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Meinung

Gesellschaft kann von Gott und Religion profitieren

Der geneigte Leser braucht schon ein Fremdwörter-Lexikon und viel politisches Wissen, um Wolfram Weimer folgen zu können. In seinem Buch „Sehnsucht nach Gott“ entfaltet er trotzdem eine klare Botschaft. Die Rückkehr der Religion kann unserer Gesellschaft nur gut tun.
Von Johannes Blöcher-Weil
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Der Autor und Publizist Wolfram Weimer
Der Journalist Wolfram Weimer beschreibt in seinem Buch, wieso die Rückkehr des Glaubens mehr als eine Rückbesinnung auf Werte bedeutet

Die Menschen hatten schon immer Sehnsucht nach Gott und den Antworten auf ihre existenziellen Fragen. Vielleicht war das Grund, warum der Journalist Wolfram Weimer sein Buch „Sehnsucht nach Gott“ genannt hat. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass eine Gesellschaft von Gott und religiösen Aspekten nur profitieren kann.

Weimer macht für diese Erkenntnis eine „tour d’ horizon“ durch die Philosophie- und Politikgeschichte. Viele Philosophen hätten Gott „systematisch umgebracht oder wie einen verstorbenen Großvater betrachtet“. Gott habe es noch nicht einmal in die europäische Verfassung geschafft. Trotzdem erlebe die Religion weltweit gerade eine Renaissance.

Europa habe seit dem 17. Jahrhundert versucht, Gott aus der Politik und dem öffentlichen Leben zu entfernen. Das 20. Jahrhundert sei mit dem Kommunismus und dem Faschismus eines der gottlosesten der Geschichte gewesen. Trotzdem sei es nach drei Jahrhunderten Aufklärung nicht gelungen, das Jenseitige aus dem Diesseitigen zu verbannen.

Schöpfung und Demut schaffen es in den öffentlichen Diskurs

Die Ereignisse am 11. September 2001 hätten einiges zum Status quo beigetragen. Es existiere seitdem häufig das Bild vom Kampf der Gläubigen gegen die Ungläubigen. Vor allem die Amerikaner wünschten sich eine stärkere Verbindung von Religion und Politik. Aber auch in Deutschland hätten es Worte wie Schöpfung und Demut in den öffentlichen Sprachgebrauch und Theologen in Talk-Sendungen geschafft.

Religiöse Fragen sorgten weltweit immer häufiger für Konflikte und Kriege. Der Autor hofft, dass es gelingt, unentschiedene Muslime vor dem Weg in den Fundamentalismus zu schützen. Wenn Religion in die Gesellschaft zurückkehre, könne sie diese prägen. Gesellschaften ohne religiösen Kern bezeichnet Weimer als ausgehöhlt. Eine Rückbesinnung auf die Religion habe auch für die Wiederkehr der Kulturgeschichte gesorgt.

Vor allem in den Städten existiert eine Sehnsucht nach Gott

Eltern schickten ihre Kinder auf kirchliche Schulen, weil sie um den Zusammenhang von kultureller Kraft und religiösem Bewusstsein wüssten. Vor allem konservative Kreise bemühten sich, den „Exzessen der Globalisierung“ Einhalt zu gebieten, wenn es um die Öffnung der Supermärkte am Sonntag oder die Bewahrung der Schöpfung gehe. Dabei beobachtet Weimer, dass die Religion vor allem dort spürbar zurückkehrt, wo die Beschleunigung am intensivsten zu erleben ist: in den Städten.

Religion habe dabei geholfen, kommunistische Diktaturen zu überwinden. Aber sie könne auch dazu beitragen, in ethischen Fragen zur Abtreibung, Genforschung oder Sterbehilfe Dinge gut zu reflektieren oder ethisch zu deuten. Ihre Positionen seien nicht immer per se richtig, aber sie sorgten dafür, dass Diskussionen zu manchen Fragen stattfinden würden.

Wolfram Weimer: „Sehnsucht nach Gott: Warum die Rückkehr der Religion gut für unsere Gesellschaft ist“, Bonifatius, 126 Seiten, 15 Euro, ISBN 9783897108882

Religion betrachte Individuen – im Gegensatz zu vielen politischen Ideologien – als Menschen mit Würde und Wert und als Ebenbilder Gottes. Ein wichtiger Ankerpunkt religiöser Menschen sei auch die Familie. Die 68er-Bewegung habe das klassische Familienbild scharf kritisiert und aufgeweicht. Junge Menschen nähmen sich heute jedoch wieder mehr die Erziehung ihrer Eltern zum Vorbild: „Das vierte Gebot trägt gewissermaßen einen Sieg davon.“

Abendland steht auf dem Hügel von Golgatha

Familie biete Liebe, Geborgenheit, Glück, Grundvertrauen und gegenseitige Hilfe. Diese familiären Kompetenzen sollte man aus Weimers Sicht nicht den Kitas und Schulen zuweisen: „Die Familie ist eine Bastion gegen die modernistische Kultur des Provisorischen.“ Das Abendland des religiös Gebundenen stehe auf der Identität der drei Hügel Golgatha, Akropolis und Kapitol und damit dem Christentum, der griechischen Philosophie und dem römischem Recht.

Das Christentum habe eine enorme Freiheit daraus gewonnen, „dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gott ist“. Diese Erkenntnis sei ein quälender Prozessen gewesen, garantiere dem Einzelnen aber „eine liberale Dimension von Leben, die zuvor unbekannt war“. Der religiöse Mensch akzeptiere und würdige den Fortschritt kultiviere aber auch die „Kultur des Bewahrens“. Weimer kritisiert einen Staat scharf, der mit Lauschangriffen und Videokameras in die Privatsphären seiner Bevölkerung eindringt oder mit Quoten und Verboten glaube, alles regeln zu müssen.

Der Autor wünscht sich, dass sich moderne Demokratien auf das Religiöse zurückbesinnen. Im Grundgesetz sei nicht ohne Grund die biblische Aussage von der Würde des Menschen übernommen worden. Eine Demokratie, die sich diesen religiösen Unterbau nehme, gefährde sich selbst. Es brauche aktuell ein besonderes Sensorium für und zugleich eine Antwort auf die Raserei der Moderne.

Ethische Pflicht nicht mit dem Recht des Stärkeren verwechseln

Ethische Pflicht werde permanent mit dem Recht des Stärkeren verwechselt: „Der religiös geprägte Wertkonservative hingegen sucht nach dem dauerhaft, vielleicht sogar immer gültigen Prinzip, er vertraut auf die befriedende Funktion des Rechts und halt Treue nicht für etwas, was aus der Mode kommt, wenn die Mode geht“, schreibt Weimer.

Wenn eine Gesellschaft ihren inneren Sinn nicht mehr kenne, sei dies für sie kontraproduktiv: Den europäischen Gesellschaften schade ein bisschen mehr Religion gar nicht. Für das Zusammenleben helfe auch eine gewisse Demut, auch wenn diese „eine Provokation für das Selbstverständnis des modernen, vorrangig selbstbewussten Menschen“ sei. Darüber hinaus warnt Weimer davor, nicht alles zu ökonomisieren, weil nicht alles im Leben verkäuflich oder mit Geld zu bezahlen sei. Viele Menschen hätten erfahren, dass nicht materialistische Dinge das Leben lebenswert machten, sondern die Tatsache, dass sie geliebt haben und wurden. Diese Antworten seien nicht von dieser Welt, „denn sie tragen in sich die Sehnsucht nach Gott“, bilanziert Weimer.

Man merkt Weimer auf den 126 Seiten an, was ihn antreibt. Dass die Religion eine stärkere Rolle in der Gesellschaft spielen soll, ist nichts Neues aus seinem Munde. Wer dabei mithelfen kann und was daran hindert, etwa die Gender-Ideologie, benennt er klar und deutlich und manchmal etwas polemisch. Wer die großen Klassiker der politischen Theorie und Philosophie kennt und keine Angst vor zu vielen Fremdwörtern hat, kann das Buch trotzdem mit Gewinn lesen.

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7 Antworten

  1. Eltern schickten ihre Kinder auf kirchliche Schulen, weil sie um den Zusammenhang von kultureller Kraft und religiösem Bewusstsein wüssten, so Wolfram Weimer. Ist es nicht allein so, weil die Eltern weniger Gewalt in den religiösen Schulen erwarten???

  2. Mehr Religion wird den Untergang der Gesellschaften nicht aufhalten. Nur Jesus Christus rettet. Wer mit biblischer Eschatologie vertraut ist, versucht nicht die Gesellschaft zu retten, sondern Menschen aus dieser Welt in das Reich Gottes zu rufen.
    Christen sind das Licht der Welt, das Salz der Erde. Durch die Gemeinde Gottes ist der Heilige Geist gegenwärtig und hält den vollständigen Untergang auf. So wirken wir in diese Gesellschaft hinein, nicht durch mehr Religiosität.

    1. Wer mit biblischer Eschatologie vertraut ist, wird Ihre Auffassung nicht teilen.
      Vgl. Moltmann, Jürgen: Trinität und Reich Gottes. Ders.: Theologie der Hoffnung.
      Alle Untergangs- und Endzeitspekulationen haben eines gemeinsam, sie sind krachend gescheitert…. Nur dass die Herren Ausleger mit einem ausgesprochen kurzen Gedächtnis gesegnet sind.

      1. P.S. Wenn Ihre Vorstellung von der Aufgabe der Christenheit, Seelen aus dieser irdischen Welt für das Reich Gottes zu retten, denn in Ihrer Lesart stimmte, wären die ganzen Heilungsgeschichten im NT schlicht unverständlich… Freilich sind sie Zeichenhandlungen, die Jesu göttliche Vollmacht bestätigen, aber sie zeigen doch ganz unmissverständlich, dass das Reich Gottes auf ein leibliches und sehr irdisches Wohl des Menschen abzielt.

  3. 2. Petrus 3: Geliebte, dies ist nun schon der zweite Brief, den ich euch schreibe, um durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufzuwecken, 2 damit ihr an die Worte gedenkt, die von den heiligen Propheten vorausgesagt worden sind, und dessen, was euch der Herr und Retter durch uns, die Apostel, aufgetragen hat. 3 Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass am Ende der Tage Spötter kommen werden, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln 4 und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Wiederkunft? Denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles so, wie es von Anfang der Schöpfung an gewesen ist! 5 Dabei übersehen sie aber absichtlich, dass es schon vorzeiten Himmel gab und eine Erde aus dem Wasser heraus [entstanden ist] und inmitten der Wasser bestanden hat durch das Wort Gottes; 6 und dass durch diese [Wasser] die damalige Erde infolge einer Wasserflut zugrunde ging. 7 Die jetzigen Himmel aber und die Erde werden durch dasselbe Wort aufgespart und für das Feuer bewahrt bis zum Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen. 8 Dieses eine aber sollt ihr nicht übersehen, Geliebte, dass ein Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag! 9 Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe. 10 Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen. 11 Da nun dies alles aufgelöst wird, wie sehr solltet ihr euch auszeichnen durch heiligen Wandel und Gottesfurcht, 12 indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt<Andere Übersetzung: und beschleunigt.>, an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! 13 Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.

  4. Aufgrund seiner Kommentare könnte man annehmen, Herr Carvalho (portugiesisch=Eiche) verfügte über ein umfangreiches Wissen, das er stets zu untermauern versucht, durch Quellenangaben der von ihm gelesenen Literatur und die keinen Widerspruch der darin verbreiteten Meinungen, duldet. Dazu kommt noch, daß er versucht, alle Meinungsäußerungen, die nicht seinen Vorstellungen entsprechen, mit dem maßlosen Einsatz von Fremdwörtern,( ich muß leider gestehen, daß ich vor dem Lesen eines Kommentars von ihm, schon immer das Fremdwörterbuch zur Hand habe) platt zu machen.
    Nur ein Beispiel: Er erwähnt genau wie Herr Freerksema die biblische Eschatologie und er ist zum wiederholten Male der Meinung, daß alle bisherigen Untergangs- und Endzeitspekulationen krachend gescheitert wären. Damit hat er bedingt Recht, wenn man damit die unseriösen selbsternannten Propheten meint, denen es nur um Aufmerksamkeit für sich selbst geht und die keine bibeltreuen Christen sind. Wer aber die Bibel liest um zu tatsächlichen Erkenntnissen aus dem Prophetischen Wort , z.B. dem Buch Daniel im AT. oder Jesu Endzeitrede oder der Offenbarung des Johannes zu kommen weiß genau, in welcher Phase der Endzeit wir uns aktuell befinden und daß nach der Entrückung der Gemeinde, deren Zeitpunkt selbst Jesus seinen Jüngern zur damaligen Zeit noch nicht genau vorhersagen konnte, von der wir aber heute wissen, daß sie uns kurz bevorsteht, in der Bibel tagegenaue Angaben über bestimmte Vorgänge während der Herrschaft des Antichristen gemacht werden. Sehr geehrter Herr Carvalho, ich weiß nicht wie alt Sie sind, aber ich schätze. wenn unser Herrgott Ihnen noch 10 Jahre irdisches Leben gewährt, werden Sie all das. was Sie heute in´s Lächerliche ziehen, am eigenen Leibe mit erleben können.
    Das Buch von Wolfram Weimer zu kommentieren, der Golgatha, Akropolis und Kapitol und damit Christentum, griechische Philosophie und römisches Recht auf eine Ebene stellt, widert mich an ist aber ein weiteres Zeichen der Zeit und ein weiterer Schritt zum totalen Abfall vom Christlichen Glauben.

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