Nach dem Wahldebakel der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vergangenen Wochenende sucht die CDU Berlin vor der anstehenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September auch geistliche Orientierung. Der kommissarische CDU‑Generalsekretär des Landesverbandes, Lukas Krieger, und der Berliner Spitzenkandidat Stefan Evers haben Mitglieder und Unterstützer in einem Schreiben auf die Veranstaltung „Stellung nehmen. Brücken bauen.“ der katholischen Kirche hingewiesen. Dabei soll es nach Worten von Krieger an dem Abend „um Gebet, geistliche Besinnung und das gemeinsame Gespräch“ gehen.
Anlass für den Veranstaltungshinweis des CDU‑Landesverbandes Berlin ist das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom vergangenen Sonntag. Die AfD wurde mit 43,8 Prozent mit großem Abstand stärkste Kraft. Die CDU kam lediglich auf 17,2 Prozent. Sie hatte 2021 noch 37,1 Prozent erreicht. Besonders drastisch zeigt sich der Einbruch bei den Direktmandaten: Während die CDU vor fünf Jahren 40 der 41 Wahlkreise gewann, errang sie diesmal kein einziges Direktmandat.
„Gebet und geistliche Besinnung“
In dem Veranstaltungshinweis des CDU-Landesverbandes Berlin schreibt Krieger von einer „Erschütterung über das Ereignis in Sachsen-Anhalt“. Viele in der Partei hätten das Bedürfnis, zusammenzukommen und zugleich „neuen Mut für die Zukunft zu fassen“. Krieger und Evers verweisen auf eine christlich geprägte Veranstaltung, bei der die gesellschaftliche Polarisierung ausdrücklich aus der Perspektive des Glaubens betrachtet werden soll.
„Dort wird der Frage nachgegangen, welchen Beitrag der christliche Glaube in einer polarisierten Gesellschaft leisten kann und wie sich klare Überzeugungen vertreten lassen, ohne die Verbindung zu Menschen mit anderen Auffassungen aufzugeben“, heißt es in dem Veranstaltungshinweis.
Die Veranstaltung findet am Donnerstagabend in der katholischen Kirche St. Canisius in Berlin-Charlottenburg statt und war bereits unabhängig vom Wahlergebnis vom Sonntag geplant. Das Erzbistum Berlin geht dabei der Frage nach, was das Evangelium angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen zu sagen habe.
Durch das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt erhält die Veranstaltung der katholischen Kirche für die Berliner CDU Gewicht. Evers hatte nach der Wahl eine Zusammenarbeit mit der AfD erneut ausgeschlossen. Die AfD stehe nach seiner Einschätzung für Positionen, die dem weltoffenen und internationalen Charakter Berlins widersprächen.