Das christliche Medienmagazin

Gutachter für Latzel-Prozess: Ausgelebte Homosexualität ist Sünde

Der Theologe Christoph Raedel soll für das Berufungsverfahren Olaf Latzels dessen Aussagen zu Homosexualität und Gender anhand der Bibel prüfen. Raedel erklärte nun vorab, dass er praktizierte Homosexualität nicht gutheißen könne.
Von epd
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email
Christoph Raedel

Foto: FTH

Christoph Raedel ist Professor für Systematische Theologie und Theologiegeschichte an der FTH Gießen

Der theologische Gutachter für das Berufungsverfahren um den wegen Volksverhetzung verurteilten Bremer Pastor Olaf Latzel bezeichnet „ausgelebte Homosexualität“ als „Sünde“. Der Theologieprofessor Christoph Raedel von der Freien Theologischen Hochschule (FTH) Gießen sagte am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd), er stimme der Haltung seiner methodistischen Freikirche voll zu: „Die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche kann die praktizierte Homosexualität nicht gutheißen und betrachtet diese Handlungsweise als unvereinbar mit der christlichen Lehre.“

In dem Berufungsprozess am Landgericht Bremen solle er Latzels Aussagen über Homosexualität und Geschlechtergerechtigkeit theologisch-wissenschaftlich bewerten, bestätigte Raedel. Latzel war als Pastor der Bremer St.-Martini-Gemeinde im November des vergangenen Jahres vom Bremer Amtsgericht wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil er Berufung eingelegt hat.

Nach Auffassung des Gerichts hatte der Theologe in einem sogenannten Eheseminar zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt. Im Verlauf des Seminars warnte er unter anderem, Homosexualität sei eine „Degenerationsform von Gesellschaft“ und „überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day“.

Raedel: „Sexualität ist etwas Fluides“

Raedel betonte gegenüber dem epd, seiner Ansicht nach sei „Homosexualität ein Symptom für den gefallenen Zustand der Welt, der die Entfremdung des Menschen von Gott beschreibt“. Darum müsse ausgelebte Homosexualität als Sünde bezeichnet werden. Allerdings könnten homosexuell empfindende Menschen ihre Orientierung ändern, wenn sie zum Glauben fänden: „Von der Veränderbarkeit sexueller Orientierung gehe ich mit der Wissenschaft aus, und zwar in alle Richtungen, also auch zum Beispiel von heterosexuell zu homosexuell, weil Sexualität etwas Fluides (fließendes) ist.“

Seines Wissens sei er vom Gericht als Gutachter bestellt worden, weil er sich theologisch-wissenschaftlich mit den Themen Sexualität und Gender intensiv beschäftigt habe, sagte der Professor. Ein Sprecher des Landgerichts hatte dies bereits am Dienstag dem epd bestätigt und ergänzt, Raedel sei als Gutachter von den Verteigern Latzels vorgeschlagen worden. Raedel solle anhand eines zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und dem Gericht abgestimmten Fragenkatalogs bewerten, ob Latzels Äußerungen möglicherweise noch von der Bibel gedeckt sind. Das Verfahren werde aller Voraussicht nach Anfang kommenden Jahres verhandelt.

Kirchenrechtler und Verfassungsexperten haben das Vorgehen des Gerichts kritisiert. Ihrer Auffassung nach sollte ein theologisches Gutachten nicht Gegenstand eines weltlichen Gerichtsverfahrens sein.

Schreiben Sie einen Kommentar

33 Antworten

  1. Selten passte die Redewendung von dem Bock, der zum Gärtner gemacht wurde, besser als in dem vorliegenden Fall der Wahl des Gutachters.

  2. Welche Wissenschaft geht davon aus, dass Sexualität etwas Veränderbares ist?
    Da hätte ich doch gerne mal die Studien gesehen, auf die Herr Raedel sich bezieht.
    Das hat Herr Latzel ja gut hingekriegt, dass es jemanden als Gutachter bekommt, der derselben Weltanschauung ist wie er. Schade, dass das Gericht hier nicht besser auf Neutralität geachtet hat. Oder noch andere Theologen hinzugezogen hat.

    1. Wie Sexualität veränderbar ist: Pornographie führt schnell zur Sucht bzw. geistigen Bindung. Wie Salzwasser. Man kann nicht mehr davon lassen. Immer mehr davon. Dann will man noch mehr, noch stärker. Die sexuellen Vorlieben können sich dadurch ändern. Von normalen zu immer heftigeren Bildern und Videos. Und immer mehr und immer länger. Weil einen das Normale schon nicht mehr befriedigt. Bis hin zu Sado-Maso oder Pädophilie oder sonst was. So beschreibt es auch Paulus im Römerbrief Kapitel 1 über den sexuellen Verfall. Und so ist die Erfahrung von Millionen Gefangenen, Sklaven ihrer Sünde. Die Bibel beschreibt die Sünde als grausame Herrin, eine bösartige Sklaventreiberin.

      Also: Die sexuellen Prägungen können sich durch innere und praktizierte Sünde sehr wohl ändern. Die Begierde kann einen Menschen so gefangen nehmen. Und Jesus kam, um durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung Sünder freizusetzen von der Herrschaft der Sünde.
      Das sage ich jetzt nicht nach den wandelbaren Erkenntnissen “der Wissenschaft”, sondern mit dem unwandelbaren Wort Gottes.

      Es stimmt, Latzel bekam einen Gutachter mit ähnlicher Überzeugung wie er. Aber hätte er einen liberalen Landeskirchen-Theologen bekommen, hätte dieser auch eine Weltanschauung. Voreingenommen, wie einer zur BIBEL steht, ist da jeder. Der Liberale hätte ebenso voreingenommen entschieden. Interessant ist doch, dass die evangelischen Kirchen bis bis vor 25 Jahren erst selbst noch Homosexualität nicht als sexuelle Praxis anerkannten.
      Die Menschen und ihre Vorstellungen verändern sich. Gottes Wille und Gebote aber nicht.
      Ich hoffe, dass Sie persönlich auch darauf achten, wie Sie vor Gott stehen in Ihrem Leben. Und wie sie zu Jesus, dem Messias, stehen. Glauben Sie ihm? Nein? Dann kommen Sie zu Jesus! Er starb an Kreuz und nahmn die Sünden nicht nur von Homosexuellen, sondern von allen Sündern auf sich. Er hat Gottes Zorn getragen. Sie glauben das nicht? Aber Jesu Grab ist leer! Er stand von den Toten auf. Lesen Sie das Neue Testament und danach das Alte Testament. Meine Weltanschauung hat sich dadurch vor zehn Jahren gewaltig geändert, als ich erkannt habe, dass es tatsächlich einen heiligen Gott gibt und er einen Sohn hat. Und dieser Sohn Jesus ist.

      1. Ich hatte nach wissenschaftlichen Studien gefragt, da Herr Raedel sich auf die Wissenschaft bezieht. Und er meinte nicht das, was Sie beschrieben haben, mit der Pornographie. Sondern die Veränderbarkeit von homo- zu heterosexuell.
        Wie ich vor Gott stehe, das können Sie getrost mir und Gott überlassen.

  3. Ich bin der Meinung von Herrn Latzel.
    Das Wort Gottes ist klar.
    Gott gehört nicht vor ein Weltliches Gericht!
    Soviel ich weiss schwört man auf die Bibel,
    wenn man vor Gericht ist.

    1. Wenn die Volksverhetzung eine Folge religiöser Indoktrinierung durch die Bibel ist, dann sollte man wohl über ein Verbot der Bibel nachdenken.

      1. Die Bibel zu verbieten ist die Konsequenz so eines gefährlichen Denkens.
        Die Bibel /und damit Gott/hat aber in der Gesellschaft sehr viel Gutes gebracht. Das wird oft gar nicht beachtet. Die Grundlagen unserer friedlichen, demokratischen, sicheren Gesellschaft basieren nicht auf Aufklärung oder gar Humanismus, sondern auf dem biblisch-christlichen Gottes-, Menschen- und Weltbild.
        Die Probleme in dieser Gesellschaft sind nicht wegen der Bibel, sondern im Gegenteil: Weil die Menschen immer gott-loser werden. Pornographie und Sex außerhalb der Ehe wurde erlaubt (= Unzucht / Hurerei). Homosexualität wird heute gesegnet und gefeiert. Ehescheidungen sind völlig legal und werden praktiziert. Alles zum Leid der Gesellschaft. Kaputte Familien, kaputte Kinder, eine instabile Gesellschaft.
        DAS ist die wahre Konsequenz daraus, wenn Menschen und eine Gesellschaft das Wort Gottes verwirft.

      2. Nein, man sollte darüber nachdenken, wie es dazu kommen kann, dass jemand, der die Bibel als Grundlage hat und als Verkündiger der Frohen Botschaft auftritt, derart menschenverachende Dinge sagt.

  4. Endlich ein weiterer Christ, der sich nicht scheut die unveränderlich Wahrheit der Bibel öffentlich zu bezeugen. “Got sei Dank”

  5. Gottes Wort behält die Oberhand-
    Egal, ob wir Christen vom weltlichen Gerichten verurteilt werden, unser Herr bleibt uns treu und spricht für uns das Urteil-
    Wir haben uns einfach nur an sein gegebenes Wort ohne Kompromisse zu halten – nicht unsere Meinung ist gefragt.
    Die Bibel sagt es ganz deutlich:
    Unser Schöpfer erschuf den Mann und die Frau
    Weiter: Es ist mir ein Gräuel, wenn Mann mit Man und Frau mit Frau verkehren- Es ist Sünde! Und was Sünde ist und dem Herrn missfällt, kann sein Diener (alle Bediensteten der Kirchen) nicht segnen! Diese Menschen machen sich vor Gott „strafbar“!
    Was Unser Schöpfer verabscheut, können wir nicht in seinem Namen Segnen!
    Wenn es überhaupt noch eine Kirche nach biblischen Verständnis gibt, kann sie keinesfalls das gut heißen, was unsere Regierung alles für gut und „richtig“ in Gesetzen „verkauft“ mitverantworten und gut heißen. Sie hat treu zur biblischen Ansage zu stehen.
    Wenn sich unsere Obersten der Kirche sich von der Welt feiern lassen, so werden sie sich eines Tages vor unserem Schöpfer für ihr Handeln verantworten müssen und das wird kein Zuckerschlecken!
    Vor den weltlichen Gerichten brauchen wir uns nicht zu fürchten, aber wehe dem, der in die Hände des lebendigen Gottes fällt. ER ist nicht nur der Liebende Gott, sondern auch der Strafende und Gerechte.
    Wenn alle Verkündiger das Wort richtig und mit Ehrfurcht verkündigen würden, wäre so was wie mit Pastor Latzel nie zu Stande gekommen. Die ganze evangelische und katholische Kirche hätte hinter dem wahren Wort gestanden und hätte m. E. schon bei der Gesetzgebung rebelliert und auf die Fehler hingewiesen. Eine Gesellschaft, die gegen seinen Schöpfer rebelliert, geht unter. Das kann man in der ganzen Menschheitsgeschichte seit Jahrtausenden nachverfolgen.

  6. Soweit sich das Gericht anmaßt, eine theologische Bewertung als gedeckt oder ungedeckt im biblischen Sinne vertehen zu wollen, bedarf es zwangsläufig eines Gutachtens theologischer Natur. Immerhin hat die Staatsanwaltschaft ja im vorhinein der Verhandlung presselaut verkündet, die Position des Pfarrers Latzel seine nicht mehr vom evangelischen Glauben gedeckt. Kurzum: Es ist schon zuvor Teil des Prozesses gewesen.

  7. „Die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche kann die praktizierte Homosexualität nicht gutheißen und betrachtet diese Handlungsweise als unvereinbar mit der christlichen Lehre.“

    Herr Raedel gehorcht Gott mehr als den Menschen.

    Ich wünsche ihm Gottes Segen und gebe ihm meinen Segen.

    Grüße und Gottes Segen
    Klaus-Peter Albert

  8. Offensichtlich herrscht in Fundematalien eine kollosale Fixierung auf Sex… geradezu eine Homosexualitätsparanoia… während man Themen, die in der Bibel tatsächlich vorkommen und wichtig sind, weitgehend abgeblendet werden.
    Thorsten Dietz hat in seinem Pocast über die “neuen Evangelikalen” ein erschütterndes Beispiel gebracht: Als World Vision – eine der größten weltweit operierenden evangelikalen Entwicklungshilfeorganisationen – in den Mitarbeiterrichtlinien beschloss, als verheitatet anzuerkennen, wer nach staatlicher Rechtsprechung verheiratet ist, gab das einen Shit-Storm. Tausende kündigten ihre Patenschaften. Also “christliche” Spender stormierten die Unterstützung unterpriviligierter Kinder in der 3. Welt, weil bei WV eventuell ein homosexueller Mitarbeiter, der mit seinem Partner verheiratet ist, am Schreibtisch sitzen könnte. WV zog dann die Änderung der Mitarbeiterrichtlinien zurück.
    Das sind wirklich echte moralische Standards!
    Und zu Prof. Raedel: Er stimmt den Entscheidungen der Generalkonferenz des weltweiten Methodismus zu. Dass diese auf höchst bedenkliche Art zustande gekommen sind und in ihren Auswirkungen und Anwendungsbedingungen zu Nachstellungen und Denunziantentum führen müssen (und sollen), thematisiert dieser “christliche” Ethiker nicht. Die deutsche EMK hat aufgrund dieses haarsträbenden Beschlusses übrigens in ethischer Verantwortung beschlossen, diese Entscheidung in Deutschland nicht umzusetzen. Das moralische Gewissen des deutschen Methodismus schlägt – Gott sei Dank – nicht in Gießen!

    1. Es ist in der Tat faszinierend, wie wichtig das Thema der gelebten Sexualpraktiken für viele Christen zu sein scheint. Andererseits, warum sollte das Christentum besser sein als die von ihm verdrängten Sex-fixierten Religionen der Antike?

    2. Liebe/r Carvalho,
      danke für dieses differenzierte Statement. Auch ich sehe viel Sexualfixierung beim Begriff der Sünde und extrem wenig differenzierte bedingungose Liebe, die dem Geist JeU entspräche!
      Auß Paus in dem kurzen Passus im Römerbrief gibt es keinerlei Äußerungen zum Thema Homosexualität, schon gar nicht O-ton Jesus.
      Fakt ist schlicht: Wir wissen nicht, was Jesus gesagt hätte.
      Aber den orthodoxen Chassisdim (auch Pharisäer genannt) , die den Buchstaben des Gesetzes , der Thora (also die 5 Bücher Mose’s , auch hier ist nur eine kurze Erwähnung des Themas in Leviticus/3.Mose) kannten und wortwörtlich, aber unbarmherzig auslegen, hat Jesu regelmäßig Paroli geboten bezüglich ihrer Lieblosigkeit.
      Joh 8 ist ein prima Beispiel: Auf Ehebruch stand auch Todesstrafe ( warum wird eigentlich nur die Frau vorgeführt-von Männern- und der Mittäter nicht?), aber Jesus sieht den Handlungsbedarf bei der allgemeinen Sündhaftigkeit und Abkehr von der Liebe Gottes aller….Der Rest ist bekannt.
      Paulus hatte wohl zurecht die dekadente römischen Eliten im Visier und den Missbrauch von Sexualität, indem sie das Gegenüber zum Objekt der Begierde degradiert und nicht die emotionale Lage von Paargemeinschaften.
      Heute würde Jesus wohl die ver-urteilenden Evangelikalen aufrufen zwischen den Zeilen zu lesen und den Geist Gottes um Weisheit und Liebe zu bitten, anstatt Kamele zu verschlucken und Mücken auszusieben.

      A propos, ich war selbst einer von den 150%igen, bis mich Gott mit Leuten meines Schlages konfrontierte und mich ermahnte lieber zu lieben, statt zu urteilen in der Annahme ich täte den Willen Gottes. Das denken die Taliban, die IS-Djihadisten und andere, die gnadenloses Schariarecht wollen, auch, sowie einst Paulus, der ein Chassid war, bevor er Christ wurde.

      1. Es freut mich aufrichtig, dass Sie einen solchen Lernprozess durchgemacht haben und am Glauben drangeblieben sind…. Ich finde es rundherum erfreulich, wenn Menschen dazu lernen und ihre Standpunkte verändern können und trotzdem ihre “erste Liebe” nicht verlieren… das ist wirklich ein Zeichen von Reife…
        Ich denke da an mich selbst, wieviele Standpunkte, für die ich heftig gestritten habe, habe ich aufgeben müssen…. und mittlerweile bin ich so alt, dass ich mich über jede neue Erkenntnis freue, die meinen Horizont verändert und mich zur Aufgabe falscher Positionen führt….
        Nur seien Sie bitte nicht ganz so streng mit den Pharisäern (die sind auch nicht identisch mit “orthodoxen Chassidim”)! Jesus stand diesen vermutlich näher als den meisten anderen Gruppen im Judentum (außer Johannes), und genau deshalb hat er sich mit ihnen gefetzt… Wie bei uns in den besten Familien … man streitet mit denen am heftigsten, denen man am nächsten steht!

    3. @Carvalho: Die konservative Seite ist in dieser Diskussion nur reagierend, nicht federführend. Mir und denen in meinem Kreise kommt dass Thema vor die Augen, weil es von anderen geführt wird. Etwa in meiner alten Gemeinde, als zum x. ten Mal der liberale Flügel den Anlauf nahm, dass anzuerkennen, was World Vision getan hat. Und tatsächlich sind solche Frage nicht bloß fixiert, sondern legen grundlegende Haltungen und Positionierungen offen. Ich selbst schaue mir auch Entwicklungen der Werke an, in die ich spende. Sollte da etwas fallen, werde ich weiter in das Reich Gottes geben – nur an anderer Stelle. Gerade die Ausrede, man mache nur, was weltlich-gesetzlich schon vorgezeichnet sei (obwohl man als Glaubenswerk die Freiheit hätte, sich anders zu verhalten), ist lauwarm.

  9. Als noch Methodist freue ich mich über die Aussagen von meinem Glaubendsbruder. Der HERR segne und behüte Dich.

  10. Die Ächtung der Sklaverei ist zweifelsohne ein zivilisatorischer und moralischer Fortschritt.
    Die Ächtung körperlicher Gewalt als Strafe gegenüber Erwachsenen und Kindern ist zweifelsohne ein zivilisatorischer und moralischer Fortschritt.
    Die Gleichstellung von Mann und Frau und die Ablehnung patriarchalischer Strukturen ist zweifelsohne ein zivilisatorischer und moralischer Fortschritt.
    Die Feststellung, dass die sexuelle Orientierung beim Sex zwischen erwachsenen Menschen moralisch neutral ist, ist zweifelsohne ein zivilisatorischer und moralischer Fortschritt.
    Nun fordern manche christliche Gruppen, dass auf der Basis ihres Offenbarungsverständnisses die Diskriminierung von Frauen und in weit umfangreicherem Maß die von Homosexuellen zu ihrem Verständnis der Religion gehört. Die Frage ist, sind solche Haltungen durch die Religionsfreiheit gedeckt? In einem liberalen Staat, der die Religionsfreiheit garantiert, sind sie das meiner Meinung nach. Das muss man aushalten, aber man muss dabei betonen, dass sie damit hinter zivilisatorisch und moralisch anerkannten Standards zurückbleiben und somit Unmoralisches im Namen der Religionsfreiheit einfordern. Aber wir bewegen uns in einem liquiden Grenzbereich – hier ist der Ausdruck von Prof. Raedel, im Gegensatz zu seinem Verwendungszusammenhang, angemessen. Eine Forderung nach „körperlicher Züchtigung“ im Namen der Religionsfreiheit, wäre sicherlich rundweg zurückzuweisen (wobei es durchaus noch finstere fromme Milieus gibt, die einen solchen „Erziehungsstil“ für sich reklamieren).
    Für die ethische Diskussion ist die Frage relevant, ist etwas gut, weil es Gott gebietet, oder gebietet Gott etwas, weil es gut ist?
    Ersteres führt zu einem autoritären Verständnis, dessen Letztbegründung in einem nicht hinterfragbaren „deus vult“ besteht, das sich auf eine zeitlose Offenbarung im Buchstaben eines antiken Religionsdokumentes beruft. Das ist die fundamentalistische Position. Die zweite Auffassung geht davon aus, dass das moralisch Gute rational einsehbar ist. Und da Gott ein gütiger Gott ist und kein böser Demiurg, ist er auf Seiten des moralisch Guten. Da sich aber unsere Einsicht in die nichtmoralischen Tatsachen in der Welt beständig ändert, ändern sich auch unsere moralischen Urteile. Gleichwohl ist das moralisch Gute überzeitlich, es wird aber eben nur bedingt und näherungsweise erkannt. Sklaverei ist immer falsch, auch wenn Aristoteles glaubte sie naturrechtlich begründen zu können. Die Diskriminierung homosexueller Menschen ist immer falsch, auch wenn manche Menschen glauben, sie könnten aus der Bibel herauslesen, sie verstoße gegen die Schöpfungsordnung Gottes. (Also „deus vult“ ohne weitere rationale Begründung!)
    Für Christen, die eine fundamentalistische Lesart nicht teilen, ist es schwer erträglich, dass Glaubensgeschwister im Namen des Evangeliums moralisches Unrecht befürworten!

    1. @Carvalho tja, Ethik ist eben vor Prä-Trans-Verwechslungen im Ringen um Deutungshoheit und fundamentaler Eindeutigkeit von Auslegungen von Überlieferungen nie ausgenommen.
      Schon erstaunlich, wie sich eine zivilisiertere Ethik, eher als Negation unerwünschter Folgen und Wahlfreiheit für ein “kleineres Übels” beschreiben lässt, zugunsten sich weiter ausformender, liquid-multipel-differenzierter Welt-, Gottes- und Menschenbilder, deren prozessuales Ende offen bleibt. Und das ist auch gut so, dass ein “letztes Wort” weder ausgesprochen, noch aussprechbar ist, mangels Tiefe, Weite und Höhe dessen, was alle vorläufigen Erkenntnisse übersteigt.

  11. Was unterscheidet eigentlich Christen, für die die Bibel wichtiger ist als das Grundgesetz von Islamisten, für die die Scharia wichtiger ist als das Grundgesetz?

    1. Jeus hasst Sünde und liebt den Sünder. Im Islam wird neben der Sünde auch der Sünder gehasst das ist der Unterschied. Jesus sagt: “Liebt eure Feinde und betet für Sie”. Dennoch gibt es in der Bibel Sünde die Gott bestraft. Egal ob wir das ernst nehmen oder auch nicht. Es ist eine Anmaßung von uns ständig festlegen zu wollen was in der Bibel richtig ist oder was nicht. Es offenbart unsere Unweißheit und unseren ungehorsam gegenüber unserem Schöpfer.

      1. Ich konstatiere – einmal mehr – eine logische Meisterleistung: Also Jesus hasst Sünde und liebt den Sünder und Allah hasst neben der Sünde auch der Sünder. Und das ist der Unterschied. Ergo: Allah hasst und killt und der christliche Gott liebt und killt… denn die Homosexuellen, die sich nicht umbauen lassen oder abstinent leben, die fahren doch in die Hölle… oder???
        Es ist wirklich unglaublich und kaum erträglich, was einem hier als christliche Wahrheit verkauft wird… Ich finde, angesichts solch intellektueller Spitzenleistungen einigermaßern höflich zu bleiben, fordert schon ein geradezu heroisches Maß an Affektkontrolle….

      2. Hier in den Kommentaren legen doch andauernd die Frommen fest, dass ihre Bibelauslegung die richtige ist und alle anderen falsch, verwässert, vom Zeitgeist verbogen etc. Aber das ist dann nicht Anmaßung…
        Ich finde es wirklich schlimm, wie in evangelikalen Kreisen immer mit zweierlei Maß gemessen wird.

  12. Nun, eines stelle ich mal voran: Alle Menschen sind von Gott gewollt und er liebt sie. Aber ihr Verhalten trennt sie von Gott, das Verhalten aller! Wir sind alle Sünder. Es gibt da auch keinen “Katalog” von “Bagatellsünden” und “schweren Sünden”. So, nun schaue mal jeder bei sich: Wer hat nicht schon einmal schlecht über einen anderen geredet, so mancher beschubst die Versicherung, nimmt es bei der Steuererklärung nicht so genau, läßt es an Liebe zu seinen Mitmenschen mangeln. Das Gesetz, also die Gebote, sie sind gegeben, um uns zu zeigen, daß wir sie einfach nicht halten können. Das ist so. Es steht in der Bibel: Es ist nicht einer ohne Sünde, auch nicht einer! Das ist eine Tatsache. Wir sind alle darauf angewiesen und auf das Blut Jesu zu berufen, unsere Sünden zu bekennen. Auch danach sind wir dann nicht immer sündfrei in unserem Handeln. Deswegen ist das Bewußtsein um unsere Trennung von Gott so elementar. Wir handeln alle nach “fleischlichen Begierden”, das ist eben nicht nur sexuell gemeint. Das betrifft auch banale Dinge wie z.B. das Essen. Wenn wir alle genau das essen würden, was uns gut täte und wir genau brauchen, würden mehr Menschen satt werden. Aber schaut euch um, Fehlernährung ist ja nun nicht so selten, die Entsorgung von Essen leider auch nicht. Dann der Drang in uns allen, immer etwas Neues haben zu wollen, keiner ist frei, egal ob Kleidung, Auto, Smartphone, HiFi-Anlage, Einrichtung usw. Da wird manch brauchbarer Gegenstand unnötig früh ausgetauscht, weil er “nicht mehr schön” ist, während andere Mangel haben. Geiz, Gier, üble Nachrede, Hass, sexuelle Begierden, da sind wir alle dabei.
    Was nun das praktizieren der Homosexualität angeht: Es steht geschrieben, daß die, die in einem Dienst stehen, so leben sollen, daß sie keinen Anstoß erregen. Also, ein Diakon, der in die Daddelhalle geht, der Pastor, der den jungen Mädels auf den Hintern schaut, Geistliche, die Distanz zu Kindern vermissen lassen. Das sind eben Dinge, die Anstoß erregen. Und dazu gehört auch das Praktizieren von Homosexualität, womöglich im Pfarrhaus. Deswegen kann kein Segen für eine homosexuelle “Hochzeit” gegeben werden. Aber es bleibt wichtig, den Homosexuellen nicht als Menschen abzulehnen, den Trinker nicht als Menschen abzulehnen, nicht einmal einen Mörder. Das ist eben das Evangelium. Was den Homosexuellen-Organisationen vorzuwerfen ist, daß sie einfordern, daß ihr Verhalten eben nicht nur toleriert, sondern gutgeheißen wird, daß sie Ansprüche erheben, daß auch Religionsgemeinschaften das gut zu heißen haben. Ich möchte sehen, was passiert, wenn man das von gläubigen Moslems verlangen würde. Man sollte dieses eben Religionsgemeinschaften nicht vorschreiben dürfen. Warum gründen die Lobby der nicht heterosexuellen nicht eine eigene Kirche? Das ist nicht verboten, sie dürfen sich auch als christliche Kirche bezeichnen, darauf hat niemand ein “Markenrecht”. Aber warum müssen sie in bestehende Gemeinden eindringen und dort Stunk machen?

    1. Hier wird Homosexualität wieder einmal mit eindeutig moralisch verwerflichen Praktiken (bis hin zu Straftaten) gleichgesetzt: Mord, Übergriffigkeit gegenüber Frauen und Kindern… Und dann kommt der übliche Spruch, von dem Gott der die Süpnde hasst und den Sünder liebt… Das ist wirklich nur noch krank! Ich bin mir nach wie vor ziemlich sicher, dass die Verfechter der reinen Lehre keine homosexuell empfindenen Menschen kennen… Was sie auch nicht kennen, ist das reformatorische Schriftprinzip (“was Christum treibet” und “sui ipsius interpres”)….

      1. Hallo Herr Carvalho, es kommt immer wieder der Punkt an dem Sie Ihr wahres Gesicht zeigen. Auch dass ist logisch. Wenn Sie den Inhalt der Bibel als krank bezeichnen dann tut es mir leid für Sie. Sie beleidigen damit nicht mich sondern den Schöpfer Gott selbst. Es gibt Hoffnung. Noch. Umkehr und Buße auch für Sie. Zum zweiten Punkt irren Sie auch hier (aber das hatten wir schon). Herr Carvalho hat für sich den Anspruch die Wahrheit zu haben. Christen haben diesen Anspruch auch aber nicht weil Sie es besser wissen, sondern weil Sie auf Jesus und die Bibel schauen. Nicht meine Meinung zählt sondern das was Gott sagt. Es gibt Menschen für die sind zentrale Bibelstellen eine dehnbare Masse die immer wieder dem entsprechenden Zeitgeist angepasst wird. Ich bin froh das wir in der Bibel eben ein klares Fundament haben welches gilt gestern, heute, morgen – immer. Ich will versuchen Carvalho anzunehmen und dennoch dem Wort treu bleiben. Im dritten Punkt gebe ich Ihnen recht mein Wissen ist minimal meine Weisheit leider auch. Im alten Testament ist Weisheit oft mit Gottesfurcht gleichgesetzt. Mein Wille und mein Wunsch ist Gottesfurcht und den Repekt vor Gottes Wort in mir wachsen zu lassen. Ich schaffe es ohne Jesus nicht, da ich ein Sünder bin aber dass Ziel habe ich dennoch.

        1. Herr Michel,
          Carvalho hat nicht den Inhalt der Bibel als krank bezeichnet, sondern die Argumentationsweise von Herrn Neumann.
          Bitte erst einmal genau hinsehen, bevor Sie mit solchen Unterstellungen aufwarten!

    2. Herr Neumann, homosexuell Empfindende “dringen” nicht in bestehende Gemeinden “ein” und “machen dort Stunk”! Was für ein fürchterliches negatives Framing!
      Es gibt sie schon immer in allen Gemeinden. Nur hatten sie in der Vergangenheit zu große Angst davor, sich zu outen. Weil sie eben NICHT wie alle anderen Sünder behandelt werden, sondern alle sich auf sie und ihre angebliche Sünde stürzen. Weil sie von ihren Ämtern ausgeschlossen oder gar nicht erst für Ämter zugelassen werden, wenn andere um ihre sexuelle Orientierung wissen. Dass enorm viele Egoisten, Narzissten, Geizhälse und manipulative Machtgierige in Leitungspositionen sitzen, stört niemanden. Solange sie hetero sind, ist alles in Butter.
      Von biblisch fundierten Argumenten halten Sie offenbar nichts, wie Ihr stetiges Beharren auf Ihrer Sichtweise trotz besserem Wissen zeigt…

  13. Ein ganz ausgezeichneter Vortrag von dem evangelikalen Ethiker und Theologen Prof. David Gushee aus dem Jahr 2014:
    https://www.youtube.com/watch?v=HbxRdo0e_uE&t=2914s
    Und seinem Fazit ist völlig zuzustimmen: Der Kampf gegen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung muss von der Mitte des Evangeliums her geführt werden! (Und hier ist Prof. Raedel Argumentation z.B. ziemlich schwach!) Und die Diskussion über dieses Thema darf niemals geführt werden, ohne dass die Betroffenen zu Wort kommen.
    Es kann nicht angehen, dass in Fundamentalien basale ethische Standards mit Füßen getreten werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell