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Grübel: „Wer Religionen geringschätzt, ist weltfremd“

Die künftige Bundesregierung soll sich weiterhin für weltweite Religionsfreiheit einsetzen. Einen entsprechenden Appell hat der Kongress „Christenverfolgung heute“ an die Ampelparteien gerichtet.
Von Norbert Schäfer
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Markus Grübel

Foto: Markus Grübel/Thomas Auerbach

Markus Grübel (CDU) ist Schirmherr beim Kongress „Christenverfolgung heute“ auf dem Schönblick in Schwäbisch Gmünd

„Bitte setzen Sie erneut einen Beauftragten der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit ein“, lautet es in dem Brief an die Parteivorsitzenden von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP, die derzeit eine Regierungskoalition im Bund verhandeln. Erstunterzeichner des Aufrufs sind die Deutsche Evangelische Allianz (DEA), die Evangelische Nachrichtenagentur Idea und das Christliche Gästezentrum Schönblick. Der Brief mit den Unterschriftenlisten von Unterstützern soll nach dem Kongress an die Parteizentralen geleitet werden.

Deutschland dürfe bei Fragen der Religionsfreiheit nicht wegsehen, heißt es in dem Schreiben, denn die Verfolgung religiöser Minderheiten nehme weltweit zu. Nach Angaben der Unterzeichner müssen allein rund 200 Millionen Christen weltweit mit Einschränkungen und Verfolgung leben. Leidtragende seien aber auch Ahmadiyya, Bahai, Buddhisten, Jesiden, Juden und Muslime.

2018 hatte die Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Bundestagsabgeordneten Markus Grübel (CDU) in das Amt als Beauftragten der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit berufen, das aktuell beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung angesiedelt ist. Grübel ist der Schirmherr des Kongresses.

70 Staaten haben Blasphemiegesetze

Grübel unterstrich in seinem Vortrag am Sonntag die bleibende Bedeutung der Religion für die Menschen. Mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung sagten von sich selbst, dass sie religiös seien. Wer Religionen geringschätze, sei „weltfremd“, erklärte der CDU-Politiker laut Redemanuskript. Drei von vier Menschen lebten in einem Land, in dem die Religions- und Weltanschauungsfreiheit eingeschränkt werde. In diesen Ländern erlitten Menschen aufgrund ihrer Religion – oder weil sie keinen Glauben hätten – Diskriminierung, Verfolgung oder Gewalt bis hin zum Tod.

In 70 Staaten gebe es menschenrechtswidrige Blasphemiegesetze und in elf Ländern drohe bei einer Abkehr von der Mehrheitsreligion sogar die Todesstrafe. Es sei daher auch enttäuschend, dass das Amt des Sonderbeauftragten der EU-Kommission für Religions- und Weltanschauungsfreiheit außerhalb der EU bisher nicht neu besetzt worden sei.

Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, warnte davor, die Menschen ausschließlich auf das Materielle zu reduzieren. Dadurch werde eine Gesellschaft ärmer, sagte er in einem Interview. Religion müsse Thema des öffentlichen Lebens sein. Der Einsatz für die weltweite Religionsfreiheit ist nach Kauders Worten kein „Spaß für die Freizeit“, sondern zentrales Anliegen. Die Deutschen hätten in der eigenen Geschichte zweimal schmerzlich erfahren, wohin die Benachteiligung und Unterdrückung von Religion führe. Mit Blick auf die Christen und religiöse Minderheiten in China gerichtet, sagte Kauder: „Wir dürfen vor einem Land wie China nicht einknicken. Es gibt universale Menschenrechte. Dazu gehört die Religionsfreiheit, die unabhängig von der Religion ist, in der der Begriff formuliert wird.“ Den Umgang mit Religionsfreiheit in Indien und in China bezeichnete Kauder als „schändlich“.

Religionsfreiheit wegen Corona bedrängt

„Die weltweite Lage der Religionsfreiheit hat sich durch die Lage von Corona enorm zugespitzt“, erklärte der Politikbeauftragte der DEA, Uwe Heimowski, auf Anfrage. China zum Beispiel habe die Situation genutzt, um Überwachungsmaßnahmen zu verschärfen, die vordergründig der Volksgesundheit dienen sollen. Ein Verbot aus dem Jahr 2018, das Menschen unter 18 Jahren die Teilnahme an Gottesdiensten verbietet, sei während der Corona-Pandemie streng angewendet und Verstöße mit harten Strafen belegt worden.

„In Indien wurde in der Pandemie gezielt der Mob aufgewiegelt. Aus sicherer Quelle wissen wir, dass 2021 in mehr als 300 Fällen gezielt die Volksmenge gegen Christen in dem Land in Stellung gebracht wurde“, sagte Heimowski. Die Christen würden auf dem Subkontinent beschuldigt, die Pandemie weiter zu befeuern, in dem sie sich um die Kaste der Unberührbaren sorgten und kümmerten. Den Christen werde sehr konkret vorgeworfen, das Virus zu verbreiten. Die hindu-nationalistische Regierung dulde diese Anschuldigungen stillschweigend.

Man müsse als trauriges Fazit leider zu dem Schluss kommen, dass die Pandemie dazu geführt habe, dass unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes die Religionsfreiheit massiv beeinträchtigt worden sei. Die Deutsche Evangelische Allianz wünscht sich deshalb von der neuen Bundesregierung, dass sie die Tragweite der Religionsfreiheit ins politische Bewusstsein rückt und ebenfalls einen Beauftragten für die weltweite Religionsfreiheit benennt.

Der siebte Kongress „Christenverfolgung heute“ findet vom 14. bis 17. November in Schwäbisch Gmünd statt. Veranstalter sind das Christliche Gästezentrum Schönblick und die Evangelische Nachrichtenagentur Idea in Zusammenarbeit mit rund 40 evangelischen, katholischen und freikirchlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach Angaben der Veranstalter nehmen in diesem Jahr rund 350 Besucher teil.

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Eine Antwort

  1. Danke.
    Gottes Segen für den neuen Beauftragten für Religionsfreiheit
    und die Kongressteilnehmer, und besonders für diejenigen die unter Bedrückung und Freiheitsentzug leiden

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