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Ein Angriff auf Juden, ein Angriff auf das Miteinander

Ausgerechnet am Großen Versöhnungstag, dem höchsten jüdischen Feiertag, wird die Synagoge in Halle an der Saale angegriffen. Der Anschlag galt in erster Linie den Juden, aber auch der Botschaft von Frieden und Versöhnung. Ein Kommentar von Jonathan Steinert
Von PRO
„Schalom“ steht mit Steinen geschrieben im Garten des Klosters Pupping in Österreich
„Schalom“ steht mit Steinen geschrieben im Garten des Klosters Pupping in Österreich

Am Abend nach Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, besuchte am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Neue Synagoge in Berlin. Sie bekundete der jüdischen Gemeinde ihre Anteilnahme daran, dass die Synagoge in Halle (Saale) Ziel eines Angriffs geworden war. Die stabile Tür hatte, Gott sei Dank, ein Blutbad verhindert, draußen sowie in einem Döner-Imbiss starben insgesamt zwei Menschen. „Osse schalom bimromaw“, sang die Kanzlerin mit den Juden in Berlin. „Der Frieden schafft in seinen Höhen, er schaffe Frieden über uns und über ganz Israel. Darauf sprecht: Amen.“ Mit diesen Worten endet das Kaddisch-Gebet, das Juden im Gedenken an Verstorbene sprechen.

Darin möchte ich einstimmen. Ich finde es unfasslich und bedrückend, dass Juden in Deutschland 70 Jahre nach dem Holocaust so konkret in Gefahr sind. Dass der Anschlag ausgerechnet an Jom Kippur, dem Großen Versöhnungstag, geschah, macht ihn in doppelter Weise erschreckend perfide: Zum einen, weil die jüdische Gemeinde an diesem Tag des Fastens besonders verletzlich ist; zum anderen, weil der Angriff somit auch die Botschaft torpediert, die von diesem Tag ausgeht und nicht nur für Juden bedeutsam ist – Versöhnung miteinander und mit Gott.

Es ist ein Angriff, der sich gezielt gegen Juden in unserem Land und damit auch gegen den Frieden des gesellschaftlichen Zusammenlebens, gegen Versöhnung, gegen Achtung des Anderen richtet.

Antisemitismus gibt es nicht nur bei Extremisten

Der Täter hat den Anschlag live ins Internet übertragen, auch ein Bekennervideo und ein Manifest wurden im Netz gefunden. Aus den vorhanden Informationen schließt die Bundesanwaltschaft auf ein rechtsextremistisches und antisemitisches Motiv. Er habe „so viele Anti-Weiße“ töten wollen wie möglich, „vorzugsweise Juden“, heißt es im Bekennerschreiben. Auch greift er darin Verschwörungstheorien von der „zerstörerischen Macht des Judentums“ auf, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Er leugnet in einem Video den Holocaust, beklagt den Feminismus und die niedrige Geburtenrate im Westen und macht „den Juden“ für die daraus folgende Massenmigration verantwortlich, schreiben Journalisten, die das Video gesehen haben.

Ein kruder Mix aus inhaltlichen Motiven, die jedoch so unbekannt nicht sind und immer öfter auch öffentlich zu hören und zu lesen sind, nicht nur in Sozialen Medien. Und das ist das Problem. Antisemitische und rassistische Ideen finden sich auch in der Mitte der Gesellschaft. Ob und wie sie geäußert werden, hängt auch damit zusammen, wie wir generell miteinander und übereinander, über Probleme, über Verantwortungsträger sprechen, in welchem Klima unsere Diskurse stattfinden. Dass dies seit einigen Jahren in einem spürbar weniger versöhnlichen, sich vielmehr verschärfenden Ton geschieht, ist leider keine neue Beobachtung. Umso stärker sollten wir als Christen mit Wort und Tat einstimmen in das „Osse schalom“, in das Gebet für Frieden – für Juden, das „Haus Israel“ im Besonderen genauso wie für den Frieden in den Herzen aller Menschen in unserem Land.

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