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ARD-Korrespondent über Afghanistan: „Das sieht nicht gut aus …“

Nur wenige Journalisten berichten derzeit aus Afghanistan. Einer von ihnen: Markus Spieker, Autor einer großen Jesus-Biografie.
Von Norbert Schäfer
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Wurde bei Dreharbeiten massiv behindert und von den Malediven ausgewiesen: ARD-Korrespondent Markus Spieker

Foto: Juliane Henrich

Markus Spieker (Archivbild) ist promovierter Historiker. Von 2014 bis 2018 war er Leiter des ARD-Studios in Neu-Delhi und Korrespondent für Südasien.

Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Afghanistan hat sich die Situation in dem Land dramatisch verschlechtert. Einer von wenigen Journalisten, die derzeit direkt aus dem Land berichten, ist der ARD-Korrespondent Markus Spieker. Der Journalist war von Pakistan aus mit dem Auto nach Afghanistan eingereist und berichtet seitdem.

Am 5. September hatte Spieker – offenbar ohne erkennbare Einschränkungen oder unter Gefahren durch die Taliban – seine Eindrücke in den ARD-Tagesthemen geschildert. Nach Spiekers Beobachtung sind in Kabul jetzt weniger Frauen im öffentlichen Raum zu sehen. Wenn, dann verstärkt Burka tragend. Gebildete Frauen erwarteten nach Angaben von Spieker „nur Schlechtes“ von den Taliban.

Taliban geben bereitwillig Interviews

Nachrichtenmoderatorinnen im afghanischen Fernsehen trügen demnach zwar Kopftücher, hätten aber über eine Demonstration von Frauen berichtet. Bei der Demonstration war es zu Gewalt vonseiten der Taliban gekommen – die sich anschließend für die Übergriffe entschuldigt hätten. Der Journalist vermutete dahinter eine „Charme-Offensive“ der Taliban, weil die auf Zahlungsmittel aus dem Ausland angewiesen seien. Er und andere Journalisten seien von der neuen Haltung der Taliban überrascht, berichtet Spieker, und profitierten nun davon. Die Taliban ließen Journalisten in das Land einreisen und würden gar bereitwillig Interviews geben.

Dabei waren den Taliban die Medien bislang eher verhasst. Die Terrorgruppe legt den Koran fundamentalistisch aus, unterdrückt Frauen und lehnt westliche Werte wie Demokratie und freie Meinungsäußerung sowie andere Religionen ab. Trotzdem kann Spieker, Autor einer vielbeachteten Jesus-Biografie, augenscheinlich uneingeschränkt aus Afghanistan berichten.

Am Freitag teilte der Journalist ein Bild über seinen privaten Facebook-Account. Darauf ist ein vollbesetzter Hörsaal mit ausschließlich schwarzen Burka-tragenden Frauen zu sehen. „Good Night, Kabul. Die neue Zeit in Afghanistan – 20 Jahre nach 9/11. Hörsaal einer großen Universität heute Morgen“, kommentierte er. Einzelheiten zu dem Bild und dessen Entstehung teilte Spieker nicht.

Dass der Journalist überhaupt aus dem Land berichtet, in das sich nach Worten des Tagesspiegel „bis vor wenigen Tagen und Wochen kaum ein Journalist traute“, ist der Zeitung eine Meldung wert. Spieker scheue das Risiko offenbar nicht, schreibt die Zeitung Mitte der letzten Woche. Der Journalist vermittle „dasselbe erstaunlich-gelassene Bild auch in den Tagen nach seiner Einreise“.

Der Tagesspiegel warnt Journalisten in dem Land vor Leichtfertigkeit und schreibt: „Vielleicht sollten sich Markus Spieker und die Reporter in Kabul und Umgebung noch nicht so sicher sein.“ Wie die Zeitung berichtet, hat Spieker darauf verzichtet, das Bild eines von Taliban verprügelten afghanischen Kameramanns auf Twitter zu teilen, weil der Mann zudem Vergeltung fürchte. „Not looking good here…“, schreibt Spieker.

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Eine Antwort

  1. Wirklich gruselig sieht das aus. Warum haben die Taliban so große Angst vor dem Anblick einer Frau.
    Glauben sie vielleicht vom Blick einer Frau mit Liebe und Fürsorglichkeit infiziert zu werden?
    Haben sie die Befürchtung ihre Triebe nicht in Griff halten zu können und sich wie Tiere zu benehmen?
    (Ihr benehmen halte ich übrigens für schlimmer, als das der Tiere, weil Tiere nur bei Gefahr töten und um Nahrung auf zu nehmen)

    Hier spricht Heike an die Welt – Möge der Frevel bald ein Ende haben.
    Demütig bitte ich Dich – oh Gott – sende Deine Liebe mit Deinem Licht, Deiner Freude, Deinem Frieden und Deinem Wissen in alle Köpfe dieser Erde.

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