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Neuer Streit: Ist Homosexualität bibelwidrig?

Acht ehemalige Bischöfe der evangelischen Kirche haben am Donnerstag einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie sich gegen homosexuelle Partnerschaften von Pfarrerinnen und Pfarrern aussprechen. Der Brief sorgt für Zündstoff, aus verschiedenen Richtungen kamen Reaktionen, teilweise zustimmend, teilweise empört.
Von PRO

Foto: pro

In ihrem Brief, den die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" am Donnerstag im Wortlaut abdruckte, appellieren die acht Unterzeichner an die Synodalen der 22 evangelischen Landeskirchen, die geplante Liberalisierung der Homosexualität in der Kirche zu kippen. Zu den Unterzeichnern gehören die ehemaligen Bischöfe Gerhard Maier (Württemberg), Gerhard Müller (Braunschweig), Theo Sorg (Württemberg) und Heinrich Hermanns (Schaumburg-Lippe).

Das neue Pfarrdienstgesetz wurde von der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im November 2010 in Hannover beschlossen, am 1. Januar trat es in Kraft. Allerdings musste es noch einmal der Synode vorgelegt werden. In seinem Paragraf 39.1 heißt es unter "Ehe und Familie", dass Pfarrerinnen und Pfarrer "in ihrer Lebensführung im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe an die Verpflichtungen aus der Ordination gebunden" seien. Die Alt-Bischöfe schreiben in ihrem Brief, dies könne nur so verstanden werden, dass dort von Familien mit Vater und Mutter die Rede ist; dies entspreche der Heiligen Schrift, welche die "alleinige Grundlage" des christlichen Lebens sein sollte.

In der neuen "Begründung" zum Pfarrdienstgesetz stehe nun jedoch, dass auch "gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften" der Ehe von Mann und Frau gleichwertig seien, Pfarrerinnen und Pfarrer also auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften eingehen könnten. Die Bischöfe legen anhand von neun Bibelstellen dar, dass dies ihrer Meinung nach den Aussagen der Bibel und dem Plan Gottes widerspreche.

Sie schreiben unter anderem: "Nach Römer 1,26f gehört gleichgeschlechtliches Zusammenleben in exemplarisch hervorgehobener Weise zu den gottwidrigen Verhaltensweisen, denen ‘die Offenbarung des Zorn(-gerichts) Gottes’ gilt. Wo Menschen anstelle der ‘natürlichen Lebensweise’ des Verkehrs von Mann und Frau (1. Mose 1,27) ‘in einer widernatürlichen Lebensweise des Verkehrs von Frauen mit Frauen und Männern mit Männern’ leben, da verlassen sie die gute Ordnung des Schöpfers für alle Menschen."

Daher sei die Konsequenz zu ziehen: "Es geht im Grunde um nichts Geringeres als um die Frage, ob evangelische Kirchen darauf bestehen, dass die Heilige Schrift die alleinige Grundlage für den Glauben und das Leben ihrer Mitglieder und für den Dienst und die Lebensführung ihrer ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrer bleibt, oder ob eine Landeskirche nach der anderen eine Angleichung an die in der Gesellschaft üblich gewordenen Lebensformen für so wichtig halten, dass sie dafür die Orientierung an der Heiligen Schrift aufgeben beziehungsweise aufweichen." Man könne Paulus’ Aussagen nicht auf eine Warnung vor "Lustknaben in den antiken Tempeln" reduzieren. Wer dies so umdeute, solle sich an das Wort Luthers erinnern: "Das Wort sie sollen lassen stehen!" Die Unterzeichner betonen, dass sie keine Feindseligkeiten austragen wollen, sondern eine "freie, kontrovers geführte Diskussion" wünschen.

Scharfe Kritik aus eigenen Reihen

Synoden-Präses Katrin Göring-Eckardt bestätigte gegenüber der "Welt", dass die EKD-Synode mehrheitlich eine liberale Position vertrete. Die Synode sei der Meinung, dass auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften an den "entscheidenden Kriterien Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung" zu messen seien.

Der frühere Ratsvorsitzende der EKD, Manfred Kock, hat die Liberalisierung der Regeln für homosexuelle Pfarrer gegen die Kritik der Alt-Bischöfe verteidigt. Homosexuelle Partnerschaften seien "nicht bibelwidrig", sagte Kock der "Frankfurter Rundschau". Homosexualität gehöre "zu den Ausprägungen menschlicher Geschlechtlichkeit". Sie müsse lebbar sein, und zwar nicht "heimlich im Bahnhofsviertel, sondern offen und verantwortlich", sagte Kock. Er kritisierte, die Altbischöfe täten so, als seien Homosexuelle "Menschen zweiter Klasse". Das zeige einen "alterskonservativen Rollback". Es sei etwa auch "kein Geheimnis", dass es in der katholischen Kirche homosexuelle Priester gebe.

Auch der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich übte Kritik am Brief der Alt-Bischöfe. Er gehe "inhaltlich an dem vorbei, was die EKD-Synode beschlossen hat". Das neue Pfarrdienstgesetz lasse den Gliedkirchen die Möglichkeit, "sich nach ihren bisherigen Regelungen zu diesem Thema so zu stellen, wie sie es für richtig halten", sagte Friedrich der "Welt". Er selbst erlaubte 2010 homosexuelle Lebensgemeinschaften in den Pfarrhäusern Bayerns.

Die Ökumenische Arbeitsgruppe "Homosexuelle und Kirche" (HuK) kritisierte ebenfalls den Brief. "Da setzen sich alte Herren aufs hohe Ross und versuchen, die Lebensrealtitäten von Menschen arrogant auszubremsen", sagte ihr Sprecher Alfred Menzel laut "Welt".

Auch Lob und Dankbarkeit für Brief

Anlässlich der neu entflammten Diskussion um homosexuelle Partnerschaften in den Ämtern der evangelischen Kirche durch den offenen Brief hat sich eigens ein "Initiativkreis Evangelisches Kirchenprofil" gebildet. Der Initiativkreis sei für die Erklärung der Bischöfe dankbar, heißt es in einer Pressemitteilung. "Der Initiativkreis will dazu beitragen, dass das Profil der Evangelischen Kirche geschärft und öffentlich deutlich erkennbar wird, um das Vertrauen der Menschen in die kirchliche Arbeit zu stärken", heißt es darin weiter. Zu den Mitgliedern gehören unter anderen der ehemalige Oberkirchenrat Klaus Baschang (Karlsruhe), der Missionswissenschaftler Peter Beyerhaus sowie rund ein Dutzend weiterer Theologen und Pastoren. Über den Brief der Alt-Bischöfe schreibt der Initiativkreis: "Noch nie hat es in der Geschichte des deutschen Protestantismus Anlass zu einer solchen Aktion gegeben. Jetzt geht es aber offenbar um das Eingemachte, um das Profil, das diese Kirche in einer pluralistischen Gesellschaft abgibt."

Baschang, Oberkirchenrat im Ruhestand und Koordinator des Initiativkreises, erklärte: "Es geht um das Herzstück evangelischen Glaubens, um die Achtung vor der Heiligen Schrift. Darauf machen die Alt-Bischöfe nachdrücklich aufmerksam. Wie geht die Kirche Luthers mit der Bibel um? So fragen auch die Menschen, die sich nicht regelmäßig in Bibelstunden und Gottesdiensten einfinden, aber bei Bedarf verlässliche Auskunft der Kirche für ihr Leben brauchen. Und das ist die Mehrheit der Kirchenmitglieder." Zum Streit über die Kritik der Bibel an homosexueller Praxis sagte Baschang: "Die Befürworter einer Ordination für Schwule und Lesben behaupten, die Bibel sei in dieser Frage nicht brauchbar. (…) Damit schlägt sich die evangelische Kirche selbst die Nase aus dem Gesicht. Paulus wusste, wovon er im Römerbrief spricht. Unzucht und Ausbeutung waren für ihn eigene Themen. Die Homosexualität aber auch und zwar über die Unsittlichkeit hinaus." (pro)

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