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Bedford-Strohm: Andere Sicht auf Dinge aushalten

Vielfalt macht das Leben bunt. Doch genauso wichtig ist, dass bei aller Individualität die Gemeinschaft nicht auf der Strecke bleibt. Dazu hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Berlin einen Grundlagentext vorgestellt.
Von PRO
Heinrich Bedford-Strohm

Foto: Christina Bachmann

Die Hoffnung durch Jesus Christus stellt Heinrich Bedford-Strohm der Resignation entgegen

Meinungen gibt es so viele wie Menschen. Eine pluralistische Gesellschaft ist geprägt von einer Vielzahl von Lebensentwürfen. Problematisch kann es werden, wenn der Andere in seiner Art und Ansicht nicht anerkannt wird. Es geht daher um eine gute Balance, besagt der evangelische Grundlagentext „Vielfalt und Gemeinsinn“. Vielfalt ermöglichen auf der einen Seite – Orientierung und Zusammenhalt schaffen auf der anderen Seite.

Wie wichtig es ist, auch die Wahrheitsansprüche der anderen anzuerkennen, ist aktuell an kaum einem anderen Thema so gut sichtbar wie an der Diskussion rund um Corona. „Wie kann es in Zukunft laufen, dass man es aushält, dass jemand eine komplett andere Sicht auf die gleiche Sache hat?“, formulierte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm eine Kernaussage des vorgestellten Textes.

Auf rund neunzig Seiten geht es um den „Beitrag der evangelischen Kirche zu Freiheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt“. Christen und Kirche haben hier einiges zu bieten, stellt der Text heraus. Als ein Herzstück des Büchleins bezeichnete der EKD-Chef den Abschnitt „Kernbestände des christlichen Ethos“. Hier geht es um Grundüberzeugungen des christlichen Glaubens wie die heilvolle Wirkung des Glaubens, Jesu Zuwendung zu den Menschen oder die Hoffnung auf neues Leben nach dem Tod.

Christen können Unterschied machen

Auch in der Corona-Debatte könnten Christen einen Unterschied machen, betonte Bedford-Strohm. Zum einen gebe es die Sachebene. „Da ist aus meiner Sicht strikt zu handeln gemäß dem, was der neueste Stand der Wissenschaft ist.“ Diese Erkenntnisse sollten Christen zusammenbringen mit ihrer Grundorientierung, dessen Kern das Doppelgebot der Liebe sei. „Dann heißt es, dass wir alle Maßnahmen danach beurteilen, ob sie das tun, was vom Liebesgebot her notwendig ist: Schwache zu schützen, rücksichtsvoll gegenüber anderen zu sein, Risiken, dass Menschenleben auf dem Spiel stehen, zu minimieren.“

Das andere sei die Ebene der Kommunikation. „Da müssen wir den richtigen Ton finden und vermeiden, dass Stimmungen entstehen, die sich gegen Menschen richten und nicht mehr durch die Sache gedeckt sind.“ So dürfe man nicht alle, die sich nicht impfen lassen wollten, als Egoisten bezeichnen, sagte der Ratsvorsitzende. Er nehme nichts zurück von der dringlichen Werbung fürs Impfen. „Aber trotzdem müssen wir Menschen, auch wenn sie eine andere Entscheidung treffen, mit Respekt behandeln.“

Ergebnisoffen diskutieren

Die Unterschiedlichkeit respektieren und sogar wertschätzen, das drückt sich laut dem EKD-Papier ganz konkret im christlichen Gottesdienst aus: Dort sitzen die unterschiedlichsten Leute mit ihrem jeweils ganz persönlichen Glauben – und doch miteinander verbunden. „Ich möchte mir etwas sagen lassen“, brachte Bedford-Strohm seine Haltung auf den Punkt, mit der er selbst in jedem Gottesdienst sitze. Sein Wunsch: Gemeinsam wieder solch eine Haltung zu entwickeln.

Nicht nur mit vorgefertigten Ansichten kommen – das bezog der Ratsvorsitzende auch auf grundlegende gesellschaftliche Fragen wie den Klimawandel oder das Problem der materiellen Ungleichheit . „Ergebnisoffen diskutieren“, so seine Devise. Nicht verhandelbar seien Grundziele, das sei für ihn etwa, dass die Generation seines Enkels die gleichen Rechte auf Leben habe wie die heutige Generation. „Aber die Frage, wie ich das am besten erreichen kann – wenn da jemand gute Argumente hat, dann lasse ich mich gerne überzeugen.“

Am Ende des Grundlagentextes ist vom Horizont des christlichen Glaubens die Rede, von der Botschaft vom Reich Gottes. Genau diesen Titel werde voraussichtlich sein Ratsbericht haben, verriet Bedford-Strohm: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Diese Perspektive sei gerade deshalb wichtig, „weil wir in einer Zeit leben, in der viele Menschen apokalyptisch werden oder resignieren“. Mit dem Blick auf den gekreuzigten Gott sei es keine Beschönigung, wenn man aus der Hoffnung lebe.

Von: Christina Bachmann

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2 Antworten

  1. Andere Sicht auf Dinge aushalten…

    Schön wäre es, wenn das “unten” in den Gemeinden auch ankommen würde…
    Wenn Menschen von “Kirche” ernstgenommen werden würden.
    Bestimmt gäber es dann auch weniger Austritte.

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  2. An dieser Stelle passt auch das, was mir – aus Webserver technischen Gründen (die Redaktion ist informiert) – unter einem anderen Artikel nicht möglich war beizutragen.

    Es ist die Glaubwürdigkeit der handelnden, welche die Institution “Kirche” repräsentieren wollen, stets zu prüfen.
    Wer gilt als Repräsentant der “Kirche”?: IMHO jeder, der ein Amtsträger ist.
    Dabei ist es vollkommen egal, ob dieser Haupt- (=Ordiniert) oder Ehrenamtlicher (gewählter bzw. berufener Laienbruder/-Schwester) ist.
    Für die EKD und deren Glied-/Landeskirchen ist die GO-EKD bzw. die GO der Glied-/Landeskirchen maßgebend.
    Für die Amtsträger die jeweiligen Einleitungen der Grundordnungen.

    Die GO-EKD:

    https://www.kirchenrecht-ekd.de/document/3435

    Die Basisaussage ist:

    1. “[…] das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments gegeben ist.[…]”

    2. “[…] Für das Verständnis der Heiligen Schrift wie auch der altkirchlichen Bekenntnisse sind […] Bekenntnisse der Reformation maßgebend.[…]”

    3. “[…] Mit ihren Gliedkirchen bejaht die Evangelische Kirche in Deutschland die von der ersten Bekenntnissynode in Barmen getroffenen Entscheidungen. […] Sie ruft die Gliedkirchen zum Hören auf das Zeugnis der Brüder und Schwestern. […]”

    Ein weiteres Stichwort: Von “Kirche” “verletzte Christen”.

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