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Jugendliche haben „spirituelle Sehnsucht“

In der christlichen Kinder- und Jugendarbeit werden regelmäßig Glaubenskurse angeboten. Die CVJM-Hochschule Kassel hat die Wirkung solcher Kurse bei steigender „religiöser Indifferenz“ untersucht. Dabei fanden die Forscher heraus, dass für die Befragten das Gebet eine wichtige Rolle spielt. Die Kurse hätten geholfen, den eigenen Glauben besser zu artikulieren.
Von PRO
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Wenn Jugendliche an Glaubenskursen teilnehmen, steckt dahinter oft eine spirituelle Sehnsucht

Foto: Sincerely Media/unsplash

Wenn Jugendliche an Glaubenskursen teilnehmen, steckt dahinter oft eine spirituelle Sehnsucht

Glaubenskurse für Jugendliche leisten einen positiven Beitrag angesichts der „steigenden religiösen Indifferenz“. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der CVJM-Hochschule Kassel. Daran haben 88 Teilnehmer aus zehn Bundesländern teilgenommen. Sie waren im Durchschnitt 18 Jahre alt. Vertiefend führten die Wissenschaftler Interviews mit beteiligten Jugendlichen.

40 Prozent der Kursteilnehmer waren nicht stark christlich sozialisiert. Für viele von ihnen sei die Teilnahme an den Kursen einer „spirituellen Sehnsucht“ geschuldet. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer gaben an, dass sie ihren Glauben vertiefen und Gott (wieder stärker) erleben wollen. Die Hälfte der Befragten wurde durch Menschen aus der Gemeinde auf die Kurse aufmerksam gemacht.

Großmütter spielen eine wichtige Rolle

Die Kurse haben bei drei von zehn Befragten dazu geführt, dass sich die Bedeutung des christlichen Glaubens gesteigert hat. 72 Prozent gaben an, dass sich ihr Wissen über religiöse Themen vergrößert habe. Für 46 Prozent von ihnen hat der christliche Glauben eine größere Bedeutung gewonnen.

Die Jugendlichen betonten, dass ihnen die Kurse geholfen hätten, im eigenen Glauben sprachfähiger zu werden (59 Prozent). Bei vielen von ihnen waren Großmütter und Kontakte außerhalb der Familie die treibenden Kräfte für die religiöse Sozialisation. Für den eigenen Glauben spielen Emotionen und Großereignisse eine große Rolle.

Obwohl es für viele Jugendliche Neuland war, habe sich bei 62 Prozent das Gebetsleben positiv oder stark positiv verändert. Hier helfe es, spirituelle Praktiken, gemeinsames Beten und oder das Nachdenken über die Beziehung zu Gott einzuüben. Viele Jugendliche wollen Gott spüren und ihn emotional erleben.

Wenig Auswirkungen auf den praktischen Alltag

Der Großteil der Teilnehmer besaß schon ein sehr großes (16,3 Prozent) oder ein großes Vorwissen (41,9 Prozent) über den Glauben. Aktiv verändert im Glaubensleben hat sich nur etwas bei einer Minderheit. 62,7 Prozent der Befragten gaben an, nicht öfter in den Gottesdienst zu gehen. 56,9 Prozent sagten, dass sich nichts in ihrem Leseverhalten der Bibel verändert habe. Für 53,4 Prozent hat sich nichts in der Mitarbeit in der Gemeinde oder Kirche verändert.

Die Ergebnisse verdeutlichten, dass eine christliche Erziehung für die Eltern der erforschten Generation nicht mehr selbstverständlich ist. 40 Prozent der Befragten wurden nicht religiös sozialisiert, aber trotzdem 80 Prozent als Kind getauft. Während die Eltern noch in einer christlichen Tradition lebten, können diese für ihre eigenes Leben dem christlichen Glauben nichts mehr abgewinnen.

Die Studie schlussfolgert, dass Glaubenskurse kein geeignetes Werkzeug zur Mission seien, sondern eher einen weiteren Schritt für bereits Gläubige oder Menschen mit einem Bezug zum Glauben darstellten. Die Kurse seien hilfreich, wenn Menschen bereits erreicht wurden, jedoch nicht, um einen ersten Kontakt zum Glauben herzustellen.

Das Wichtigste an Glaubenskursen für Jugendliche sind Beziehungen. 89 Prozent der quantitativen Befragung wurden durch ihre Jugendgruppe und 51 Prozent durch ihre Freunde positiv im Glauben geprägt. Die Sprache der jungen Menschen über den Glauben unterscheide sich aber von der dogmatischen Sprache der Kirche. Viele wünschten sich einen Gott, „der ihnen persönlich etwas bringen muss“.

Christliche Jugendarbeit nicht aus dem Bauch heraus machen

Religiöse Bildung sei aber nicht nur die Übermittlung von Fakten, sondern auch Herzensbildung, die Christen für ein mündiges Christsein genauso brauchen wie die Kenntnis der Bibel. Bei 81 Prozent hätten kirchliche Mitarbeiter deren Glauben positiv beeinflusst, weil sie ein fester Halt gewesen waren, um sich wohl- und einzufühlen.

Deswegen hätten die Kurse das Potenzial, Jugendlichen den Glauben beizubringen und damit zu leisten, was im Elternhaus nicht mehr selbstverständlich ist. Die Glaubenskurse stießen aber auch an ihre Grenzen: „Sie erzielen keine zielführenden Ergebnisse, wenn sich nicht Hand in Hand mit der Ortsgemeinde, Kirche und missionarischer Jugendarbeit gehen“, heißt es im Fazit der Studie, die keinen repräsentativen Anspruch erhebt.

Aus den Forschungen ist auch die Multiplikationsplattform www.x-kurs-glauben.de entstanden: „Die Forschungsarbeit ist ein wichtiger Beitrag dazu, dass christliche Jugendarbeit nicht nur aus dem Bauch heraus geschieht. Ihre Methoden und Konzepte müssen auch auf ihre Wirksamkeit hin hinterfragt werden“, sagt Projektleiter Florian Karcher.

Zunächst haben die Forscher alle zugänglichen Kursangebote, wie etwa Emmaus Street, G Mit oder Alpha-Kurse im Deutschland gesichtet, um sie dann vertiefend zu untersuchen. Die CVJM-Hochschule betreibt vier Forschungsinstitute. Neben dem Institut für Erlebnispädagogik sind dies das Institut für Missionarische Jugendarbeit, Institut empirica für Jugendkultur und Religion sowie das Evangelische Bank Institut für Ethisches Management. Rektor ist Pfarrer Rüdiger Gebhardt. Träger der CVJM-Hochschule ist der CVJM Deutschland.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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