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Das Christentum verschwindet im Mittleren Osten

Die israelische Zeitung Ha‘aretz hat sich mit dem Thema beschäftigt, warum das Christentum aus der Region verschwindet. Diese Entwicklung tue den Gesellschaften dort nicht gut, erklärt die Buchautorin Janine di Giovanni dabei in einem Podcast.
Von PRO
Kirche St. Joseph Bagdad
Die Kirche St. Joseph in Bagdad ist eines der Gotteshäuser der immer kleiner werdenden christlichen Minderheit im Irak

„Warum Christen und das Christentum im Mittleren Osten verschwinden“. So titelt eine Folge des Podcasts der israelischen Zeitung Ha‘aretz. In dem englischsprachigen Beitrag wird die Autorin Janine di Giovanni zu ihrem neuen Buch „The Vanishing: Faith, Loss, and the Twilight of Christianity in the Land of the Prophets“ (zu Deutsch: Das Verschwinden: Glaube, Verlust und die Dämmerung der Christenheit im Land der Propheten) interviewt. Sie selbst hat über 30 Jahre Erfahrung als Kriegsreporterin gearbeitet und unter anderem in Gaza gelebt.

In ihrem Buch geht es um Christen in Gaza, Irak, Syrien und Ägypten. Alle vier Länder haben eines gemeinsam: Die Zahl ihrer christlichen Population sinkt stetig. So schätzt di Giovanni die Zahl der irakischen Christen auf weniger als 150.000. In Gaza sollen nur 800 Christen leben. In dem Podcast warnt sie davor, dass diese Christen irgendwann ganz verschwunden sein könnten.

Durch den Glauben mit dem Land verbunden

„Wir müssen dafür sorgen, dass sie bleiben“, sagt sie. „Sie sind Teil der Gesellschaft und das Land ist das Land ihrer Vorväter. Wenn sie gehen, dann hinterlassen sie ein Loch, das nicht so schnell gefüllt werden kann.“ Ihr Glaube sei Teil der Identität dieser Menschen, wie die Giovanni ausführt. Sie seien arabische Christen: „Durch ihren Glauben sind sie verbunden mit ihrem Umfeld und ihrem Land. Sie haben tiefe Wurzeln dort. Sie wollen auch bleiben.“

Weiter zieht sie Vergleiche mit der Vertreibung der Juden aus dem Irak in den 1950er und 1970er Jahren: „Die Juden waren ein wichtiger Teil der irakischen Gesellschaft. Sie sorgten unter anderem für kulturellen Reichtum dort. Und doch verschwanden sie. Wir können nicht zulassen, dass das den Christen oder anderen Minderheiten passiert.“

Auswanderung hinterlässt Vakuum

Die Gründe für das Verschwinden der Christen sind laut ihren Erfahrungen unterschiedlich: zum Beispiel weil Extremisten sie töten oder weil sie aufgrund Krieg, Klimaveränderungen oder fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten ihre Heimat. „In Gaza ist das größte Problem die hohe Arbeitslosigkeit. Über 80 Prozent der jungen Leute sind arbeitslos. Das sind alles sehr gebildete Menschen, mitunter die am besten gebildeten Menschen im Mittleren Osten“, erklärt sie.

Auch mit staatlichen Maßnahmen hätten Christen zu kämpfen. Während es den Kopten in Ägypten per Verfassung untersagt sei, hohe Ämter zu bekleiden, litten die Christen in Gaza unter dem Konflikt zwischen Israel und der Hamas: „Sie leiden unter dem Krieg, den Bombardierungen, der fehlenden Elektrizität – unter allem, was mit der Bestrafung des Gaza-Streifens zu tun hat. Das teilen sie mit den zwei Millionen anderen Einwohnern.“

Ein weiteres Problem, das sie mit Sorge betrachte, sei, dass durch Krieg Christen vertrieben würden. Ein Beispiel seien die armenischen Christen in Aleppo in Syrien: „Viele von ihnen flohen aus der Stadt, als Assad sie eingenommen hat. Sie stiegen in ihr Auto und fuhren nach Armenien. Viele von ihnen waren noch nie in Armenien. Sie sehen sich selber als Syrer mit armenischen Vorfahren.“

Sie sieht es nicht als Lösung an, diese Menschen in anderen Ländern zu integrieren: „Wenn wir sie aus ihrem Land fortlocken, dann hinterlassen sie ein Vakuum. Das ist das, was extremistische Gruppen, wie der IS, wollen. Die vertriebenen Christen kehren gerade zurück, reparieren ihre Häuser und bauen ihre Kirchen wieder auf. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange sie bleiben können.“

Mehr Aufmerksamkeit für die Situation der arabischen Christen

Aus ihrer Sicht ist es wichtig, dass die Weltgemeinschaft den Christen in der Region zu verstehen gibt, dass sie gesehen und geschützt werden. „Da müssen politische Schritte unternommen werden, abseits von Berichten und Resolutionen. Wenn wir in den Irak schauen, sind das, was die Menschen fürchten, die iranischen Milizen“, erklärt di Giovanni. Zwar sei der IS besiegt, nicht aber „die extreme Ideologie, die die Christen aus der Region vertreiben will“. Sie lobt Papst Franziskus, der im Frühjahr in die Region gereist ist, um mit den Menschen zu sprechen: „Damit hat er ihnen gezeigt, dass sie nicht alleine sind, dass jemand sie im Blick hat und ihnen nicht ungesehen Leid widerfährt.“

Sie appelliert an die Kirchen auf der Welt, dass sie die Situation der arabischen Christen mehr im Blick haben sollten. „Gerade während der Weihnachtszeit sollte das Thema in allen Kirchen angesprochen werden. Wir sollten für unsere Brüder und Schwestern beten“, sagte sie abschließend in dem Podcast.

Von: Marc-Lukas Seidlitz

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Eine Antwort

  1. Es ist ja bewundernswert Papst Franziskus für seine Reise in die Krisenregion zu loben , aber es wäre auch angebracht sehr kritisch zu hinterfragen warum er nicht auch seinen russisch orthodoxer Amtsbruder, den Papst und Patriarch aus Moskau bittet , seinen Einfluß auf die russ. Militärs und Herrn Präsident Putin auszuüben und für diese und mit diesen zu beten, damit die Gewalt in Syrien , den Nachbarländern und in der Ukraine aufhören. und die Menschen nicht länger als ” Druckmittel” zur Flucht gezwungen werden.

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