Früherer württembergischer Bischof Gerhard Maier gestorben

Der württembergische Altbischof Gerhard Maier ist am Karsamstag gestorben. Er wurde 88 Jahre alt. In Nachrufen werden seine Verdienste für die pietistische Bewegung gewürdigt.
Von Martin Schlorke
Gerhard Maier

Der ehemalige württembergische Bischof Gerhard Maier ist tot. Er starb am 4. April im Alter von 88 Jahren, wie die Evangelische Landeskirche in Württemberg am Dienstag mitteilte. Maier leitete die Landeskirche von 2001 bis 2005. Sein Leitgedanke war: „Bischof für alle, nicht ein Bischof für alles“.

Der amtierende Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl würdigte Maier als jemanden, der „die Lebensrelevanz der Bibel und ihre Christusfrömmigkeit“ leidenschaftlich vorgelebt habe. Maier habe sich damit große Verdienste um die württembergische Landeskirche erworben. Mit seiner Auslegung der Bibel habe er den württembergischen Pietismus geprägt.

Die pietistische „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“ nannte Maier einen ihrer „bedeutendsten Lehrer“. Maier sei ein „profilierter und hochkompetenter Streiter für die Vertrauenswürdigkeit und Autorität der Bibel“ gewesen, dessen Liebe dem Pietismus und der evangelikalen Bewegung galt.

Maier wurde 1937 in Ulm geboren. Er studierte in Tübingen Theologie und Jura und arbeitete danach drei Jahre als Pfarrer in Baiersbronn. Anschließend wurde er im Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen Studienleiter und arbeitete von 1980 bis 1995 als dessen Rektor. Dieses Amt habe er in „Klarheit und fröhlichem Vertrauen auf Gottes gute Führung“ ausgeführt, heißt es im Nachruf des Hauses. Maier sei es trotz seines klaren theologischen Profils gelungen, Brücken zwischen den unterschiedlichen theologischen Richtungen zu schlagen, und habe sich um ökumenischen Austausch bemüht.

Engagement und Auszeichnungen

Von 1971 bis 1977 und 1983 bis 1995 war Maier Mitglied der Württembergischen Evangelischen Landessynode, bis er 1995 Regionalbischof von Ulm wurde. Zu seinen Ehrenämtern gehörten der Vorsitz der Deutschen Indianer Pionier Mission und die Mitgliedschaft in der Leitung des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes. Maier gehörte zudem zum „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“.

Maier war außerdem Vorstandsmitglied im Evangelischen Presseverband für Württemberg sowie Kuratoriumsmitglied von „ProChrist“ und Mitglied des Hochschulrates der Internationalen Hochschule Liebenzell.

Als Gastprofessor lehrte Maier an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Heverlee/Leuven (Belgien) und an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel (STH) in Riehen. 2004 erhielt er die Ehrenprofessorenwürde der Universität Galati (Rumänien), die Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule für Theologie in Zhirovischi (Weißrussland) sowie die Ehrendoktorwürde der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel. 2005 erhielt er die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.

Neben zahlreichen eigenen Publikationen ist Maier Mitherausgeber der Wuppertaler Studienbibel und anderer Bibelkommentare. In seinem Buch „Das Ende der historisch-kritischen Methode“ sprach er sich gegen dieses Verfahren zur Analyse biblischer Texte aus. In einem Ruhestand kritisierte er zudem das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beschlossene Pfarrdienstgesetz zum Umgang mit Homosexualität.

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