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Meinung

Israel braucht mehr als warme Worte

Die Spannungen zwischen Israel und Palästinensern sind kürzlich wieder eskaliert. Deutsche Politiker bekunden Solidarität mit Israel, doch PRO-Kolumnist Jürgen Mette reicht das nicht.
Von Jürgen Mette
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Jürgen Mette Foto: PRO/Jürgen Mette
Politiker sprechen von Solidarität mit Israel, Jürgen Mette wünscht sich, dass sich das in konkretem Handeln niederschlägt

„Bei uns ist alles ruhig!“, sagte mein Freund Benny, der irgendwo zwischen Tel Aviv und Haifa an der Mittelmeerküste lebt, auf meinen besorgten Anruf hin. Ich wähnte ihn mit seiner Familie im Luftschutzbunker. Der touristisch hoch frequentierte Küstenstreifen an der Via Maris, der alten römischen Handelsstraße, auf der auch schon der Apostel Paulus unterwegs war, liegt offenbar außerhalb der Reichweite der Hamas-Raketen aus Gaza im Süden und der Attacken aus dem Libanon im Norden.

Ich frage Benny, ob das der Anfang einer neuen Intifada sei. Benny lacht, wie er immer gelacht hat, wenn wir zusammen auf Tour durch das sogenannte Heilige Land waren und uns ganz unheilig über die Scheinheiligen und Eisheiligen lustig gemacht haben. „Intifada – was für ein Wort“, sagt Benny, „wir beiden kennen und schätzen uns seit zwei Jahrzehnten, gab es irgendeine Zeit ohne Intifada?“ – „Du hast Recht, lieber Benny! Intifada ist nach der Intifada und vor der Intifada.“

Der Begriff Intifada steht für die palästinensischen Aufstände gegen Israel. Ein Volk auf der Suche nach dauerhafter Heimat „erhebt sich“ und wirft Steine, die Urform aller kriegerischen Auseinandersetzungen. Heute verfügen die Provokateure über modernste Raketen. Dreitausend davon wurden in einer Woche auf Israel abgefeuert. Hamas ist eine Terrororganisation, mit der man weder handeln noch verhandeln kann. Heute ist immerhin sogar von einer Waffenruhe die Rede. Unser Außenminister Heiko Maas (SPD) hat vor der bizarren Kulisse eines Bombenkraters in der Nähe von Tel Aviv eine deutliche Sprache gewählt: „Solange es Staaten und Gruppierungen gibt, die Israel vernichten wollen, solange muss Israel das Leben seiner Bürger schützen. Unsere Solidarität mit Israel erschöpft sich nicht in Worten!“

Feindliche Nachbarn

Und da könnten Sie schon einmal anfangen, lieber Heiko Maas: Wo sind die enormen Summen von Fördergeldern seitens der UN und der EU versickert? Weder sind sie in den Wiederaufbau geflossen, noch in die Errichtung von Infrastruktur. Größter Arbeitgeber in der Westbank und Gaza ist die UNRWA, ein 1949 von der UN gegründete Hilfswerk für die Palästinenser. Im Jahr 2020 verfügte die UNRWA über ein Budget von 773 Millionen Euro. Wer kontrolliert eigentlich die Verwendung dieser Gelder?

Der nach westlichem Vorbild aufgebaute Staat Israel ist eine moderne Demokratie – keine Theokratie, in der die politische Führung von den Religionsführern ausgeübt oder zumindest beaufsichtigt wird. Der kleine Staat Israel ist umgeben von feindlich gesinnten Nachbarn, die die Scharia im Kopf haben und nicht kompatibel mit der westlichen Demokratie sind.

Da sind liberale und gläubige Moslems, fanatische Fundamentalisten, die sich zur Ehre Allahs in die Luft sprengen und unsägliches Leid anrichten, und dicht daneben friedliche Zeitgenossen, die den Touristen in Nazareth geschnitzte „katholische Esel“ und „evangelische Kamele“ aufschwatzen.

Klar gegen Antisemitismus: handeln, nicht nur reden

Wer ein Herz für Israel hat, soll für die Konfliktparteien beten und nicht so tun, als seien die mit der Regierung des Landes beauftragten Parteien und deren liberale Vertreter so etwas wie eine Bibelstunde der schwäbischen oder sächsischen Israel-Fans. Damit konnte Donald Trump zwar seine fundamentalistischen Wähler glücklich machen, aber dem Staat Israel hat er keinen Gefallen getan. Damit hat er die letzte Intifada ausgelöst.

Solidarität mit Israel muss sich hier in einer scharfen Absage gegen den immer wieder aufkommenden Antisemitismus bewähren. Ich empfehle dringend die klaren und mutigen Worte von Cem Özdemir (Die Grünen), die er in den ARD-Tagesthemen gefunden hat:

Welche Parteien im Deutschen Bundestag würden sich hinter Özdemir stellen? Unsere Solidarität mit Israel erschöpft sich nicht in Worten. Na denn!

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6 Antworten

  1. Soweit so gut, nur die Passage über liberale Vertreter der Regierungsparteien, Bibelstunde, schwäbische und sächsische Israelfans erschließt sich mir nicht, sorry, aber ich weiß gar nicht um was es da geht, es soll eine Spitze sein, aber gegen wen ? Trump: ein schräger Vogel und schlechter Präsident gar keine Frage, aber die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels finde ich richtig, genauso die Abkehr von der zwei Staatenlösung die nur eine Metapher für Handlungsunfähigkeit ist.
    Cem Özdemir wurde gefragt was sich seit seinem Statement 2009 in Bezug auf migrantischen Antisemitismus verbessert hat, da kam nicht viel, er hätte erwähnen können, dass wir jetzt eine Million Muslime mehr im Land haben und dies die Sache nicht leichter macht.

    1. Lieber Bruder Stammtisc,h darüber könnnen wir gern mal telefonieren.
      Eine gesegneten Sonntag wünscht-
      Jürgen Mette

  2. Ich denke, dass Heiko Maas sich hinter Özdemir stellen würde, wenn er es nicht schon hat. Was wissen wir denn, was Heiko Maas hinter den Kulissen für Israel redet? Er war jeden falls schon immer ein Freund Israels, nicht nur Kraft Amtes!

  3. Hallo Herr Mette
    warum können Sie sich, wenn sie es nicht begründen, Ihre Spitzen gegen bibeltreue Christen nicht einfach sparen wie wieder in diesem Artikel? In der Regel ist das Stehen zu Israel von den Bibeltreuen wirklich eine gute Sache. Mir ist nichts anderes bekannt
    Leider ist es zudem nicht alles ganz so einfach wie Sie schreiben:
    Wo bleibt das Thema Wohneigentum von Palästinensern, das von Israelis streitig gemacht wird?
    Wo ist der Hinweis, welcher Rolle andere Mächte wie z.B. der Iran in dieser Auseinandersetzung spielen?
    Wo wird aus christlicher Verantwortung über die vielen ganz normalen Menschen sowohl im Gazastreifen wie in Israel geredet, die an dieser Konfrontation massiv leiden?

    Aus meiner Sicht muß deshalb, eventuell auch indirekt, mit der Hamas geredet werden. Wo mit Sie Recht haben ist, dass der Einsatz für Israel sich in der Regel nur auf Sonntagsreden beschränkt und da schliesse ich aber Cem Özdemir ausdrücklich mit ein

  4. Wer uneingeschränkt solidarisch mit Israel ist, der ist in Deutschland ein edler Mensch. Wer hingegenen uneingeschränkt solidarisch mit den Palästinensers ist, der ist in Deutschland ein Antisemit. Leider ist somit in Deutschland kein sinnvoller Diskurs über den Nahost-Konflikt möglich. Das zeigt leider auch dieser Artikel, der mit keinem einzigen Wort auf die jahrzehntelange militärische Besetzung der Palästinensergebiete eingeht.

    1. Mit einem Hauch von Zynismus: wenn man einen Krieg verliert hat das seinen Preis, den zahlen die Araber bis heute!

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