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Bischof Stäblein: Margot Käßmann hatte Recht

„Nichts ist gut in Afghanistan“ – für diesen Satz musste Margot Käßmann 2010 viel Kritik einstecken. Der Berliner Bischof Christian Stäblein gibt ihr heute Recht. Auch sie selbst hat sich dazu geäußert.
Von PRO
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Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann ist überzeugt: „Gott schickt keine Krankheiten und keine Unfälle“

Foto: Uwe Birnstein

Margot Käßmann erregte 2010 mit ihrer Aussage zum Afghanistan-Einsatz Aufmerksamkeit

In ihrer Neujahrspredigt 2010 in der Dresdener Frauenkirche hatte Margot Käßmann, damals Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit Blick auf den NATO-Einsatz in Zentralasien gesagt: „Nichts ist gut in Afghanistan.“ Für diese Aussage musste sie viel Kritik einstecken. Im Rückblick müsse ihr Recht gegeben werden, sagte der Berliner evangelische Bischof Christian Stäblein nun. Damit habe Käßmann gemeint, dass dieser Einsatz offenkundig nicht den gewünschten Frieden schaffe, sagte Stäblein.

Die Zeit-Beilage Christ&Welt hat von Käßmann selbst wissen wollen, wie sie heute zu ihrer Aussage steht. Wie es in einem Artikel heißt, habe sie auf eine entsprechende Interviewanfrage per SMS folgendermaßen geantwortet: Die Fragen kämen „so rüber wie: Ich hatte damals vor 11,5 Jahren recht. Und das wäre unangemessen angesichts des Elends.“

Stäblein erklärte am Samstag im Hörfunk des RBB: „In Afghanistan spielt sich eine Tragödie ab. Mit Schrecken und mehr und mehr sichtbarem Verbrechen.“ Er rief zur Hilfe für die Menschen in Afghanistan auf. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln müsse nach der Machtübernahmen der Taliban als erstes jenen Menschen geholfen werden, „die sich auf uns verlassen haben, die Ortskräfte, die mit uns zusammen gearbeitet haben und die jetzt um ihr Leben fürchten“.

Darüber hinaus gebe es viele Fragen, sagte Stäblein mit Blick etwa auf „Fehleinschätzungen der Lage“, überhörte Warnungen oder Mängel beim Abzug der ausländischen Truppen. „Hinter und über dem allem schwebt dazu die ständige Frage: Welchen Sinn hatte das Engagement in Afghanistan überhaupt.“

Die Not im Gebet vor Gott bringen

Weiter sagte er: „Wir Kirchen wissen gerade aus der eigenen Missions- und Kolonialgeschichte, wie problematisch das Aufzwingen von Werten und Überzeugungen sein kann, wenn sie doch fremd sind, fremd bleiben.“ Erzwingen gehe eben nicht, nur überzeugen ohne jede Form von Gewalt.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat sich ebenfalls erschüttert über die Verzweiflung vieler Menschen in Afghanistan geäußert. Die Bilder von Menschen, die sich an ein Flugzeug klammerten sowie die anderen Bilder aus Afghanistan seien „einfach nur schrecklich“, sagte Woelki am Sonntag in seinem wöchentlichen „Wort des Bischofs“ im Kölner Bistumssender domradio.de. Angesichts von so viel Leid dränge es, helfen zu wollen. „Weggucken und wegducken – das weiß ich als Christ – das ist falsch!“, sagte der Kölner Erzbischof.

Woelki äußerte zugleich Verständnis, dass sich viele Menschen angesichts der vielen Katastrophen ohnmächtig fühlten und nicht wüssten, wie sie helfen sollten. Es seien viele grauenvolle Bilder und Ereignisse in der letzten Zeit, die er im Gebet vor Gott gebracht habe, sagte Woelki. Er verwies auf die großen Brände in vielen Ländern, auf Starkregen und Überschwemmungen sowie auf das Erdbeben in Haiti. Wenn konkrete Hilfe nicht möglich sei, gehe er ins Gebet und klage vor Gott. Manchmal passiere hier etwas Überraschendes: „Da, wo ich glaubte, ich kann nicht mehr helfen, da öffnet Gott mir im Gebet dann doch noch den Blick dafür.“

Von: epd/Jonathan Steinert

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2 Antworten

  1. Alles umsonst in Afghanistan: So kommt es jetzt rüber. Doch im Schutz der Militärs ist viele humanitäre wertvolle Hilfe geleistet worden. Das wird für die Taliban eine große Herausforderung sein das dem Volk zu bieten. Der Same der Freiheit ist ausgesät. Die lebensspendende Botschaft ist gesprochen. Beten wir dass das den Hass überwindet.

  2. Aus heutiger Perspektive muss ich sagen: Ich wünschte, Margot Käßmann hätte damals Recht gehabt mit ihrem Satz: “Nichts ist gut in Afghanistan”. Doch wenn ich jetzt auf die Gewalt sehe, die Drangsalierung der Menschen und die Mißachtung der Menschenrechte, insbesondere der Frauenrechte, muss ich nüchtern feststellen: Erst jetzt, wo alle Truppen und Hilfskräfte demokratischer Staaten das Land verlassen, trifft ihr Satz zu. Vorher gab es zumindest 20 Jahre ein Bildungssystem, insbesondere auch für Mädchen und Frauen, relative Religionsfreiheit und den Aufbau einer Infrastruktur. Ich hoffe nur, dass Menschen in Afghanistan diesen Geruch und Geschmack der Freiheit so angenommen haben, dass sie nicht mehr zurückwollen in eine Zeit der Unmenschlichkeit.

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