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Jesus soll immer im Mittelpunkt stehen

Wer das Buch „Der Ideen-Entzünder“ über Ulrich Eggers liest, könnte meinen, dass dessen Tag mehr als 24 Stunden hat. Der Tausendsassa der evangelikalen Szene hat viele Projekte umgesetzt und angestoßen. Aber er hat auch für die Zukunft noch einige Ideen.
Von Johannes Blöcher-Weil
Ulrich Eggers

Foto: Daniel Wildraut/jesus.de

Ulrich Eggers (vorn) bei einem seiner vielen Betägigungsfelder auf der Willow-Creek-Bühne

Es kommt schon ziemlich monströs daher: das neue Buch über Ulrich Eggers. Auf dem Buchdeckel von „Der Ideen-Entzünder“ wird er als Pastor, Pionier, Gründer und Netzwerker bezeichnet. Aber in den Gesprächen mit seinem guten Freund Thomas Härry, die die Grundlage des Buches sind, wird deutlich, dass Eggers auch immer ein Suchender ist und offen für neue Entwicklungen.

Die beiden blicken zunächst chronologisch auf Eggers’ Leben zurück, in den hinteren Kapiteln eher thematisch. Der Publizist wurde 1955 als Sohn eines Pastors geboren: in einem Umfeld mit hohen moralischen Ansprüchen und Forderungen. Bücher haben sein Leben von Anfang an geprägt. Eggers spricht darüber, wie er seinen Platz in der christlichen Gemeinschaft und im Glauben gefunden und an wem er sich dabei gerieben hat.

Schon als Jugendlicher bringt er „viel PS“ auf die Straße und sich als Mitarbeiter in Kinder- und Jugendgruppen ein. Eine Entwicklung, die sich durch sein ganzes Leben zieht. Sehr früh ist er, der sich als „wertorientiert“ bezeichnet, bestrebt, Grenzen zwischen Denominationen abzubauen. Er nimmt auch Anfeindungen aus dem „frommen Establishment“ in Kauf: weil „wir idealistisch und enthusiastisch“ manche Dinge thematisiert haben.

„Ich war anstrengend mit meinen neuen Ideen“

Eggers erlebt bei seinem eigenen Bruder, wie dieser als Pastor an Widerständen und einer Gegnerschaft in der eigenen Gemeinde scheitert: „Hier habe ich zum ersten Mal erfahren, dass dieses System Gemeinde auch verbohrt sein kann und Fehler macht.“ Er selbst konnte sich über Menschen freuen, die ihm Vertrauen entgegenbrachten und seine Fähigkeiten förderten. So sammelt er erste redaktionelle Erfahrungen bei christlichen Zeitschriften.

Ulrich Eggers, Thomas Härry: „Der Ideen-Entzünder“, SCM, 400 Seiten, 24,99 Euro, ISBN 9783417269024

Auch diese Phase beschönigt er nicht: Es machte ihm zu schaffen, wie verklemmt und geheimnisvoll Christen mit dem Thema Sexualität umgingen. Eggers polarisierte zwar mit manchen Beiträgen, wollte aber auch Brückenbauer sein: gerade Journalisten, christliche Medien und Pastoren hätten die Chance, zwischen unterschiedlichen Glaubensansichten zu vermitteln. Eggers selbst ist in seinem Theologie-Studium an den alten Sprachen gescheitert.

Sein Weg führte ihn zum Volontariat in den Bundes-Verlag, einen christlichen Zeitschriftenverlag freikirchlicher Prägung. Auch dort packt er Reizthemen wie die weltpolitische Lage und die Aufrüstungsbestrebungen an und behandelt sie journalistisch. „Das war ein ziemlicher Tabubruch. Ich war anstrengend“, gesteht er.

Der Leser lernt aber auch einen Mann kennen, dem es in all seinen Projekten immer darum ging, Jesus in den Mittelpunkt zu stellen. Egal, ob es um eine neue christliche Zeitschrift (etwa Aufatmen, Family, Joyce) oder Veranstaltungsformate (zum Beispiel das Festival Spring) ging, welche er mit Mitstreitern ins Leben rief. Dabei scheute Eggers auch keine Risiken. Gemeinsam mit einer christlichen Gemeinschaft übernahm er ein Erholungsheim in Cuxhaven – sie bauten es zum christlichen Tagungszentrum Dünenhof aus, „um dort einen Ort zu schaffen, an dem Gott wirken kann“.

„Aufbrechen, nach vorne gehen und Ziele erreichen“

Aber es gab auch Rückschläge: persönliche Verluste wie den Tod eines Kindes warfen die Familie aus der Bahn, aber auch beruflich schwierige Zeiten in der Verlagsführung. Stillstand war für Eggers nie eine Option. Er will aufbrechen, nach vorne gehen und neue Ziele erreichen. Der Visionär spricht darüber, was dabei seine Baustellen und Herausforderungen sind.

Mehr als einmal ist Eggers an Grenzen gestoßen: die berufliche Zusammenarbeit mit dem SCM-Vorstand Friedhelm Loh sei „kein Freundschafts-Ponyhof“ gewesen. Beide hätten gemeinsam leidenschaftlich um Lösungen gerungen und ihre Mandate als Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender leidenschaftlich ausgeführt.

Ulrich Eggers gründete Zeitschriften wie family, Aufatmen, Joyce oder Anders Leben und verantwortet Aufatmen als Redaktionsleiter. Bis zum Herst 2021 war er Verleger und Geschäftsführer der SCM-Verlagsgruppe. Ehrenamtlich ist er 1. Vorsitzender von Willow Creek Deutschland und Leiter der Lebengsgemeinschaft WegGemeinschaft e.V. Er lebt mit seiner Frau Christel in Cuxhaven. Die beiden haben vier erwachsene Kinder.

Eggers Blick ist aber nicht eng, sondern geht auch über den geographischen Tellerrand hinaus. Er möchte Menschen vernetzten, die missionarisch aktiv sein wollen. Statt das Gegeneinander zu betonen, sollten sich Christen über die gemeinsame Sache definieren und dabei das Ziel im Blick behalten. Die Begegnungen mit ganz vielen Menschen hätten dabei seinen Horizont erweitert.

Die Gespräche beschreiben aber auch den Familienmenschen, der „mit Christel ein wunderbares Gegenüber“ bekommt, der lernen muss, seine Kinder loszulassen, und der ganz ehrlich darüber spricht, wie er trotz des hohen Alters seiner Mutter auf deren Tod kaum vorbereitet war. So entsteht nach der Lektüre ein rundes Bild über einen Menschen, dem es immer wichtig ist, dass der christliche Glaube relevant für den Alltag bleibt.

Eggers möchte trotz seiner eigenen Schwächen Grenzen abbauen, damit sich Menschen und Organisationen unterschiedlicher christlicher Konfessionen begegnen können und das Zusammenarbeiten lernen. Die knapp 400 Seiten legen dar, wie er mit seinen Ideen Türen geöffnet und die biblische Botschaft aus der evangelikalen Welt heraus transportiert hat. Interessant ist, dass die jeweilige Lebensphase eingebettet wird in die Daten des Weltgeschehens. Für das Weltgeschehen hat Eggers vielleicht nicht die entscheidende Rolle gespielt, für viele Entwicklungen in der evangelikalen Welt durchaus.

In einer früheren Version hieß es, Ulrich Eggers habe mit einem großen Kredit ein Erholungsheim in Cuxhaven übernommen und den Dünenhof aufgebaut. Umgesetzt hat dieses Projekt aber eine Gruppe von Christen, zu der Eggers gehörte. Wir haben das korrigiert.

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Eine Antwort

  1. Lieber Herr Eggers,
    danke für den Hinweis. Wir haben das im Artikel korrigiert. Ihren Dank haben wir an Johannes Blöcher-Weil weitergeleitet.
    Liebe Grüße, die PRO-Redaktion

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