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Glaubwürdigkeit des Journalismus leidet in der Pandemie

Die Berichterstattung über Corona hat der Glaubwürdigkeit des Journalismus geschadet. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der TU Dortmund.
Von Norbert Schäfer
Stapel Zeitungen
Die TU Dortmund untersucht mittels einer Langzeit-Studie, welche Erwartungen die Gesellschaft an den Journalismus hat

41 Prozent der Bevölkerung sind der Meinung, dass die Glaubwürdigkeit des Journalismus durch die Corona-Berichterstattung abgenommen hat. Das offenbart eine aktuelle, repräsentative Forsa-Publikumsbefragung im Auftrag des Instituts für Journalistik der Technischen Universität Dortmund. Demnach gaben nur acht Prozent der Befragten an, die Glaubwürdigkeit habe sich erhöht.

„Ein alarmierender Wert“, erklärte Studienleiter Michael Steinbrecher, Professor für Fernseh- und Videojournalismus an der TU Dortmund, mit Blick auf den Glaubwürdigkeitsverlust. Die Befragung zeige, dass mehr als ein Drittel der Menschen glaubten, der Journalismus sei meist abhängig vom Einfluss der Mächtigen aus Politik und Wirtschaft. „Wenn sich diese Positionen verfestigen, kann dies auf Dauer die Akzeptanz des Journalismus in seiner demokratischen Funktion beschädigen“, erklärte Steinbrecher laut einer Pressemitteilung.

Der aktuelle Befund – ein Teilergebnis der Langzeitstudie „Journalismus und Demokratie“ – belege, dass der Journalismus in seiner Bedeutung von der großen Mehrheit der Bevölkerung nicht in Frage gestellt werde. 87 Prozent der Befragten sehen demnach den Journalismus als wichtig an für das Funktionieren einer Demokratie. Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Von den Befragten halten 58 Prozent den Journalismus in Deutschland für glaubwürdig. Etwa ein Drittel war bei der Frage unentschieden.
  • Zwei von drei Befragten waren der Meinung, dass man dem Großteil der Nachrichten in Deutschland meist vertrauen kann.
  • 43 Prozent der Befragten sagten, dass der Journalismus in Deutschland in den vergangenen Jahren schlechter geworden ist.
  • Die Ansicht, der Journalismus habe sich nicht verändert, vertrat in der Umfrage nur einer von drei Teilnehmern.

Die Langzeit-Studie erhebt eigenen Angaben zufolge regelmäßig, welche Erwartungen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen an den Journalismus haben. Im aktuellen Fall nahmen dazu vom 21. Januar bis 2. Februar 2022 insgesamt 1.002 repräsentativ ausgewählte Bürger ab 18 Jahren an einer Online-Befragung teil.

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4 Antworten

  1. Es ist paradox.
    Im Bestreben, dem “Guten” Gehör zu verschaffen, und auf keinen Fall “die Falschen” zu bedienen, werden Nachrichten ausgewählt, priorisiert, wird einseitig und voreingenommen berichtet (*).
    Mit dem Ergebnis, dass die Glaubwürdigkeit leidet, – und nun gerade “die Falschen” aus dem Vertrauensverlust ihren Honig saugen …

    (*) “Die Studie untersucht auch die Tonalität von Beiträgen reichweitenstarker Medien im Sommer 2015. Zwanzig Prozent der Berichte der „Tagesschau“ seien implizit wertend gewesen, bei „Spiegel Online“ an die vierzig Prozent, bei der Online-Ausgabe der „Welt“ fünfzehn Prozent.”
    “Erst im Herbst hätten Vor-Ort-Recherchen an Gewicht gewonnen. Die Berichterstattung sei der sich ändernden Wahrnehmung in der Bevölkerung hinterhergelaufen und habe dadurch bis zum Jahresende 2015 an Glaubwürdigkeit eingebüßt.”
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/studie-wie-ueber-fluechtlinge-berichtet-wurde-14378135.html

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  2. Ich denke nicht, daß es eine böse Absicht ist, daß “die Medien” so berichten, wie sie eben berichten. Einmal ist da die Tatsache, daß die Medienhäuser überwiegend in den großen Städten ihren Sitz haben, die Lebenswirklichkeit der Journalisten ist also eine urbane Lebenswirklichkeit. Dann muß man bedenken, dazu gibt es ja Untersuchungen, daß die Journalisten fast durchweg politisch links, bis linksradikal eingestellt sind. So tendiert auch die Berichterstattung in diese Richtung. Menschen, die eben eine andere Lebenswirklichkeit haben, stellen diesen Kontrast zwischen ihrer subjektiven Wahrnehmung und der im Grunde auch subjektiven Darstellung der Medien fest. Widersprüche führen dann dazu, daß man den Medien nicht vertraut, ihnen Verbreitung von Lügen vorwirft. Dabei muß man feststellen, daß es eben nicht nur eine Wahrnehmung gibt und man die absolute Wahrheit nur sehr schwer, wenn überhaupt erfassen kann. Die Berichterstattung über die Kriegshandlungen in der Ukraine sind ein Beispiel dafür. Man kann davon ausgehen, daß Nachrichten von beiden Kriegsparteien gezielt verbreitet werden, um eben die eigenen Kräfte zu motivieren, den Gegner zu diskreditieren. Das führt schnell zu einer schwarz-weiß-Malerei, bei der eine der Teufel ist, der andere schon fast als Heiliger verehrt wird. Wir leben nun einmal in einer sehr vielfältigen Medienwelt, Fälschungen und Manipulationen können sogar von Amateuren durchgeführt werden. Umso wichtiger sind Medien, die nur geprüfte Fakten in Nachrichten verarbeiten, Meinungen und Darstellungen von einer Seite klar als solche kennzeichnen.

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  3. “Journalismus in seiner demokratischen Funktion”

    Damit ist vermutlich die s.g. “vierte Gewalt” gemeint, also eine zusätzliche Gewalt, die den anderen 3 Gewalten kritisch auf die Finger schauen soll. Meiner Meinung nach findet genau das aber überhaupt nicht (mehr) statt. Die Medien sind im Gegenteil eher Sprachrohr der anderen Gewalten. Das ebenfalls die Pluralität der Medien kaum noch gegeben ist und alle mehr oder weniger das Gleiche schreiben, trägt ebenfalls zum Vertrauensverlust bei. Das geht sgar soweit, das teilweise Überschriften und Formulieren bei vielen Medien identisch sind (“wording”, “framing”).

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  4. Wer seine Verwandten oder Freunde in Afrika hat, erfährt aus erster Hand die wirklichen Tatsachen. Unsere Medien haben eine einheitliche Meinung zu jedem Thema. Es ist unvorstellbar, dass alle das gleiche erlebt haben. Die Pressekonferenz unserer Regierungsvertreter ist für mich der beste Hinweis, dass die Vertreter der Presse nie eine ordentliche Antwort bekommen und sich damit zufrieden geben. Hier erwarte ich einen besseren Disput. Die Redner auf der Tribüne brauchen keinen Mundschutz, die Pressevertreter müssen durch die Maske ihre Fragen stellen. Wenn sie eine eigene Meinung haben, dürfen sie nicht mehr teilnehmen.( Beispiel Reitschuster ) Für mich sind die Medien nicht zur Aufklärung und freien Meinungsbildung geschaffen. Den meisten fehlt auch ein historisches Wissen, um die Zusammenhänge richtig einzuordnen.

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