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Die Krypto-Welt für die Kirche aufschließen

Sie wissen nicht, was ein NFT ist? Dann haben Sie entweder keine Ader für risikoreiche Geldanlagen oder Sie haben nichts mit dem Kunstmarkt zu tun. Fest steht: Die Digital-Technologie ist nun offiziell in der Kirche angekommen.
Von Jörn Schumacher
Kirchenfenster Immanuelkirche Königstein

Foto: PRO/Jonathan Steinert

Das Kirchenfenster der Immanuelkirche Königstein

NFT – um diese Abkürzung wird seit einigen Jahren heftig gestritten, sie ist aber auch Gegenstand vieler  bunter Träume mancher Investoren. Die drei Buchstaben stehen für „Non-Fungible Token“. Dahinter verbirgt sich ein digitaler Nachweis über das Eigentum irgendeiner Sache. Wie bei den Krypto-Währungen wie Bitcoin fußt das Ganze auf der „Blockchain“-Technologie. Die ermöglicht es, Gegenständen eindeutig einen Besitzer zuzuweisen. Dabei ist es völlig egal, worum es sich handelt – ein digitales Bild, einen Text, ein Haus und so weiter. Das ist neu, und das ist spannend für so manches Geschäftsverhältnis. Der Besitz ist dank NFT nicht nur fälschungssicher, sondern auch in Sekundenschnelle mit einem Klick weiter an andere übertragbar.

Eigentlich war es nur ein digitales Experiment: Im Jahr 2017 stellten zwei kanadische Programmierer digitale Bildchen von der winzigen Größe von 24×24 Pixeln ins Netz. Jedes Bild zeigte den Kopf eines Punks und jeder war individuell gefertigt. Kaufen konnte man die Bilder mit der Kryptowährung „Ethereum“. Diese „Cryptopunks“ genannten Grafiken wurden inzwischen als NFTs mit Beträgen zwischen einigen Zehntausend bis zu mehreren Millionen US-Dollar gehandelt. Das anfängliche Spaß-Projekt hat rund 500 Millionen US-Dollar umgesetzt. Und natürlich Investoren auf den Plan gerufen, die eine neue Möglichkeit sahen, aus (fast) nichts Geld zu machen.

Was ist eigentlich ein Wert?

Glaube und Geldwirtschaft stehen gar nicht so weit auseinander, wie viele meinen. Etwas hat dann Wert, wenn jemand ihm einen Wert zuschreibt. Wenn jemand anderes ebenfalls in einer Sache einen Wert sieht, gilt es, den Besitz (vielleicht neu) zu verhandeln. Was genau dieses Etwas ist, dem Menschen einen Wert zusprechen, ist am Ende egal. Allein der Glaube zählt.

NFTs stellen einen völlig neuen und einfachen Weg dar, Kunst zu kaufen. Wieso eigentlich nicht auch ein neues Kirchenfenster als NFT Menschen zugänglich machen? Die evangelische Immanuelkirche in Königstein im Taunus sollte ein neues Fenster erhalten, knapp drei Meter Durchmesser, aus über 300 Einzelstücken bestehend. Der Künstler Bernhard Adams, Absolvent der Kunstakademie Düsseldorf und Meisterschüler von Katharina Grosse, einer der bekanntesten deutschen Gegenwartskünstlerinnen, konzipierte die Neugestaltung des Rosettenfensters der Kirche aus dem Jahr 1888.

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Als die Anfrage, ein Kirchenfenster zu gestalten, an mich herangetragen wurde, hat mich sofort die spirituelle Komponente daran sehr interessiert“, sagt Adams gegenüber PRO. In Köln aufgewachsen und katholisch erzogen, würde er sich dennoch heute nicht als regelmäßigen Kirchgänger bezeichnen. Der 31-Jährige fügt aber hinzu: „Der Glaube ist sehr nah am Herzen, daher ist es keine Kleinigkeit, ein Kirchenfenster zu gestalten.“ Sein Motiv baut auf dem Sternenhimmel auf, mit dem er sich schon seit längerem beschäftigt. „Der Stern kommt als Symbol in der Bibel ja sehr häufig vor.“ Entwürfe des Kirchenfensters sind nun erstmals als NFT erhältlich. Bei einer Auktion, die bis zum 8. Juli auf dem Krypto-Webportal „OpenSea“ lief, konnten drei digitale Werke er-steigert werden: zwei Bilder (JPEGs) und eine Animation. Für den Kölner ist der neue Vertriebsweg eindeutig ein Zugewinn für die Kunst.

„Mit dem Kauf eines NFTs erhält man das Besitzrecht an dem Werk“, erklärt die Kunstvermittlerin Ruth Polleit Riechert, die selbst in die Immanuelgemeinde geht. „Das Urheberrecht am Bild liegt aber weiter beim Künstler.“ Gegenüber PRO sagt die promovierte Kunsthistorikerin, NFTs seien in ihren Augen ein „kunsthistorischer Meilenstein“. „Bisher waren digitale Werke nicht fälschungssicher und nicht handelbar. Das ändert sich nun dank NFT.“ Als in ihrer Gemeinde vor zwei Jahren der Plan zustande kam, eines der großen Kirchenfenster neu gestalten zu lassen, konnte sie mit Adams einen passenden Künstler vorschlagen. Und schon früh schlug sie vor, das neue Kirchenfenster mit der Vermarktungsmethode der NFT zu kombinieren.

Die NFTs und das Kirchenfenster stellen eine Verbindung her zwischen dem ganz Alten und dem ganz Neuen“, ist die Expertin fasziniert. Sie vergleicht die neue Technik mit der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg: „Vorher haben Künstler meist nur Unikate als Auftragsarbeiten angefertigt. Dank der Druckpresse konnten sie Kunstwerke mehrfach verkaufen.“ Sie ist überzeugt: Die Technik wird bleiben, die hohen Preise für viele Werke vermutlich nicht.

Digitale Punk-Priester

Ein eigenes NFT-Projekt ins Leben gerufen haben die beiden Pastoren Martin Körber und Samuel Diekmann: Die „PriestPunks“ sind kleine Bilder von Priestern in Punkeroptik. In unregelmäßigen Abständen lassen die digitalen Priester ihren Besitzern ein Gebet oder einen Segen zukommen. „Ein wenig erinnern die Kunstwerke an die Figuren aus der Fernsehserie Southpark“, sagen die Macher selbst. Es gibt auf der Website priestpunks.com „Monsignores“, „Bischöfe“ und normale „Priester“, sie sind ab 10 Matic (= nach derzeitigem Stand rund 6 Euro) zu haben. Es sei als „Freundschaftsprojekt“ entstanden, aber natürlich schwingt bei den beiden auch die Hoffnung mit, dass die individuell gefertigten digitalen Kunstwerke zu begehrten Sammlerstücken werden. Ein Teil der Einnahmen soll an soziale Projekte gehen.

Vorbild waren die erfolgreichen Kryptopunk-NFTs. „Warum so etwas nicht auch einmal im christlichen Bereich probieren, war die Frage“, sagt Körber gegenüber PRO. Körber und Diekmann kennen sich aus ihrem Studium am Theologischen Seminar des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Diekmann gründete
2013 die Onlineplattform rent-a-pastor.com, auf der Hochzeitspaare einen Pastor finden können. Körber lebt mit seiner Familie auf den Philippinen, wo er Gemeinden in Sachen digitale Medien schult. Das „Metaverse“ und NFT gehören dabei wie selbstverständlich zur Planung dazu, Körber lotet gerade die Möglichkeiten für NFTs im kirchlichen Bereich aus. „In Asien sind die Christen offener für digitale Neuheiten wie NFTs“, sagt der Missionar. „Bei einer Gemeinde hier kann man zum Beispiel über NFT für den Bau eines neuen Gebäudes spenden.“ Der Käufer des NFT erhält ein Foto oder ein kurzes Video des Gebäudes als Gegenwert.

Die „PriestPunks“ seien aber vor allem ein Kunstprojekt, betonen die Pastoren. Ein Testballon, der auskundschaftet, wie NFTs im kirchlichen Bereich eingesetzt werden können. „Die Krypto-Welt ist eine eigene Welt“, fügt Diekmann hinzu. „Und mit solchen Aktionen erreichen wir auch dort Menschen, die sonst nichts mit Kirche am Hut haben. Wir hoffen, dass Gott das nötige Momentum dazu schenkt.“

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2 Antworten

  1. ????
    Wieso “aufschließen”?
    Kann das mal ein “Eingeweihter” einem alten Mann erklären?

    Eine Kirche hat eigentlich immer (zumindest tagsüber) offen zu sein.
    Oder gibt es Kirchentüren, die ausschließlich mittels Smartphone-NFC-Technologie aufgeschlossen werden können?: Wer kein Smartphone/ die “richtige” App besitzt, darf nicht in Gottes Haus (=”Gottes Reich”) hinein?

    (Ironie dem, der diese findet…)

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  2. Ist vielleicht etwas zu viel (Fachwort-) Wissen vorausgesetzt… Griechisch “krypto” bedeutet “verborgen”, “versteckt” oder modern auch “verschlüsselt” oder abgeschlossen. Kryptowährung heißt ja so, weil man sie nicht so leicht knacken kann.

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