Der Weltverfolgungsindex listet 50 Länder, in denen Christen starken Repressalien ausgesetzt sind

Der Weltverfolgungsindex listet 50 Länder, in denen Christen starken Repressalien ausgesetzt sind

Weltverfolgungsindex: In diesen Ländern leiden Christen besonders

Open Doors hat am Mittwoch den Weltverfolgungsindex 2020 veröffentlicht - und registriert eine „dramatische Zunahme“ an Gewalt gegen Christen und Kirchen. Nicht nur Islamisten und Nationalisten bedrohen die Gläubigen. China verlangt von Christen völlige Unterordnung unter die kommunistische Ideologie – und setzt dafür auf digitale Totalüberwachung.

Silgadji im Norden von Burkina Faso, 28. April 2019: Christen feiern ihren Sonntagsgottesdienst, als mehrere Unbekannte die Gemeinde angreifen. Sie beschlagnahmen Telefone und Ausweise, sammeln die Bibeln ein und verbrennen sie. Den Pastor und sechs weitere Gläubige zerren sie nach draußen, um sie zu erschießen. Eine Person überlebt. Die Täter fliehen auf Motorrädern.

Der Anschlag von Silgadji ist symptomatisch für instabile Staaten Afrikas, wie Open Doors im diesjährigen Bericht zum Weltverfolgungsindex erklärt. 2011 wurde der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi gestürzt, ein Machtvakuum entstand. Danach habe sich „der islamistische Einfluss wie eine Welle“ in mehreren Staaten Subsahara-Afrikas ausgebreitet. In Ländern wie Burkina Faso oder Kamerun gibt es immer wieder islamistische Angriffe auf Christen. Neben bekannten Terrormilizen wie Boko Haram treiben noch viel mehr islamistische Organisationen in afrikanischen Ländern ihr Unwesen. Open Doors zählt 27 Gruppen, die in verschiedenen Teilen von Subsahara-Afrika Kirchen zerstören, Eigentum vernichten, brandschatzen, vergewaltigen, morden.

So belegen mehrere afrikanische Staaten auch die oberen Plätze auf dem Weltverfolgungsindex 2020. In Somalia (3) ist christliches Leben so gut wie unmöglich, auch die Christen in Libyen (4), Eritrea (6) und im Sudan (7) leiden unter starker Verfolgung. In zwei afrikanischen Ländern wurden besonders viele Christen um ihres Glaubens willen ermordet. Im Berichtszeitraum vom 1. November 2018 bis zum 31. Oktober 2019 registrierte Open Doors 924 Morde an Christen in der Zentralafrikanischen Republik. Nur in Nigeria, im Weltverfolgungsindex auf Platz 12, starben mit 1.395 Opfern mehr Christen aufgrund ihres Glaubens, gibt das Hilfswerk an. Mehrere bewaffnete und kriminelle Gruppen würden „marodierend durch die Dörfer“ ziehen und etwa Mädchen ab zehn Jahren entführen, um Lösegeld zu erpressen. Häufig würden die Opfer berichten, sie würden umgebracht, wenn sie sich nicht zum Islam bekehrten.

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Die ersten zehn Plätze des Weltverfolgungsindex'

1. Nordkorea (94 Punkte)

2. Afghanistan (93 Punkte)

3. Somalia (92 Punkte)

4. Libyen (90 Punkte)

5. Pakistan (88 Punkte)

6. Eritrea (87 Punkte)

7. Sudan (85 Punkte)

8. Jemen (85 Punkte)

9. Iran (85 Punkte)

10. Indien (83 Punkte)

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Im vom Bürgerkrieg erschütterten Syrien und im Irak schwindet laut Open Doors die christliche Gemeinschaft. 2003 lebten im Irak noch 1,5 Millionen Christen, heute sind es nur noch 200.000 – „ein Rückgang von 87 Prozent innerhalb einer Generation“. In Mossul, vor zweieinhalb Jahren noch eine Hochburg der IS-Miliz, lebten im Sommer wieder 50 bis 75 Christen. Aus Angst vor Verfolgung und einer korrupten Elite schreckten christliche Flüchtlinge davor zurück, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. In Syrien sind von den 2,2 Millionen Christen noch 744.000 übrigen geblieben. Vor allem die jüngere Generation fehlt.

Rode: Abschiebungen christlicher Konvertiten sofort stoppen

Vor allem Konvertiten werden von ihren eigenen Familienmitgliedern oder Angehörigen ihrer Ursprungsreligion verfolgt. Ehemalige Muslime, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, müssen in Ländern wie dem Iran oder Afghanistan mit dem Tod rechnen. „Unverantwortlich“ nennt Open-Doors-Leiter Markus Rode solche Abschiebungen. Christliche Konvertiten erhielten vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und von Verwaltungsgerichten immer seltener Asylschutz. „Die Bundesregierung muss Abschiebungen von Konvertiten sofort stoppen und sich wesentlich entschlossener für verfolgte Christen einsetzen“, forderte Markus Rode in einer Pressemitteilung.

Indien und die Volksrepublik China haben zusammen fast 2,8 Milliarden Einwohner – gleichzeitig sind sie laut Open Doors am „aktivsten im Bereich digitaler Überwachung“. Das Hilfswerk zählte Indien 2019 erstmals zu den zehn für Christen gefährlichsten Ländern der Welt. Premierminister Narendra Modi und seine hindu-nationalistische Regierung lassen extremistische Hindus „weitgehend straffrei gegen Christen agieren“. In China setzt die kommunistische Führung auf Hightech zur digitalen Überwachung. Jeder Einwohner wird mit einem Punktesystem bewertet, unter anderem kommen dort biometrische Überwachungstechniken wie Gesichtserkennung zum Einsatz. Kirchen müssen ihre Kreuze abnehmen und sie durch Porträts des langjährigen Staatschefs Mao Zedong und dem aktuellen Machthaber Xi Jinping ersetzen. Außerdem zwingt die chinesische Regierung die Kirchen dazu, Kameras aufzuhängen, mit denen sie das Gemeindeleben der nach Open-Doors-Schätzungen mehr als 90 Millionen Christen möglichst lückenlos überwachen will. „Die kommunistische Partei verlangt absolute Unterordnung und ließ im vergangenen Jahr mehr als 5.500 Kirchen und kirchliche Einrichtungen schließen“, berichtet Open Doors.

Wie schon in den Vorjahren liegt Nordkorea auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex'. Die Herrscherdynastie der Kims lasse sich dort „wie ein Gott“ verehren. Wer eine Bibel besitzt, kann mit dem Tode bestraft werden. Zehntausende Christen müssten in Straflagern schwerste Zwangsarbeit leisten und würden gefoltert. In Afghanistan, das den 2. Rang belegt, gibt es laut Open Doors keine Kirchen. Christliche Konvertiten müssten unentdeckt bleiben, da sie sonst umgebracht würden.

Insgesamt hat die Gewalt gegen Kirchen und Christen weltweit laut Open Doors „dramatisch zugenommen“. 9.500 Kirchen und kirchliche Einrichtungen seien im Berichtszeitraum attackiert, zerstört oder geschlossen worden – fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

260 Millionen Christen seien starker bis extremer Verfolgung ausgesetzt. Open Doors analysiert mit Hilfe von Fragebögen verschiedene Lebensbereiche von Christen: das Privat- und Familienleben, das Leben in Gesellschaft und Staat sowie das kirchliche Leben. Zudem erfasst das Hilfswerk physische Gewalt gegen Christen. Mit einem Punktesystem ermittelt Open Doors dann den Grad der Verfolgung von Christen. Die Fragebögen werden nach Angaben von Open Doors von Fachleuten aus drei Bereichen beantwortet: von Forschern von Open Doors, die mit lokalen Kirchengemeinden zusammenarbeiten, von Analysten des Weltverfolgungsindex-Teams sowie von externen Experten. Der Weltverfolgungsindex umfasst 50 Länder, zu denen das Hilfswerk detaillierte Berichte veröffentlicht. In weiteren 23 Ländern seien Christen einem hohen Maß von Verfolgung ausgesetzt.

Von: Nicolai Franz

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