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Evangelische Kirche tickt eher linksliberal

Evangelische Pfarrer, Religionslehrer und Gemeindepädagogen vertreten im Durchschnitt eher linksliberale Positionen. Konservative Themen spielen eine geringere Rolle. Zu diesem Schluss ist eine Studie gekommen.
Von Johannes Schwarz
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Predigtpult
Pfarrer, Religionslehrer und Gemeindepädagogen bemessen konservativer Ethik im Durchschnitt nur einen geringen Stellenwert

Ist die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine „Moralagentur“? Nein, sagt Alexander Dietz, Studiendekan der Abteilung Religionspädagogik und Diakonie der Hochschule Hannover. Allerdings attestiert Dietz der Kirche in seiner Studie „Klimaschutz oder Auferstehung“ eher linksliberale Positionen. Das bekräftigt den bisweilen aufkommenden Vorwurf, dass die evangelische Kirche einer politisch-ethischen Einseitigkeit unterlegen ist. Allerdings stünden die Befragten auch stark für reformatorische Positionen und Inhalte des Glaubensbekenntnisses.

In der im September 2021 durchgeführten Studie befragte Dietz evangelische Pfarrer, Religionslehrer und Gemeindepädagogen. Diese konnten zu verschiedenen Aussagen, beispielsweise „Verpflichtung der Gesellschaft auf eine christliche Leitkultur“, angeben, welchen Stellenwert diese in ihrer kirchlichen Tätigkeit habe.

Klimaschutz und Willkommenskultur

Dietz’ Studie teilt fünf Aussagen der Kategorie „Inhalte Ethik linksliberal“ zu. Die Befragten sollten antworten, welche Aussage für sie einen hohen Stellenwert habe. Der Aussage „Schöpfung bewahren durch Klimaschutz“ stimmten 85 Prozent der Befragten zu, dicht gefolgt von der These „Willkommenkultur gegenüber Migranten“ (83 Prozent). Am geringsten in dieser Kategorie stimmten die Befragten der Position „Sozialleistungen für Benachteiligte erhöhen“ zu – mit 56 Prozent.

Im Themenfeld „Inhalte Glaubensbekenntnis“ hatte die Aussage „Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde“ die höchste Zustimmung (86 Prozent), für 85 Prozent hatte zudem die Aussage „Jesu Auferstehung von den Toten“ einen hohen Stellenwert. Lediglich 12,4 Prozent der Befragten maßen der Aussage „Das Jüngste Gericht“ einen hohen Stellenwert bei.

Mit knapp 50 Prozent Zustimmung wurde die Aussage „Christus als einziger Mittler zwischen Gott und den Menschen“ als besonders wichtig bewertet, die zum Feld „Inhalte reformatorisches Bekenntnis“ zählt. Jedoch maßen 78 Prozent der Aussage „Rechtfertigung nicht durch gute Werke“ einen hohen Stellenwert bei.

Konservative Ethik mit wenig Zustimmung

Deutlich geringere Zustimmungsraten erzielten Positionen, die als konservativ gelten: „Gesetzlichen Schutz des ungeborenen Lebens verbessern“ (27,4 Prozent), „Verpflichtung der Gesellschaft auf eine christliche Leitkultur“ (24,3 Prozent), „Leitbild der traditionellen Familie“ (11,6 Prozent). Die Frage zum familiären Leitbild habe sich als besonders kontrovers herausgestellt, so Dietz in den Studienergebnissen.

Werden die Ergebnisse der einzelnen Themenfelder betrachtetet, werde deutlich, dass die evangelischen Befragten mit 72,1 Prozent am stärksten den linksliberalen Aussagen zustimmten, gefolgt von den Aussagen zum Glaubensbekenntnis mit 68,1 Prozent. Die reformatorischen Thesen erhalten insgesamt 60,3 Prozent Zustimmung. Abgeschlagen mit 16,4 Prozent werde den konservativen Aussagen zugestimmt.

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen sei vergleichsweise gering, am größte sei er bei den linksliberalen Positionen, dort stimmten Frauen knapp 9 Prozentpunkte mehr als die Männer zu. Pfarrer stimmten zudem speziell beim reformatorischen Bekenntnis verstärkt zu, im Vergleich zu den anderen Berufsgruppen.

Neuer Blick auf individualisierte Religiosität

Dietz fasst in seinen Studienergebnissen zusammen, dass in der Tendenz zu linksliberalen Positionen die Gefahr liege, eine weitere „Milieuverengung im Blick auf kirchliche Zielgruppen“ zu erleben. Dietz deutet aus dem heterogenen Antwortverhalten der Befragten einen Trend der „religiösen Individualisierung“. Diese stelle eine große Herausforderung dar, denn die kirchlichen Berufe seien dazu bestimmt „Gewissenstrost“ zu spenden und „gesamtgesellschaftlich versöhnend“ zu wirken.

Die Studie befragte im Zeitraum von 9. bis 30. September 2021 über eine Zufallsauswahl 407 Pfarrer, Religionslehrer und Gemeindepädagogen. Die 24 zu beantwortende Fragen wurden per Mail an die Befragten geschickt. Durch die Verteilung von Alter, Geschlecht und Ort kann die Befragung laut Verfasser als repräsentativ gelten.

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2 Antworten

  1. Ich sehe einen kausalen Zusammenhang zwischen dem linksliberalen Trend und den 12 Prozent beim jüngsten Gericht. Wenn man in der Illusion lebt, dass man sich für sein Leben nicht verantworten muss, lebt sich`s links und unbeschwert !

    1. Wer braucht schon Theologen die ihrer Bestimmung nicht nach kommen. Ich gehe ja auch nicht zu einer Wahlkampfveranstaltung “Bündnis 90/die Grünen um das Evangelium zu hören.
      Ich kenne keine andere Institution, mit einer derartigen Verfehlung ihres eigentlichen Auftrages als die EKD. Dabei hätte sie eine einzigartige Botschaft zu verkündigen.

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