Jesus kennenlernen auf der „Logos Hope“

Für zehn Tage liegt das Missionsschiff „Logos Hope“ in Hamburg vor Anker, um die Botschaft von Gottes Liebe zu verbreiten. Der Großteil der Besatzung kommt aus Ländern des globalen Südens. Ein Besuch an Bord
Von Christian Biefel

Es ist 10 Uhr morgens in Hamburg. An der Überseebrücke im Hafen warten bereits mehrere Schulklassen im beginnenden Regen darauf, die „Logos Hope“ zu betreten. Die Schüler kommen, wie der Lehrer einer christlichen Schule im Gespräch mit PRO sagt, damit sie „Jesus Christus kennenlernen“. Das Missionsschiff der Organisation „Operation Mobilisation“ (OM) liegt gegenüber dem Museumsschiff „Cap San Diego“. Eine umgebaute Fähre, 132 Meter lang. Dann hat das Warten für die Jugendlichen ein Ende. Die „Logos Hope“ öffnet ihre Luken.

Die Kommunikationsleiterin des Schiffes, Navya Lankadsu, heißt die Besucher im Innenraum mit herzlicher Freundlichkeit willkommen. Lankadsu ist in Indien aufgewachsen und 25 Jahre alt. Sie ist Teil der aus über 60 Ländern stammenden Schiffscrew und arbeitet mittlerweile im dritten Jahr an Bord der „Logos Hope“. Ein Gehalt erhält sie dafür nicht – das bekommt keiner der mehr als 300 freiwilligen Mitarbeiter. Jeder hat einen privaten Spenderkreis.

Der größte schwimmende Buchladen weltweit

Lankadsu führt die Gäste durch ihr schwimmendes Zuhause. Begeistert präsentiert sie das Herzstück: den Buchladen. Über 5.000 Bücher befinden sich dort und warten darauf, von Besuchern gekauft zu werden. Es ist der größte schwimmende Buchladen seiner Art weltweit. Vom Backbuch bis zur Bibel ist nahezu jedes Genre vertreten. Der Shop folgt einer Dramaturgie: Er beginnt mit säkularen Büchern und schließt mit geistlicher Literatur ab. Hunderte von Bibeln inklusive.

Anschließend leitet die Wegführung den Besucher durch einen Korridor, der die biblische Geschichte des verlorenen Sohnes comichaft und modern interpretiert erzählt. Bei einem anschließenden Kaffee im „Hope Café“ sind die Hamburger „Zeitmatrosen“ eingeladen, zu entspannen. Ähnlich wie bei freikirchlichen Großveranstaltungen steht dort ein Mitarbeiterteam für Gespräche bereit.

Foto: PRO/Christian Biefel
Der Preis der Bücher ist an Bord um einiges günstiger als im deutschen Inland. Das Schiff ist nicht an die deutsche Buchpreisbindung gebunden.

Doch die „Logos Hope“ nur auf den Buchladen zu reduzieren, wäre falsch. Über einen Bildschirm flimmert ein Video, das die vielfältigen Einsatzgebiete des OM-Schiffes zeigt. Zahlreiche Veranstaltungen, Evangelisationseinsätze an Land, Worship-Abende und praktische Hilfsangebote begleiten den Aufenthalt. Das Ziel: Hoffnung, Bildung und Hilfe in die Welt – und nach Deutschland – zu bringen.

Gottes Wort als Fundament

Der Antrieb scheint vom Bäcker bis zum Kapitän derselbe zu sein: sich auf der „Logos Hope“ von Gott gebrauchen zu lassen. „Das Fundament ist Gottes Wort“, sagt der Geschäftsführer und geistliche Leiter des Schiffes, Decio De Carvalho.

Foto: PRO/Christian Biefel
Die Mitarbeiter in der schiffseigenen Bäckerei backen 50 Kilogramm Brot am Tag

„Problemfrei ist das Missionsschiff trotzdem nicht“, sagt die Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Corinna Scharrenberg, zu PRO. Konflikte entstehen ebenso wie Verletzungen. Lankadsu findet das normal bei so vielen unterschiedlichen Menschen. Auf einem Schiff zu sein, ist dabei Fluch und Segen zugleich. Voreinander wegzulaufen sei unmöglich. Konflikte müssten gelöst werden, wenn eine weitere Zusammenarbeit angestrebt werde.

Auch der Verantwortliche für den Hotelservice, Malte Keller, berichtet von zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen im Arbeitsalltag. Der 20-Jährige sieht darin eine Wachstumschance. Bei jedem Konflikt könne er sich an Mediatoren oder an seine „Schiffseltern“ wenden. „Niemand steht allein da.“ Er erklärt das Konzept: Jeder freiwillige Mitarbeiter hat sogenannte „Eltern“ auf dem Schiff. Dabei handelt es sich um Ehepaare, die sich um die OM-Schützlinge kümmern und sie unter anderem in ihrem Glaubensleben herausfordern, ermutigen und begleiten.

Junge Menschen in Führungspositionen

Auffällig: Überwiegend junge Menschen arbeiten auf dem Schiff – auch in Führungsrollen. Es sei eine „schwimmende Seefahrtsschule“, sagt der Kapitän des Schiffes, Samuel Hill. Und alles regelkonform. Die „Logos Hope“ wird in regelmäßigen Abständen von Behörden überprüft und zertifiziert. Jeder, der auf dem Schiff mitarbeitet, ist zudem professionell geschult. Viele kommen direkt nach dem Schulabschluss an Bord. Neben der arbeitsbezogenen Ausbildung werde „auch der Charakter geformt“, sagt der Kapitän. Das Durchschnittsalter der Besatzung liegt bei etwa 25 Jahren.

Foto: PRO/Christian Biefel
Navya Lankadsu (li.) scherzt mit einem anderem Crewmitglied

Ein Großteil der Schiffsmitarbeiter stammt nicht aus westlichen Ländern wie Deutschland oder den USA. Ein Crewmitglied erklärt: „Der überwiegende Teil der OM-Mitarbeiter weltweit kommt mittlerweile von der südlichen Welthalbkugel.“ Der Geschäftsführer, Decio De Carvalho, ist Brasilianer. Manche Mitarbeiter stammen aus Ländern, in denen sie für ihren Glauben verfolgt werden. Ein Trend, der in den vergangenen Jahren immer stärker geworden sei und Hand in Hand mit der Glaubensoffenheit in den einzelnen Ländern gehe, sagt eine weitere Mitarbeiterin.

Piet Roch, Bootsmann der „Logos Hope“, verdeutlicht dies mit einem praktischen Erfahrungsbericht. In afrikanischen Ländern seien meist nur zwei Sätze nötig gewesen, um mit Menschen über Jesus Christus ins Gespräch zu kommen. In Deutschland sei das anders. Hier seien die Menschen „schwieriger“ und verschlossener gegenüber dem Evangelium.

2030: Ende der „Logos Hope“

Die „Logos Hope“ hat auch viele Baustellen. Immer wieder sind auffällige Rostflecken an den Schiffswänden zu sehen. Generell wirkt das Schiff in die Jahre gekommen. „Die Logos Hope ist mit 53 Jahren ein sehr altes Schiff“, erklärt Captain Sam. Die maximale Lebensdauer des Schiffes: bis zum Jahr 2030. „Aufgrund der immer strengeren Abgasregelungen wird es dann wirtschaftlich vermutlich nicht mehr betreibbar sein.“ Der Kauf eines neuen Schiffes sei bereits geplant. Konkrete Informationen gebe es dazu derzeit noch nicht.

Foto: PRO/Christian Biefel
Kapitän Samuel Hill opferte seine Urlaubstage, um die „Logos Hope“ von den Niederlanden
nach Deutschland zu steuern

Nach der Rundführung, wieder außerhalb des Schiffes, regnet es noch immer. Auch ein für Juni untypisch eisiger Wind ist aufgekommen. Die Logos Hope hat ihre Türen geöffnet und auch ihr Herzensanliegen offenbart: Zeugnis der Liebe Gottes zu sein, Menschen für Jesus Christus zu gewinnen und sie mit Gott zu versöhnen. Alle Besatzungsmitglieder haben ihre Heimat verlassen, um diesem Auftrag zu dienen – auch in Deutschland. Bis es am 16. Juni Richtung Großbritannien weitergeht.

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