„Wie hat der Glaube Sie geprägt?“, wollte der Moderator Manuel Hartung auf einer Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag in Würzburg am Freitag von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wissen. Merz antwortete ausführlich.
Merz antwortete zunächst mit Verweisen auf die Soziale Marktwirtschaft, auf den Ökonomen Wilhelm Röpke und Oswald von Nell-Breuning, der als „Nestor der christlichen Soziallehre“ gilt, und dem noch nicht eingelösten Versprechen, Arbeitnehmer am Produktivvermögen zu beteiligen. Er verwies auf die christliche Grundüberzeugung von Röpke – der als einer der Väter der Sozialen Marktwirtschaft gilt – und anderen, die ihn bis heute faszinierten. Die Bücher Nell-Breunings stünden noch im Regal, zerfleddert, mehrfach gelesen. Versteht Merz Glauben vor allem als ethisches Fundament für wirtschaftspolitisches Handeln? Dann, fast beiläufig, sagte er den Satz: „Ich fühle mich als Christ. Ich bin deswegen auch in eine christlich-demokratische Union eingetreten.“
Auf die direkte Frage, ob er bei schweren Entscheidungen bete, antwortete der Kanzler: „Ich gehe eigentlich jeden Abend mit diesem Gedanken schlafen und bitte um diesen Beistand. Das ist etwas, das mich beschäftigt.“ Merz sprach auch davon, dass unter den Abgeordneten in Berlin ein katholischer Gottesdienst angeboten werde – er aber nur selten hingehen könne, weil morgens bereits die ersten Besprechungen im Kanzleramt anstünden.
Politik bietet „vorletzte Antworten“
Zu Beginn der Podiumsdiskussion hatte Hartung den Kanzler an dessen Rede vor zwei Jahren auf dem Katholikentag in Erfurt erinnert. Merz hatte seinerzeit Hebräer 13,14 („Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“) zitiert. Hartung wollte vom Kanzler wissen, was ihn dazu angetrieben habe. Merz: „Ich habe mich damals vor zwei Jahren in Erfurt bei der Vorbereitung der Rede auch von dem Gedanken leiten lassen, dass ich den Zuhörerinnen und Zuhörern einmal sagen muss, dass jedenfalls aus meinem christlichen Verständnis heraus wir auf dieser Welt immer nur vorletzte Antworten geben“.
Merz riet zu Demut und Bescheidenheit vor dem „Bewusstsein, dass wir Fehler machen, dass wir nicht hundertprozentig alles richtig machen können, und dass wir, wie soll ich sagen, diese Welt auch nur geliehen bekommen haben“. Zur Verantwortung gehöre, „diese Welt den Kindern und Enkelkindern, in einem guten Zustand zu übergeben“. Merz sprach von einer „tiefen Zäsur“, die die Gegenwart kennzeichne – und räumt ein, dass wir möglicherweise erst in einigen Jahren verstehen werden, was gerade geschieht.
Merz: „Muss Kommunikation verbessern“
Inhaltlich positionierte sich Merz in dem Podiumsgespräch mit Amy Kirchhoff, der Generalsekretärin der Bundesschülerinnenkonferenz, und Lisa Quarch, der Geistlichen Leitung beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), gegen ein Verbot sozialer Medien. Merz plädiert aber für stärkere Regulierung der Plattformen. Sein Kernargument: Was in der analogen Welt rechtswidrig war, kann in der digitalen Welt nicht automatisch rechtmäßig sein. Altersbeschränkungen hält er für grundsätzlich richtig, auch wenn sie umgehbar sind – denn die Umgehbarkeit dürfe kein Argument gegen Regeln sein.
Zuvor hatte Merz bei der Podiumsdiskussion, bei der es auch zu Störungen durch Zwischenrufer kam, durchaus selbstkritische Töne durchklingen lassen. Im gegenwärtigen Katastrophenmodus – Merz führte unter anderem den Krieg in der Ukraine an – gelinge es ihm offensichtlich nicht, die Menschen im Land gut genug zu erreichen mit der Botschaft, „es hinzubekommen“ und zu überzeugen. „Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss, damit diese Botschaft besser verstanden wird“, sagte er.
Auf die abschließende Frage, was ihm Hoffnung gebe, antwortete Merz mit dem Philosophen Ernst Bloch. Demzufolge könne Hoffnung enttäuscht werden – deshalb bevorzuge er das Wort Zuversicht. „Und wenn Sie die Bibel lesen, diese Bibel ist voller Zuversicht, überall“, sagte Merz.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist römisch-katholisch geprägt. Aufgewachsen im katholischen Sauerland, spricht Merz vergleichsweise selten über seinen persönlichen Glauben. Er betont aber immer wieder die Bedeutung des christlichen Menschenbildes für Politik und Gesellschaft.
Der Deutsche Katholikentag findet vom 13. bis zum 17. Mai in Würzburg statt.