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„Gier hat einen Anfang, aber kennt kein Ende“

Gibt es einen Konflikt zwischen Gewinnstreben und Moral aus christlich-ethischer Sicht? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich die Tagung „Geld, Gier und Gott“. Zum Auftakt hat der Wirtschaftswissenschaftler Werner Lachmann seine These vorgestellt: Wenn man danken kann, lässt sich Gier bekämpfen.
Von PRO
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Werner Lachmann hat sich mit dem Thema Gier aus biblischer und wirtschaftswissenschaftlicher Sicht befasst

Foto: pro/Johannes Blöcher-Weil

Werner Lachmann hat sich mit dem Thema Gier aus biblischer und wirtschaftswissenschaftlicher Sicht befasst

Welchen Stellenwert hat die Gier in der Bibel, der Theologie und der Ökonomie? Mit dieser Frage hat sich der Erlanger Wirtschaftswissenschaftler Werner Lachmann zu Beginn der Tagung „Geld, Gier und Gott“ in Münster beschäftigt. Der Mensch habe häufig das Bedürfnis, das größte Stück des Kuchens abzubekommen: „Keiner möchte zu kurz kommen und sucht nach seinen Vorteilen.“

Aus Lachmanns Sicht helfe Dankbarkeit dabei, Gier zu bekämpfen. Der Wissenschaftler verdeutlichte, dass sich das rücksichtslose Streben nach Besitz von Gütern durch alle Gesellschaften ziehe. Unabhängig vom eigenen Nutzen hätten Menschen das Bedürfnis, Dinge haben zu wollen. Dies habe häufig Suchtcharakter. Für viele Menschen sei es der Versuch, eine innere Leere auszufüllen.

Black-Friday befeuert die Gier

„Die Gier hat einen Anfang, aber kennt kein Ende. Sie sättigt nicht und verfälscht das Menschsein“, sagte Lachmann. Der amerikanische Industrielle Rockefeller habe auf die Frage geantwortet, wie viel Geld ein Mensch benötigt, um zufrieden zu sein: „Immer noch ein bisschen mehr.“ Der Werbespruch „Geiz ist geil“ und ein „Black Friday“ mit vermeintlich höchster Qualität zum niedrigsten Preis befeuerten diese Gier.

In der Bibel komme die Gier bereits in der Schöpfungsgeschichte vor, als Eva gierig nach dem Apfel schaut. Das dort verwendete hebräische Wort bedeute, es auf etwas abgesehen zu haben und nach etwas zu trachten. Aus Sicht des Referenten habe Gott in den Zehn Geboten das Eigentum der Menschen bewusst geschützt. Schon das Verlangen, etwas von jemandem zu begehren, sei schuldhaft. Viele Bibelstellen warnten deshalb davor.

Im Neuen Testament gebe es für das Wort Gier verschiedene griechische Wörter. Eines davon werde mit Habgier, Geiz und moralischem Streben nach Macht übersetzt. Wer nicht mehr das Ziel seines Lebens bei Gott suche, sei von der Gier getrieben. Das Streben nach Reichtum bezeichnete Lachmann als Keimzelle der Gottesentfremdung. In den zwei anderen Zusammenhängen könne man die Wörter mit „Mehr haben wollen“ sowie „Begehren und Verlangen“ übersetzen.

Im Katholizismus sogar eine Todsünde

Jesus habe die Menschen damals deutlich vor materieller Gier gewarnt. Auch zu Beginn der Missionsgeschichte habe es das Problem der Geldgier gegeben. Sie wird als so schlimm bezeichnet, dass sie zur Trennung von Gott führt. „Sie zerstört die Gemeinschaft, zerbricht die geschwisterliche Verbundenheit und beschwört den Zorn Gottes in der Ewigkeit“, nannte Lachmann weitere Beispiele.

Gier gehe immer zu Lasten der Mitbürger und stelle einige besser. Der Katholizismus habe sie sogar zur Todsünde für den Einzelnen erhoben, „obwohl im Gegenzug viele Kirchenobere durch die eigene Gier ein gutes Leben führen konnten“. In der Ökonomie habe sich die Definition der Gier gewandelt. Seit dem 19. Jahrhundert werde sie als wirtschaftlicher Anreiz und Motor der Gesellschaft durch Wettbewerb gedeutet. Nicht beachtete Interessen und zu große Gier hätten aber auch Wirtschaftskrisen verursacht.

In vielen Köpfen habe sich der Grundtenor durchgesetzt: „Die Habgierigen bestimmen die Regeln.“ Trotzdem mahnte Lachmann, nicht nur auf die Manager zu schimpfen, sondern auch den „Balken im eigenen Auge“ zu sehen. „Gier ist das Ergebnis eigener innerer Leere. Sie wird dann geheilt, wenn sie in Sehnsucht verwandelt wird. Wer sich selbst beschränkt und für die Dinge dankt, die er hat, kann seine Gier zügeln.“

„Ohne Gott geht die Welt aus dem Leim“

Lachmann schloss sein Referat mit Gedanken des Theologen Theo Lehmann. Jeder, der Gott kenne, solle ihm gehorchen. In einem nächsten Schritt solle er die anderen mit Gott bekanntmachen. Ohne Gott, zitierte er Lehmann, gehe die Welt aus dem Leim. Deswegen sei es die Pflicht der Gläubigen, auf Gott hinzuweisen und das auszuleben. Auch Paulus habe die Menschen ermahnt, darauf zu schauen, was dem anderen dient: „Dieses Handeln würde auch die Habgier besser in den Griff bekommen.“

Die Tagung „Geld, Gier und Gott“ findet bis zum Samstag in Münster in Kooperation der Gesellschaft für Wirtschaft und Ethik mit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen statt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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