Sie gab einst Elvis Presley einen Korb. Der „King“ wollte 1974 den Song „I Will Always Love You“ aufnehmen, den Dolly Parton geschrieben hatte. Doch Elvis‘ Manager beanspruchte die Hälfte der Verlagsrechte. „Ich sagte, ich kann das nicht tun“, erinnert sich die US-amerikanische Country-Ikone in einem Interview. Die Entscheidung, ihre Songs selbst zu vermarkten, machte sie letztlich zu einer der reichsten Frauen im Showbusiness. Dolly Parton wird am 19. Januar 80 Jahre alt.
Die Frau, die in ärmlichen Verhältnissen als eines von zwölf Kindern einer Bauernfamilie im US-Staat Tennessee geboren wurde, hat viele Facetten. Sie habe mit blonder Perücke, viel Make-up, rotlackierten Fingernägeln und Stöckelschuhen zwar den Look einer „Hinterwald-Barbie“, sagt die glamouröse Sängerin. Doch Dolly Parton ist kein „dummes Blondchen“, wie sie ihre erste Single „Dumb Blonde“ (1966) selbstironisch betitelte. Vielmehr ist sie eine harte Geschäftsfrau, die zielstrebig ihre mehr als 60-jährige Karriere als Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin vorangetrieben hat.
Gläubige Christin
Ihre Fans schätzen die positive Ausstrahlung der Sängerin, die trotz ihres Erfolgs als bodenständig gilt. Fast 60 Jahre lang war sie mit ihrem Ehemann Carl Dean verheiratet, der im Frühjahr 2025 starb. Mit einer eigenen Stiftung unterstützt sie unter anderem ein Leseförderprogramm für Kinder. „Träume, nicht Wünsche werden wahr – mit einer Menge harter Arbeit“, sagt die gläubige Christin. „Ich habe viel Selbstbewusstsein durch meinen Glauben, dass Gott mich liebt, egal, was ist.“ 2020 sprach sie in einem Interview über ihren Glauben. Zu Beginn des Tages frage sie Gott: „Wie willst du mich gebrauchen? Was kann ich heute tun?“ Ihre tägliche Zeit mit Gott sei für sie die einfachste Art, mit ihm in Verbindung zu kommen, „bevor die Telefone anfangen zu klingen und E-Mails eingehen“. „Ich bin alleine mit Gott und bitte um seine Führung“, sagt Parton. Über die Jahre habe sie gelernt, ihre Träume und Ziele Gott anzuvertrauen. Sie vertraue darauf, dass die Dinge so geschehen würden, wie Gott es für richtig halte.
Mit politischen Äußerungen hält sich Parton zurück, doch macht sie sich für die Gleichstellung von Frauen stark. In dem Film „Nine to Five“ (deutsch: „Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?“) spielte sie 1980 an der Seite von Jane Fonda eine Frau, die mit ihren Kolleginnen gegen ihren despotischen Chef ankämpft.
Queere Community zollt Respekt
Für die queere Community ist Parton, die zu ihren Schönheitsoperationen steht, nicht nur eine Stilikone. Respekt wird ihr dafür gezollt, dass sie sich für geschlechtliche Vielfalt ausspricht – und dafür sogar Morddrohungen bekam. Für den Film „Transamerica“ (2005) über eine Transgender-Person schrieb sie einen Song. „Ich denke, alle sollten sein dürfen, wer sie sein wollen und lieben, wen sie wollen“, kritisierte sie konservative Christen, die gegen die LGTBQ-Bewegung wettern.
„Ich bin ein Arbeitspferd, das wie ein Showpferd aussieht“, sagt Dolly Parton, die offenbar noch lange nicht ans Aufhören denkt. Dieses Jahr soll am New Yorker Broadway ihr Musical „Dolly: A True Original Musical“ über ihre Lebensgeschichte starten. Konzertshows in Las Vegas verschob sie aus gesundheitlichen Gründen auf den kommenden Herbst. „Ich glaube nicht, dass Gott mit mir fertig ist“, sagte sie kürzlich. „Und ich bin noch nicht fertig mit mir – und ihr hoffentlich auch nicht.“
Eigener Vergnügungspark „Dollywood“
„Ich wollte immer ein Star werden“, betont die Frau mit dem breiten Südstaaten-Akzent, die sich ein rund 650 Millionen US-Dollar schweres Geschäftsimperium aufgebaut hat: Sie besitzt mit „Dollywood“ in ihrer Heimatregion in den Great Smoky Mountains einen Vergnügungspark mit eigenem Museum. Auch hat sie eine eigene Kosmetik-Marke herausgebracht. Vor allem aber ist Parton als genreüberschreitende Musikerin erfolgreich: Sie hat mehr als 100 Millionen Alben verkauft – mehr als jede andere Frau. Junge Stars wie Taylor Swift oder ihr Patenkind Miley Cyrus führen sie als Vorbild an.
Schon als kleines Mädchen schrieb Dolly Parton eigene Songs zur Gitarre. Ihr Ziel war es, als Country-Sängerin reich und berühmt zu werden. Mit 16 Jahren zog sie in die Country-Hauptstadt Nashville, arbeitete dort zunächst als Songschreiberin für andere Künstler. Der Sänger Johnny Cash riet ihr, in der männerdominierten Welt der Countrymusik ihren eigenen Weg zu gehen. 1967 brachte Parton ihr Debütalbum „Hello, I’m Dolly“ heraus.
Der Country-Star Porter Wagoner wurde auf sie aufmerksam und ebnete ihr den Weg zum Ruhm: Er verpflichtete die Sängerin für seine populäre Fernseh-Show, die Song-Duette waren beim Publikum beliebt. Parton schrieb weiter eigene Songs, mit Texten, die oft aus ihrem eigenen Leben stammten. „Coat Of Many Colors“ (1971) etwa beschreibt die Liebe zu einem Mantel, den ihr die Mutter als Kind aus Lumpen zusammennähte. In der Ballade „Jolene“ (1973) fleht die Protagonistin eine Frau an: „Bitte nimm mir nicht meinen Mann.“ Der Song wurde Partons erster Nummer-eins-Hit in den USA.
Gläubige Christin
Sieben Jahre blieb sie bei ihrem musikalischen Partner Wagoner – und schwamm sich 1974 als eigenständige Künstlerin mit der Ballade „I Will Always Love You“ frei: Fast 20 Jahre später nahm die Popsängerin Whitney Houston den Song für den Film „Bodyguard“ mit Kevin Costner erneut auf. Er wurde zu einem Welthit, an den Tantiemen verdiente Parton bestens.