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Gegen Stress und Angst: Schüler werden Stille-Scouts

Sie wollen ihren Mitschülern meditative und spirituelle Angebote machen, damit diese zur Ruhe kommen können. Die Pfälzer Kirche und das Bistum Speyer bieten dafür Schülern aus Edenkoben und Speyer eine besondere Fortbildung an.

Foto: Annie Spratt on Unsplash

Im Wald sollen die Stille-Scouts bei ihrer Ausbildung Ruhe finden

„Tief einatmen, mit den Händen die Luft einsaugen“, sagt Karin Kienle. 13 Schülerinnen und zwei Schüler tun es der Referentin der Evangelischen Jugend der Pfalz und Monika Schuster von der Schulabteilung des Bistums Speyer gleich: Sie strecken die Hände hoch über den Kopf, schließen teilweise die Augen. Über und neben ihnen zwitschern Blaumeisen und Buchfinken im Geäst der Bäume, während sich die Arme mit einem Ausatmen wieder senken. Schließlich „entwurzeln“ sich die Schüler wieder, schütteln Arme und Beine aus, lockern sich.

Ruhe finden, entspannen, aber auch Kraft schöpfen, dabei geht es bei der Wahrnehmungsübung „Baum im Wald“ neben dem Herz-Jesu-Kloster in Neustadt an der Weinstraße. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Edenkoben in der Südpfalz und des Nikolaus-von-Weiß-Gymnasiums Speyer lernen zwei Tage lang Übungen zur Entspannung oder Meditation kennen und greifen spirituelle Impulse auf.

Mitschülern helfen, Kraft zu tanken

Hintergrund sind die sogenannten „Räume der Stille“ an Schulen, die seit 2014 auf Initiative von Landeskirche und Bistum eingerichtet wurden. 31 sind es inzwischen pfalzweit, mehr Schulen würden sie gerne einrichten, haben aber keinen Platz. In den Räumen können Schüler zur Ruhe kommen, teilweise machen Lehrkräfte meditative oder spirituelle Angebote. Oft aber seien sie mangels Betreuung geschlossen, berichtet Kienle.

Die Stille-Scouts wiederum könnten in ihrer Freizeit Mitschülern solche Angebote in der Schule machen. Und nicht nur vom Schulstress fänden sie hier Ablenkung. „Kinder und Jugendliche haben Angst, sehen nicht viel Licht momentan“, sagt Kienle mit Blick auf die Coronakrise und den Ukrainekrieg. Es gehe darum, Kraft zu tanken, sich selbst zu stärken, im Hier und Jetzt zu sein.

Power-Yoga zum Entspannen

Zu Beginn schickt Monika Schuster die Jungen und Mädchen mit dem Auftrag in den Wald, mit einem Gegenstand zurückzukehren, der ihre Motivation widerspiegelt. Lisa kommt mit einer Vogelfeder zurück. „Sie bedeutet Freiheit für mich, mal an was anderes zu denken als immer nur an die Noten“, sagt die 16-Jährige, die in Edenkoben gerade in die Oberstufe gekommen ist. Die jüngere Tessa hat zu einer Esskastanienschale gegriffen. „Ich merke, wenn es jemandem an der Schule nicht gut geht, und will das ändern“, sagt die Achtklässlerin.

Später lassen sich die Schülerinnen und Schüler zum Klang von Windspielen auf eine Fantasiereise zu eigenen „Kraftorten“ ein, legen zum Thema Frühling ein Mandala. Nicht bei allem fühlen sich die Schüler entspannt. Wichtig sei am Ende, solche Übungen auszuwählen, die einem selbst helfen, sagt Kienle. Diese könnten dann auch anderen überzeugend angeboten werden. Kienle überrascht die Schüler mit Power Yoga, das die Teilnehmer an ihre körperlichen Grenzen bringt. „Still sein heißt nicht unbedingt nichts tun“, sagt Kienle, „sondern sich auf eine Sache zu konzentrieren, im Moment zu sein.“

Elemente wurzeln im Christentum

Elf Schulen haben an der Stille-Scouts-Ausbildung, die 2020 mit dem Innovationspreis der Landeskirche ausgezeichnet wurde, Interesse gezeigt. Drei Schulen sind seit Herbst 2021 dabei. „Das wird definitiv über mehrere Jahre gehen“, sagt Kienle, der mit ihrer Kollegin ein Netzwerk mit Folgefortbildungstagen zu Themen wie Angst oder Kraft vorschwebt. Den bereits geschulten Stille-Scouts der Maria-Ward-Schule Landau geben Kienle und Schuster derzeit Starthilfe vor Ort.

Die Religiosität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sei zweitrangig, sagt Kienle, auch wenn es Elemente gebe, die im Christentum wurzelten. Vor allem aber könne man „Frieden nur schaffen, wenn man mit sich selber Frieden geschlossen hat“, weiß Kienle. Und indem die Schüler weitergeben, was sie selbst trägt, sei das Projekt letztlich doch kirchlich – „nicht von oben herab, sondern aus ihnen heraus“. Bäume eben, die Wurzeln schlagen.

epd
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Eine Antwort

  1. >Vor allem aber könne man „Frieden nur schaffen, wenn man mit sich selber Frieden geschlossen hat“<

    Gerade deshalb würde man sich doch wünschen, das die gute Nachricht von Christus thematisiert würde, – und nicht nur "Baum im Wald" sein zu wollen …

    Denn, "die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut, Keuschheit."

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