzen zu zwingen. Nochmals großen Applaus dafür. Mascolo hat auch recht damit, dass man seriöse Medien daran erkennt, wie sie mit Fehlern umgehen. Dass Fehler passieren, lässt sich leider nicht vermeiden.
    Auch im Kleinen liest man bei seriösen Digitalportalen häufig Korrekturen, was ich sehr begrüße.

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  4. Wir werden doch von morgens bis abends für dumm verkauft, von den Medien. Und die Politik nutzt die Medien, um uns für dumm zu verkaufen. Beispiel gefällig? Im Ukraine-Krieg beschäftigen sich die meisten Politiker und Medien mit dem Streit: Mehr (schwere) Waffen von uns in die Ukraine, ja oder nein? Und während der Eine so sagt und der Andere anders (um die vielen KGB-Agenten in Deutschland zu verwirren), liefert der Westen (auch wir) schwere Waffen in die Ukraine, dass die Schwarte kracht… Wie sonst wären die Erfolge der Ukraine am Schlachtfeld möglich? Glaubt denn irgendjemand von Politik und Medien, ich könne nicht 1+1 zusammenzählen?? Die ganzen Debatten um schwere Waffen für die Ukraine sind alles SCHEIN-Debatten, um die Leut` für blöd zu verkaufen. Die Leut`in Deutschland und die Russen-Spione….

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  5. Mehr Sachlichkeit in der Berichterstattung. Einige Kommentare hier machen deutlich was davon zu halten ist. Auch hier bei PRO wird davon geredet, dass Russland politisch, wirtschaftlich und militärisch auf dem Weg in die dritte Liga ist. Kein Wort davon, dass wir “im besten Deutschland aller Zeiten” eine katastrophale politische Führung haben die bestenfalls viertklassig ist und uns wirtschaftlich in den Abgrund führt. Von unseren militärischen Fähigkeiten ganz zu schweigen. Mehr Sachlichkeit und Ehrlichkeit fehlen an allen Ecken und Enden !

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