Meinung

Die Hoffnung der Bibel ist alternativlos

Rainer Maria Schießler ist ein Pfarrer, der gerne polarisiert. Jetzt hat er ein Buch über seine theologischen Ansichten geschrieben. Der Pfarrer ist davon überzeugt, dass die biblischen Geschichten gerade in Krisenzeiten tragen.
Von Johannes Blöcher-Weil
Das Cover des neuen Buches von Rainer M. Schießler

Foto: Kösel-Verlag

Der Pfarrer Rainer M. Schießler möchte in seinem neuen Buch Mut machen für ein Leben auf biblischer Grundlage

Die Bibel kann während Krieg und Krankheit eine Quelle der Hoffnung sein. Das ist das Credo des katholischen Pfarrers Reiner Maria Schießler in seinem neuen Buch „Hoffnung – gerade jetzt“. Der Theologe hat bei einem schweren Unfall kürzlich gerade am eigenen Leib erlebt, dass Jesus und die biblische Hoffnung alternativlos sind.

Als Pfarrer arbeitet Schießler seit bald 30 Jahren im Münchener Szene-Viertel und so mitten im Leben. Das merkt man ihm und den Themen an, die der Theologe für das Buch ausgesucht hat. Es geht um Beziehungen, Leid, den menschlichen Alltag und Vertrauen, aber auch um sein Kerngeschäft – das Wirken der Kirche.

Zu Beginn jedes Kapitels steht ein Bibeltext, den der Pfarrer dann inspirierend und lebensnah auslegt. Der Leser merkt, dass der Geistliche auf den hohen Wert des christlichen Glaubens aufmerksam machen will. Dabei kommt dem Buch zugute, dass der Autor auf sämtliche Querverweise zu anderen Bibeltexten verzichtet – und seine Auslegungen für sich sprechen lässt.

„Gott nicht als flotten Tröster sehen“

Das Buch ist gespickt mit Wünschen für seine Kirche. Sie soll mit dem Alltag der Menschen zu tun haben und auf Pomp und Protz verzichten. Ihre Mitglieder sollten die Ränder der Gesellschaft im Blick haben und als Gemeinschaft offen für alle bleiben. Inhaltlich sei es wichtig, dass sie sich der Angst der Welt entgegenstelle, denn „die Angst ist erlöst und gelöst“.

Der Pfarrer ist aber nicht naiv und weiß um die Sorgen und Brüche in den Biografien von Menschen, wie etwa Todesfälle, Jobverlust oder das Ende einer Beziehung. Er betont trotzdem, dass Menschen nie tiefer als in Gottes Hand fallen können. Aber er warnt auch davor, Gott im Leid lediglich als „flotten Tröster“ zu sehen.

Wer die Botschaft des Evangeliums verstanden habe, sei eingeladen, dieses Wissen in einer größeren Einheit zu leben, dort Beziehungen knüpfen und Erfahrungen zu sammeln. Wer die Osterbotschaft durchdrungen habe, für den sei der Tod nicht endgültig und der müsse nicht alles für dieses Leben einsetzen. Hier streift der Münchener Theologe auch das ethische Thema der aktiven Sterbehilfe. Er selbst setze sich als Christ kompromisslos für das Leben ein, weil der Tod eben nicht das letzte Wort habe.

Ende der Volkskirche bedeutet nicht Ende der Kirche

Schießler wünscht sich Gemeinden, in denen weder für den Pfarrer noch die Gemeindemitglieder der Gottesdienst eine Pflichtübung ist. Weil die Botschaft des Reiches Gottes ausnahmslos allen Menschen gelte, brauche es offene Augen und helfende Hände für die Bedrängten, Leidenden und Außenseiter.

Die Kirche gehöre zwar wesentlich zum Glauben, die Zielrichtung bleibe aber immer Gott. Deswegen hält er auch eine flache Hierarchie der Kirche für sinnvoll. In der Vergangenheit hätten viele resigniert, auch weil im Blick auf die Missbrauchsfälle viel vertuscht wurde. Eine solche Kirche verrate das Evangelium.

Es brauche eine Kirche draußen bei den Menschen, die eine Botschaft ohne Angst verkündet. Trotz schrumpfender Mitgliederzahlen und Finanzen müsse Kirche glaubwürdig sein und innovativ die frohe Botschaft der Bibel weitererzählen. Die schlichten Bilder Jesu vom Reich Gottes sind aus seiner Sicht weit von der aktuellen Kirche der Moderne entfernt. Kennzeichen einer wertvollen Kirche bleibe eine offene und unerschrockene Sprache des Evangeliums: „Das Evangelium will tiefer berühren und nicht die Erfolgreichen noch erfolgreicher machen.“

Christen sollen den Unterschied machen

Christen sollen diejenigen in der Gesellschaft sein, die mit „guten Worten und überraschenden Zeichen“ einen Unterschied machen, wünscht sich der Pfarrer. Dieses Verhalten soll im Evangelium wurzeln. Er persönlich habe noch nie jemandem den Segen verweigert, der darum gebeten habe, betont er im Hinblick auf den Umgang mit Homosexualität. Er hoffe, dass er dies auch bald offiziell im Namen der Kirche machen darf.

Der Theologe zeichnet das Bild von Jesus, der sich einmischt und provoziert. Mit seinen Worten habe er viele Menschen dazu gebracht, sich mit ihm auf den Weg zu machen. Für ihn ist es unumgänglich, dass Kirche sich auf das Evangelium zurückbesinnt. Gläubige sehnten sich nach einer Kirche, die diene und nicht herrsche.

Und noch eines wird bei der Lektüre deutlich. Fast jeder Text hat etwas mit Hoffnung zu tun. Schießler wünscht sich Menschen, die aufgrund dieser Hoffnung aufstehen, ihre Ärmel hochkrempeln und die Welt verändern. Seine Hoffnung dafür speist er aus Jesus Christus, der „sich quergelegt und eine verbindliche Brücke gebaut“ hat. Dieses Wissen könne dazu beitragen, dass Kirche gelassen in die Zukunft gehe und der letzte Weg von Christen in den Himmel führe.

Rainer M. Schießler, „Hoffnung – gerade jetzt! Von Mut getragen durch alle Lebenslagen“, Kösel-Verlag, 288 Seiten, 24 Euro, ISBN 9783466372997

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen