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Ja, Gott liebt sogar superreiche Fernsehprediger

Der Film „The Eyes of Tammy Faye“ erzählt herzerweichend den Lebensweg der US-Fernsehpredigerin Tammy Faye Bakker. Vom Aufstieg zur Millionärin bis zum schweren Fall nach sexuellen und finanziellen Vergehen. Jetzt ist er auch in Deutschland zu sehen.
Von Jörn Schumacher
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Film „The Eyes of Tammy Faye“

Foto: SearchlightPictures

Ein sehenswerter Film – ab 23. März auf Disney+: „The Eyes of Tammy Faye“

Eigentlich betont es Jesus auf fast jeder Seite der Evangelien: Gott liebt die Armen. Und er hasst die Gier nach Reichtum. Weil sie die Suche nach dem, was wirklich wichtig ist, vernebelt: Seine Liebe. Trotzdem muss irgendwann der Aberglaube des Wohlstandsevangeliums in das Denken eines Teils der amerikanischen Christenheit eingewandert sein. Und es ist da bis heute nur schwer herauszubekommen. Davon handelt auch der Film „The Eyes of Tammy Faye“.

Tammy Faye Bakker trug beides schon früh in sich: Viel Liebe für die Menschen, aber auch viel Sehnsucht nach Luxus und Reichtum. Beim Studium an einer Bibelschule in Minneapolis lernte sie 1960 ihren späteren Mann Jim kennen. Die beiden verband nicht nur eine leidenschaftliche, fast kindliche Liebe zueinander, sondern auch die Überzeugung, von Gott zu etwas ganz Großem berufen zu sein: Über das Fernsehen zu einem Massenpublikum über das Evangelium zu sprechen.

Tammy Faye und Jim Bakker gründeten auf dem damals noch neuen und heute weltbekannten christlichen Fernsehsender „Christian Broadcasting Network“ (CBN) des Fernsehpredigers Pat Robertson eine der bekanntesten christlichen Fernsehsendungen Amerikas, die bis heute läuft: „The 700 Club“. Dann erschufen sie mit PTL (das steht für „Praise the Lord“) das größte christliche Fernseh-Imperium jener Zeit. Über Satellit erreichte das Ehepaar bis zu 20 Millionen Menschen in über 50 Ländern.

Sogar einen eigenen christlichen Freizeitpark errichtete Jim Bakker, in dem sich die Menschen wie im alten Jerusalem fühlen konnten, allerdings mit Wasserrutschen und Karussells, mitten in Amerika. Der biblische Vergnügungspark war damals so beliebt wie Disney World und Disneyland.

Dann kam der Absturz: Es wurde öffentlich, dass das Ehepaar Millionen von Dollar der Spenden, zu denen sie Abend für Abend die Fernsehzuschauer aufriefen, für seinen eigenen teuren Lebensstil abgezweigt hatte. Außerdem hatte Jim Bakker 279.000 Dollar an eine junge Frau gezahlt, damit sie nicht öffentlich von der Affäre mit ihm sprach.

„Vielleicht haben wir zu vorschnell über sie geurteilt“

Das Leben der schillernden, stets grell geschminkten Tammy Faye Bakker steht im Zentrum des Spielfilms von Regisseur Michael Showalter. In den Hauptrollen brillieren Jessica Chastain („Interstellar“) als Tammy Faye Bakker und Andrew Garfield („Hacksaw Ridge“) als ihr Ehemann. Das Biopic kam zwar bereits 2021 in die amerikanischen Kinos und ist nun auch bei großen Streamingdiensten wie Amazon Prime Video, Google Play Movies, iTunes und YouTube zu sehen, allerdings nur in den USA. Es ist zu hoffen, dass sich sehr bald ein deutsches Studio um eine Synchronisation kümmert.

Es wäre ein Leichtes gewesen, im Film Tammy Faye Bakker ins Lächerliche zu ziehen, sagte Regisseur Showalter in Interviews. Die Predigerin und Sängerin hatte sich auffällige Augenränder und eine dunkle Umrandung ihrer Lippen als Permanent Make-up ins Gesicht tätowieren lassen. Sie sah eher aus wie eine Dragqueen als eine Geistliche – und tatsächlich wurde und wird sie noch immer von der LGBT-Szene in Amerika verehrt.

Doch viele verspotteten sie, es gab sogar T-Shirts zu kaufen, auf denen viele bunte Farbkleckse zu sehen waren und darunter der Schriftzug: „Ich stieß heute mit Tammy Faye Baker zusammen.“ Showalter sah die Dokumentation aus dem Jahr 2000, die denselben Titel trägt wie sein Spielfilm, und ihm wurde klar: Er wie viele andere seiner Generation kannten diese erstaunliche Frau nur gefiltert durch Medienberichte als verrückten, bunten Vogel, der von Gott sprach. „Vielleicht haben wir alle zu vorschnell über sie geurteilt“, musste sich Showalter fragen.

Der Fischaufkleber bröckelt bereits ab

Sein mehr als 120 Minuten langer Spielfilm „The Eyes of Tammy Faye“ schafft es, den Menschen hinter der dicken Maske aus glitzerndem Make-up freizuschaufeln. Die 1942 in Minnesota geborene Tamara Faye Messner wuchs bei Pfingst-Predigern auf. Doch weil sich ihre Eltern scheiden ließen, durfte sie als Kind nicht den Gottesdienst besuchen, was sie so gerne getan hätte.

Der offizielle Trailer von „The Eyes of Tammy Faye“

„Sie war eine Außenseiterin und suchte Akzeptanz, Liebe bei anderen Menschen und bei Gott“, resümierte Regisseur Showalter. Und so wurde sie zu einer Person, die selbst die Ausgestoßenen liebte. Die Ambitionen ihres Mannes, der noch ein Hotel und noch eine Kirche bauen wollte, waren ihr herzlich egal. Das Thema seines Films sei heute noch aktuell, sagt Showalter, immer noch stecke das Wohlstandsevangelium in der DNA vieler amerikanischer Christen. Für Tammy Fayes Ehemann Jim stand jedenfalls fest: „Gott will, dass Du reich bist!“

Tammy Faye lud auf den Höhen der AIDS-Epidemie in den 80er Jahren den homosexuellen Pastor Steven Pieters, der an AIDS erkrankt war, in ihre Sendung ein. In einer Schlüsselszene des Films bittet sie voller Liebe um Verzeihung dafür, dass so viele evangelikale Christen es offenbar nicht schaffen, auch einem AIDS-Kranken Gottes Liebe zu zeigen. „Wie schade“, sagte sie in die Kameras und vor Millionen konservativer Zuschauer, „dass wir Christen, die wir das Salz der Erde sein sollen, die jeden lieben sollen, so viel Angst vor einem AIDS-Patienten haben, dass wir ihm nicht unseren Arm um die Schulter legen und ihm sagen können, dass wir uns um ihn sorgen.“

Darstellerin Jessica Chastain zeigte sich in einem Interview von diesem Fernsehausschnitt besonders beeindruckt. „Als Steve über seine Homosexualität sprach und in Tränen ausbrach, sagte Tammy Faye ihm, dass Mütter und Väter ihre Kinder immer lieben, und so tue Jesus es auch. Ich glaube, dass Tammy durch dieses Interview Leben gerettet hat.“

Das Leben in Saus und Braus und die zunehmende Abwesenheit ihres Mannes setzten Tammy Faye zu. Sie nahm immer mehr Beruhigungstabletten. Eine Szene verdeutlicht ihre Abhängigkeit meisterhaft, fast wie in einem psychedelischen Musikvideo, in dem Tammy immer lauter und schriller singt: „Jesus keeps on takin’ me higher and higher“, und mit jedem „higher“ rauscht eine weitere Pille in ihren Mund. „High“ war Tammy zu jener Zeit sowohl, was ihren Reichtum anging, als auch den chemischen Cocktail in ihrem Blut; mit Jesus hatte ihr Leben inzwischen allerdings immer weniger zu tun.

Film über Tammy Faye gipfelt in Botschaft von Gottes Liebe

Tammy Faye sprach in ihrer Sendung tatsächlich über alles – auch darüber, was Penispumpen für eine gute, christliche Ehe bedeuten können. Außerdem setzte sie sich in der von Männern dominierten Welt der Fernsehprediger durch, was ihr auch Respekt unter Feministinnen einbrachte. Sie sträubte sich stets, die Menschen einzuteilen in links und rechts, Liberale und Konservative, Evangelikale und Sünder. Ihre Liebe reichte weiter.

Und so kulminiert der Film zum Schluss in einer mitreißenden Botschaft, die von der Liebe Gottes genau so handelt wie eine gute Fernsehpredigt: Er zeigt uns eine gealterte Tammy Faye, mittlerweile getrennt von ihrem Mann, der eine mehrjährige Haftstrafe wegen Betrugs absitzen muss, immer noch mit ihrem obszönen Dauer-Make-up. Die Nachbarn ihrer bescheidenen Wohnanlage lachen über sie.

Geradezu symbolisch für ihren geistlichen und physischen Zustand zeigt der Film eine nur wenige Sekunden dauernde Einstellung: Die ehemalige Evangelisten-Millionärin fährt nun einen alten Honda, und auf dem klebt hinten ein alter Fischaufkleber, an dem ein Teil schon abgefallen ist. Doch dann wird Tammy Faye auf einmal klar, dass Gott die Menschen auch liebt, wenn sie arm sind. Und dass sie dann seine Liebe noch viel mehr brauchen als Reichtum.

Am Ende betet Tammy Faye: „Jesus, komm in mein Herz und vergib mir meine Sünden. Ich weiß, ich hielt Dinge für wichtig, die nicht wichtig waren. Ich war verloren, und ich vergaß, wer Du für mich bist.“ Und in die Kamera an den Zuschauer gerichtet, singt sie: „Gottes Gnade ist für Dich. Gott liebt dich so, wie du bist.“

„The Eyes of Tammy Faye“, ab 23. März auf Disney+

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5 Antworten

  1. Das scheint mir einmal ein Film zu sein, der nicht nur Schwarz/Weiß gestrickt ist. Sehr schön! Hat nicht jeder Mensch helle, dunkle und ambivalente Anteile? Gibt es nur “gute” Menschen/Christen? Vielleicht zeigt der Film ja auch auf uns selbst, dass wir manchmal sehr schnell und sehr ungnädig (anders als unser Gott) ver-/beurteilen? Wie hieß die Jahreslosung 2021 nochmal? “… Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig (und gnädig) ist!”

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  2. *Das* Ehepaar hat Millionen gespendeter Dollars für *ihren* eigenen Lebensstil abgezweigt?
    Das ist eine Sünde – auch gegen die deutsche Grammatik…

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  3. Ich weiß nicht. Prinzipiell halte ich nichts von diesen Filmen. Selbst wenn sich das gut liest hinsichtlich des Ende des Films. Meines Erachtens wird hier ein falsches Evangelium propagiert. Immer noch bleibt es dabei: Ohne Buße und Bekehrung und Wiedergeburt ist keine Rettung möglich. Und richtig ist: Gott nimmt jede/n an, wie er/sie ist, aber dann muss eine Veränderung erfolgen hin in das Bild Seines lieben Sohnes, Jesus Christus. Eine Botschaft wie der Margarine-Slogan: “Ich will so bleiben wie ich bin – DU DARFST!” ist schlicht und einfach unbiblisch und daher falsch.

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  4. Als Jim Bakker vor mehr als 30 Jahren seinen Absturz erlebte, tat mir das als junger Christ noch richtig weh, ich nahm das irgendwie persönlich hatte aber auch die Schande vor Augen die über die evangelikale Welt ging. Erst Jahre später fing ich an die unselige Szene der Wohlstandsprediger, Heilungsevangelisten und christlichen Showmaster zu durchschauen und die anfängliche Bewunderung machte einer tiefen Skepsis Platz. Leider ist die charismatische Welt durchseucht von solchen Scharlatanen und leider distanzieren sich die moderaten Kräfte nicht deutlich genug von den Auswüchsen. Dieses Wegschauen wird der Bewegung noch auf die Füße fallen ! Vielleicht gelingt es ja Hollywood den Leichtgläubigen die Augen zu öffnen ?

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