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„Ich wünsche mir, dass Frauen auf den Führungsetagen zu Hause sind“

Frauen in Führungspositionen begegnet häufig noch Skepsis. Oft trauen sie sich Leitungsaufgaben nicht zu. Elisabeth Schoft, selbst junge Führungskraft, will mit ihrem Buch „Leiten auf weiblich“ Frauen ermutigen und ihnen Handwerkszeug mitgeben. Im PRO-Interview erklärt sie, warum Frauen es gerade im christlichen Bereich als Leiterinnen oft schwer haben.
Von Swanhild Zacharias
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Foto: Sarah Ganzer

Autorin und Marketingleiterin Elisabeth Schoft wünscht sich, dass sich mehr Frauen trauen, als Leiterinnen aktiv zu werden

PRO: Ihr Buch heißt: „Leiten auf weiblich.“ Gibt es einen „weiblichen Führungsstil“?

Elisabeth Schoft: Ja und nein. Es gibt weibliche Leitung, weil Frauen vor anderen Herausforderungen stehen als Männer und weil man ihnen klischeehaft bestimmte Eigenschaften nachsagt: beziehungsorientiert, etwas weicher, nicht so stark auf Konfrontation gebürstet. Diese Zuschreibungen sind gleichzeitig ein Problem, denn auch nicht alle Männer sind nur dominant, diskussionsfreudig und nicht beziehungsorientiert. Gute Leitung hängt also nicht vom Geschlecht hab. Aber es gibt natürlich Bereiche, die für Frauen herausfordernder sind als für Männer. Zum Beispiel die Familienplanung, die für viele Frauen, die arbeiten oder leiten wollen, oft eine Herausforderung ist und ein Grund, warum Frauen nicht leiten – denn Unternehmen setzen Frauen im gebärfähigen Alter gar nicht erst in solche Positionen ein, aus Angst, dass sich der Invest nicht lohnen könnte. Frauen stehen außerdem vor der Herausforderung des Sich-beweisen-Müssens, wenn auf der Position oder im Unternehmen vorher nur Männer geleitet haben. Es gibt aber nicht per se weibliche Leitung.

Wie entstand das Buch?

Die Idee kam mir aus der persönlichen Betroffenheit heraus. Ich wurde mit 28 Jahren zur Abteilungsleiterin befördert. Ich hatte im ehrenamtlichen Bereich gewisse Führungserfahrung gesammelt, zum Beispiel über mehrere Jahre eine Jugendzeitschrift geleitet. Das reichte aber nicht. Ich merkte, dass beruflich leiten nochmal andere Herausforderungen mit sich bringt als ehrenamtliches Leiten. Als jemand, der in der Buchbranche arbeitet, habe ich natürlich zuerst nach Büchern geschaut. Etwas Aktuelles aus dem deutschsprachigen Raum, das auch den christlichen Aspekt von Führung betrachtet, gab es nicht. Ich habe dann für mich selbst die Inhalte zusammengesucht, auf die ich Antworten brauchte und dachte dann, dass meine Suche nach Wissen und Erkenntnis auch andere Frauen interessieren könnte. So entstand das Buch.

Gerade in konservativeren Gemeinden, sind es oft Männer, die leiten. Was bewegt Frauen im gemeindlichen Kontext, wenn sie mit dem Thema Leitung in Berührung kommen?

Ich nehme eine Unsicherheit wahr, ob es eine Legitimation für Frauen in Leitung gibt. Es gibt ja konkrete Bibelstellen, die sagen, die Frau habe ruhig zu sein in der Gemeinde (zum Beispiel 1. Korinther, 14,33 ff., d. Red.). Egal, in welchen Bibelkommentar ich geschaut habe – in der Schöpfungsordnung steht der Mann über der Frau und daraus wird abgeleitet, die Frau habe nicht zu leiten. Damit habe ich lange gerungen. Und ich glaube, dass viele Frauen unsicher sind und sich fragen: Darf ich überhaupt leiten? Glaube ich wirklich an einen Gott, der Frauen als Geschöpfe zweiter Klasse behandelt, sie aber mit Fähigkeiten ausstattet, die sie dann nicht nutzen dürfen? Klarheit gebracht hat der Beitrag von Sabine Fürbringer, der auch Teil des Buches ist. Sie erklärt ganz wunderbar, dass das Ziel von Frauen nicht „Machtübernahme“ ist, sondern Teilhabe, aus der gemeinsames und ergänzendes Leiten von Männern und Frauen entsteht.

Eine weitere Frage, die ich mir gestellt habe, ist meine Motivation fürs Leiten: Warum will ich das überhaupt? Ist das ein egoistisches Motiv – geht es um Ansehen und Prestige? Darf ich als Frau so ein Motiv überhaupt haben? Ich glaube, dass viele Männer sich das nicht fragen oder vorwerfen lassen müssen. Ich bin jedenfalls zu dem Entschluss gekommen, dass es sich besser leiten lässt, wenn man anderen Menschen damit dienen will – anstatt seinem eigenen Ego.

Foto: Neukirchener Verlag

Elisabeth Schoft (31) ist studierte Medienmanagerin (M.A.) und leitet heute die Marketing- und Presseabteilung bei Fontis. Ihr Buch „Leiten auf Weiblich“ ist im Neukirchener-Verlag erschienen und kostet 18 Euro, ISBN 9783761567920.

Wen soll das Buch erreichen?

Ich habe vor allem an Frauen in meiner Altersgruppe gedacht: Ende 20, mit dem Studium fertig. Frauen, die sich überlegen, ob sie leiten könnten, oder die gerade ihre erste Führungsposition angenommen haben. Aber auch selbständige Frauen, die jemanden einstellen müssen und auf diese Art mit Führung konfrontiert sind. Oder Frauen, die ihr eigenes Leitungspotenzial nie gesehen haben, aber dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind, in der Gemeinde oder im Beruf nochmal einsteigen möchten.

Was soll das Buch bei seinen Leserinnen bewirken?

Ich würde mir so sehr wünschen, dass es normaler wird, dass Frauen leiten. Und dass sie dadurch ihren eigenen Weg finden. Dass Frauen nicht das Gefühl haben, sie müssten jemanden oder einen Führungsstil kopieren, sondern ihren eigenen, individuellen Führungsstil entwickeln. Ich wünsche mir, dass Frauen sich trauen und auf den Führungsetagen zuhause sind. Nicht nur im mittleren Management, sondern auch in den Top-Positionen. Dass sie sich nicht hinterfragen, ob sie das können und dürfen. Sondern, dass sie selbstverständlich davon ausgehen, dass sie Gaben zum Leiten haben.

Was wünschen Sie sich insbesondere für den gemeindlichen Kontext, in dem ja oft Männer führen?

Dass man das Potenzial von Frauen wahrnimmt und erkennt. Dass man sie nicht begrenzt und sagt: ‚Du darfst mitarbeiten, aber nicht predigen, weil das biblisch nicht erlaubt ist.‘ Das braucht eine große Offenheit und ein Umdenken. Ich wünsche mir außerdem, dass Frauen wahrgenommen und gefragt werden, wenn es um Experten für Talkshows oder auf Kongressen geht. Oft ist ja die Ausrede: ‚Wir haben niemanden gefunden.‘ Da wünsche ich mir etwas mehr Willen, Frauen zu integrieren.

Muss man zur Leiterin geboren sein, oder kann jede Frau leiten lernen?

Ich dachte lange Zeit, dass mir das Leiter-Gen fehlt. Alle Leiter, die ich gesehen habe, waren charismatische Menschen, sehr dominant. Wenn die auf der Bildfläche erschienen, waren erstmal alle Augen auf sie gerichtet. So habe ich mich nicht gefühlt, so trete ich auch nicht auf. Ich gehöre zu den stetigen und beobachtenden Menschen. Jetzt merke ich, dass das trotzdem mit Leitung zusammenpasst. Manchmal ist das sogar besser. Menschen, die bedachter und stetiger sind, treffen Entscheidungen zwar langsamer, aber diese Entscheidungen konnten auch länger reifen. Ich habe also entdeckt, dass ich auch Potenzial zur Leitung habe. Aber nur, weil es mir jemand zugetraut hat. Grundsätzlich glaube ich, dass jeder von uns jemanden leitet. Ob zu Hause mit den Kindern oder ob man einen oder mehrere Menschen in seiner Abteilung hat. Schon allein durch unsere Vorbildfunktion leiten wir. Man muss nicht dazu geboren sein. Man kann vieles lernen, vieles Zwischenmenschliche zum Beispiel.

Welche Rolle spielt die geistliche Ebene für eine Leitende, wenn sie Christin ist?

Es kann und sollte eine große Rolle spielen. Ich persönlich habe dann nicht das Gefühl, dass ich mir selbst etwas beweisen muss. Es wird einfacher, wenn ich weiß, dass Gott mich an eine bestimmte Stelle gesetzt hat und mich ausrüstet mit den Fähigkeiten, die es dazu braucht – mit Ideen, Gedanken und den richtigen Worten. Ich kämpfe nicht allein, sondern werde vom Heiligen Geist geleitet in den Entscheidungen, die ich treffe. Das sehe ich als großen Vorteil.

Drei wertvolle Tipps für Frauen, die frisch in einer Leitungsposition stehen oder überlegen, so eine Position anzunehmen?

Tipp eins: Mit Frauen zusammenschließen, die schon leiten oder gerade damit anfangen, um Erfahrungswerte auszutauschen. Tipp zwei: Lernbereit sein. Man weiß nie genug. Daher sich weiterbilden, auf Kongresse fahren, Seminare besuchen. Tipp drei: Sich trauen und einfach machen. Schauen, wie lange es einem gut tut. Und nicht so viel geben, dass man am Ende selbst drunter leidet. Man möchte ja beweisen, dass man es kann, man muss aber darauf achten, sich nicht zu verausgaben und ins Burnout zu rutschen. Man braucht einen guten Ausgleich und sollte wissen, dass das Leben auch andere Aspekte als die Arbeit hat.

Vielen Dank für das Gespräch!

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