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Himmel, Hölle, Liebe und Ewigkeit: Kirchen streiten über Mission

Bei einer Konferenz in Berlin haben Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland und verschiedener Freikirchen über ihr Missionsverständnis diskutiert. Theologe Thies Gundlach sprach sich gegen Drohszenarien in der Evangelisation aus, der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting, warb für mehr „Drängeln“ bei der Evangelisation.
Von Anna Lutz
(v.l.) Thies Gundlach und Ansgar Hörsting trennt einiges beim Thema Mission. Sie diskutierten am Donnerstag in Berlin.

Foto: pro/Bund FeG

(v.l.) Thies Gundlach und Ansgar Hörsting trennt einiges beim Thema Mission. Sie diskutierten am Donnerstag in Berlin.

Vor rund 100 Gästen sprachen sich Christen verschiedener Denominationen und Konfessionen am Donnerstag in Berlin über das Thema Mission aus. Der Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, der die gemeinsame Konferenz „Mission Zukunft“ der Stiftung Christliche Medien und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) maßgeblich mitorganisiert hat, erklärte den Anlass so: Das Thema Mission sei lange ein „Schmuddelkind“ gewesen, vor allem außerhalb konservativer Kreise. Das habe sich aber in den letzten Jahren geändert. Die Konferenz solle dazu dienen, Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten beim Thema herauszustellen, etwa zwischen Freikirchen und EKD.

Die Unterschiede wurden dann auch rasch sichtbar, etwa in den Auftaktvorträgen des EKD-Kirchenamt-Vizepräsidenten Thies Gundlach und des Präses im Bund Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting. Gundlach erklärte, Christen könnten vom Jenseits nicht anders sprechen als von Jesus Christus im Diesseits: „So wird er die Sünde auch nach dem Tod jedem Menschen vergeben wollen.“ Jeder könne darauf hoffen, dass Gott ihm vergebe, auch wenn er erst sehr spät umkehre. „Wie kommen wir als Evangelische dazu, dieses Bild der Güte Gottes nicht weiterzusagen?“ Mission sei für ihn auch eine „Aufklärung über falsche Ängste“, etwa wenn das Evangelium durch Drohbotschaften von der Hölle zu vermitteln versucht werde. Beim Thema Allversöhnung halte er es mit dem Theologen Karl Barth: „Ich lehre sie nicht, aber ich lehre sie auch nicht nicht.“

Diskutierten über Mission: (v.l.) Thies Gundlach, Michael Herbst, Christian Hennecke, Ansgar Hörsting, Michael Diener Foto: pro/Anna Lutz
Diskutierten über Mission: (v.l.) Thies Gundlach, Michael Herbst, Christian Hennecke, Ansgar Hörsting, Michael Diener

Hörsting hingegen warb für ein „drängelndes“ Werben für Jesus Christus: „Aus Liebe haben wir Sorge, dass Menschen verloren gehen.“ Dieses Drängen müsse aus Liebe erwachsen und immer respektvoll sein, aber durchaus auch „konfrontativ“ und „dringend werbend“. Der Gedanke der Allversöhnung lähme hingegen. Hörsting verglich zurückhaltende Mission mit der Flüchltingsrettung: „Du stehst nicht an der Reling und erzählst von dem, was du liebst“, sagte er. Stattdessen rette man den Ertrinkenden. Es sei unbiblisch und gefährlich, eine solche Mission zu brandmarken. Die Bewegung „Fridays for Future“ sei vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie in Dringlichkeit ihr Anliegen vortrage. „Ich werbe dafür, diese Dringlichkeit auch in der Mission gelten zu lassen.“ Dabei sollten auch Drohszenarien der Bibel nicht ausgeblendet werden, auch wenn in der Ansprache vor allem die Freude in Christus betont werden müsse.

„Gott arbeitet nicht mit Angst“

Gundlach antwortete auf den Vortrag, Drängeln sei für ihn „eine ganz unangemessene Form“ der Verkündigung, weil sie schnell mit Drohung arbeite. „Gott arbeitet nicht mit Angst, sondern er lockt durch Liebe“, sagte Gundlach. Die Geschichten des Neuen Testaments über das Gericht gebe es zwar ebenfalls, aber sie seien im Licht der Versöhnung Christi zu lesen.

Der praktische Theologe Michael Herbst beschrieb sein Verständnis von Mission so: „Wenn mich etwas erfüllt und mein Leben reich macht, dann werbe ich dafür.“ Die Liebe Christi dränge zur Evangelisation, nicht eine lästige Pflicht. Am Ende sei es Gott selbst, der Mission wünsche, weil er verlorene Schafe erretten wolle. Bei der Mission müssten absichtsvolle Leidenschaft und liebevolle Geduld zusammenkommen, so wie Jesus das vorgelebt habe. Als Mensch sei es ihm eine Ehre, daran mitzuwirken. Mit Blick in seine Heimat Greifswald sagte Herbst: „Dass der christliche Glaube dermaßen in die Unsichtbarkeit abdriftet, wie das bei uns im Osten der Fall ist, muss ich betrauern.“ Für ihn gelte: „Wer außerhalb Christi lebt, ist in Verlorenheit.“ Allversöhnung könne er nicht lehren, „aber ich hätte Lust auf sie“.

Generalvikariatsrat Christian Hennecke aus dem Bistum Hildesheim erklärte, Mission entspringe der Ergriffenheit von Gott. Jesus schicke seine Jünger nicht zum Säen, sondern zum Ernten. Es gelte also, etwas zu entdecken, was schon in den Menschen angelegt sei: „Wo und wie wirkt der Geist Gottes heute in den Menschen?“ Bei der Mission gehe es deshalb darum, sich einzulassen auf die Menschen der heutigen Zeit und nicht darum, „irgendwen in unsere Welt zu locken“. Aufgabe der Kirche sei es, einen Raum zu bieten, in dem Menschen selbst entdecken könnten, dass Gott die Liebe sei.

Im Rahmen der Konferenz teilten am Nachmittag Gemeindegründer und Engagierte in neuen Gemeindeformen ihre Erfahrungen zum Thema Mission. Mit dabei waren etwa Vertreter des International Christian Fellowship (ICF), von freshX, Campus für Christus oder dem Berlin-Projekt.

Von: Anna Lutz

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Eine Antwort

  1. Es ist schon sehr merkwürdig, dass die einen wissen, was die Bibel sagt, es aber nicht so richtig weitersagen wollen (EKD) und die anderen verleugnen, was die Bibel sagt (der eine Hölle natürlich fremd ist) und dieses Drohevangelium immer noch nutzen wollen, um Menschen emotional bei der Stange zu halten und meinen, Außenstehende emotional damit erpressen zu können. Wie wäre es, wenn beide Fraktionen endlich mal von sich wegsehen und einfach nur die frohe Botschaft der Bibel weitergeben, dass Gott wirklich ein Gott der Liebe und Gnade ist? DAS ist der Auftrag Gottes, sie sind nur die Auftragnehmer!

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