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Angriffe auf Religionsgemeinschaften haben 2020 deutlich zugenommen

Im vergangenen Jahr hat das Bundeskriminalamt fast 3.000 Angriffe auf Religionsgemeinschaften erfasst. 70 Prozent der Vorfälle richteten sich gegen Juden.
Von Martin Schlorke
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Demonstration gegen Antisemitismus 2014 vor dem Brandenburger Tor in Berlin (Archivbild)

  • pro/Anna Lutz
Die meisten Angriffe richten sich gegen Vertreter jüdischer Gemeinschaften

Religionsgemeinschaften, vor allem ihre Repräsentanten, sind 2020 deutlich häufiger als früher zum Ziel extremistischer Angriffe geworden. Wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Statistik politisch motivierter Kriminalität des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, zählten die Behörden im vergangenen Jahr fast 3.000 (genau 2.985) Angriffe gegen Religionsgemeinschaften. Das war ein Anstieg um 39 Prozent. Fast vervierfacht haben sich der Statistik zufolge Angriffe auf religiöse Repräsentanten – von 559 im Jahr 2019 auf 2.217 im vergangenen Jahr.

70 Prozent dieser Angriffe richteten den sich den Angaben zufolge gegen Vertreter jüdischer Gemeinschaften, rund ein Viertel gegen Repräsentanten muslimischer Religionsgemeinschaften. 90 Prozent der Straftaten seien rechtsextrem motiviert gewesen. Gegen religiöse Repräsentanten gab es der Statistik zufolge 87 Gewalttaten, davon 81 Körperverletzungen.

Die Angriffe gegen Religionsgemeinschaften werden als Sonderaspekt in der Kategorie «Hasskriminalität» in der Statistik aufgeführt. BKA-Präsident Holger Münch sagte, in diesem Gesamtkontext sei dieser Anstieg zu sehen. Die Zahl der sogenannten Hassstraftaten ist 2020 insgesamt um 19,3 Prozent auf 10.240 gestiegen.

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2 Antworten

  1. “90 Prozent der Straftaten seien rechtsextrem motiviert gewesen.”
    So schlimm der Rechtsextremismus ist, hier wird ein Zerrbild erzeugt, dass die tatsächlichen Ursachen verschleiert, denn die Betroffenen nehmen diese Angriffe anders wahr, – schreiben Deidre Berger und Fabian Weißbarth vom American Jewish Committee:
    “Wie wir wissen, wird der Antisemitismus in der offiziellen Kriminalitätsstatistik eindimensional erfasst. Das Kategorie-Schema, in der zumeist nach „rechts“ und „links“ unterschieden wird, ist unzureichend, um die verschiedenen Facetten des Antisemitismus erfassen zu können. Auch andere Vorfälle mit NS-Bezug sind in der Statistik meistens „rechts“. Das führt selbst dazu, dass in der Vergangenheit ein Hitlergruß von Hisbollah-Anhängern auf der islamistischen Al-Quds-Demo als rechtsextrem eingruppiert wurde.
    Laut einer Studie gaben 80 Prozent der körperlich angegriffenen Juden an, der Täter sei mutmaßlich Muslim.”
    https://causa.tagesspiegel.de/kolumnen/causa-autoren-1/die-amtliche-polizeistatistik-zum-antisemitismus-muss-ueberarbeitet-werden.html#:~:text=Die%20amtliche%20Polizeistatistik%20zum%20Antisemitismus%20muss%20%C3%BCberarbeitet%20werden,Berger%20und%20Fabian%20Wei%C3%9Fbarth%20vom%20American%20Jewish%20Committee.

  2. Ergänzung zu den Zahlen, diese sind offensichtlich sehr vorsichtig zu interpretieren.

    Heute schreibt die FAZ:
    “Am Dienstag hat das Innenministerium die Fallzahlen politisch motivierter Straftaten des vergangenen Jahres vorgelegt. Die Zahl antisemitischer Straftaten ist demnach ein weiteres Mal gestiegen, und zwar um 15,7 Prozent.
    Dem rechtsextremistischen Spektrum werden 94,6 Prozent zugerechnet.
    Innenminister Seehofer nannte das besorgniserregend und beschämend.
    Dass die zweite Zahl höchstwahrscheinlich falsch ist, wird ihm bewusst sein.
    Spätestens seit der Antwort des Berliner Senats auf die Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe im Mai 2019 ist nämlich bekannt, dass die maßgebliche Polizeistatistik des Bundeskriminalamts verzerrt ist.
    Antisemitische Delikte, die nicht klar einer Tätergruppe zuweisbar sind, werden pauschal rechts eingeordnet.
    Selbst wenn sich bei den Ermittlungen herausstellen sollte, dass sie nicht rechtsextremistisch motiviert waren, bleiben sie in manchen Ländern – die Praxis ist unterschiedlich – in der dann nachweislich falschen Kategorie stehen.”
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/antisemitismus-statistik-verzerrtes-bild-der-wirklichkeit-17327198.html

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