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„Alle Kinder sind Ebenbilder Gottes“

Gegen Schwangerschaftsabbrüche und für das Lebensrecht Ungeborener sind am Samstag tausende Menschen in Berlin auf die Straße gegangen – unter ihnen auch viele Christen. Der 17. „Marsch für das Leben“ zog wie gewohnt linken Gegenprotest an.
Von Anna Lutz
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Foto: PRO/Anna Lutz

Beim Marsch für das Leben kamen 4.500 Menschen vor dem Brandenburger Tor zusammen.

„Your Body, your Choice, raise your voice!“ (Dein Körper, deine Entscheidung, erheb die Stimme), hallt es von jenseits des Brandenburger Tors. Auf der Seite des Pariser Platzes sind Regenbogenflaggen gehisst, pink und silber gekleidete Akrobatinnen versuchen sich in Cheerleading und Gleichgewichtsübungen und skandieren dabei den linken Ruf „Antifascista!“. Ein fahrender offner Lieferwagen bläst Popmusik aus den Boxen.

Währenddessen wird es auf der anderen Seite des Berliner Wahrzeichens still. Der ehemalige Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz und amtierende stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Lebensecht, Hartmut Steeb, hat zu einer Gedenkminute für abgetriebene Kinder aufgerufen. Teenager und Mittfünfziger, Senioren, Familienväter und -mütter, Ordensmänner und -frauen, Pfarrer und ehrenamtliche Mitarbeiter des Marschs senken im Gleichklang die Köpfe. Wie in jedem Jahr hat sie dieses Anliegen zusammengeführt: Leben soll ermöglicht werden. Und vieles, was diesem Wunsch entgegensteht, verboten. Suizidbeihilfe etwa. Oder eben Schwangerschaftsabbrüche. Laut Veranstaltern haben sich 4.500 Menschen vor dem Brandenburger Tor versammelt. Das wäre rund ein Drittel mehr als im Jahr zuvor.

Lebensrechtler demonstrieren kurz vor den Wahlen

„Abtreibung gehörte zur sozialistischen Familienplanung“ hatte der ehemalige Chef der evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies, Minuten vorher gewarnt. „Alle Kinder sind Ebenbilder Gottes.“ Kurz danach erklärte er, nur Union und AfD wollten den Lebensschutz nicht aufweichen. 2021, das wird schnell klar, ist nicht nur das Jahr des 17. Marschs für das Leben. Die Veranstalter, der Bundesverband Lebensrecht, haben ihn auch in eine besonders bedeutsame Zeit des Jahres gelegt. In einer Woche sind Bundestagswahlen. Damit verbinden sie laut der Vorsitzenden Alexandra Lindner die Hoffnung, besser gehört zu werden.

Foto: PRO/Anna Lutz
Teilnehmer beim Marsch für das Leben 2021.
Foto: PRO/Anna Lutz
Foto: PRO/Anna Lutz
Foto: PRO/Anna Lutz
Sprecher beim Marsch für das Leben: Helmut Matthies

Auch in diesem Jahr sind die prominenten Unterstützer – besonders evangelischerseits – rar. CSU-Politiker Johannes Singhammer ist laut Veranstaltern vor Ort, zudem zwei katholische Bischöfe, der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, und ein Vertreter der serbisch-orthodoxen Kirche. Die evangelischen Landeskirchen lehnen den Marsch mehrheitlich ab, besonders die als eher progressiv geltende Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Grußworte sendeten hingegen nicht nur diverse freikirchliche Verbände und evangelikale Dachorganisationen sowie Bistümer, sondern auch die eher konservative evangelisch-lutherische Kirche in Sachsen. Auch diverse CDU-Politiker, etwa Christine Lieberknecht oder Philipp Amthor, meldeten sich zu Wort.

Gegenprotest bleibt friedlich

Derweil hat sich auch am Berliner Hauptbahnhof Gegenprotest breit gemacht. Bunte Haare und knappe Bekleidung begleiten hier Slogans für die Anerkennung transidentitärer Menschen oder der Prostitution. Am Rande geht es dem organisierenden Bündnis „What the Fuck“ auch um das Recht auf Abtreibung. Doch hier kommen viele Anliegen zusammen. Gemeinsam ist ihnen allen die dahinterliegende Kirchenskepsis. Nicht umsonst liest man hier Schilder mit der Aufschrift „Hätt’ Maria abgetrieben, wärn’ wir für sie da gewesen.“ Dennoch: In den Jahren zuvor waren die Fronten klarer und der Umgangston seitens der Linken aggressiver. Vielleicht sorgt der erzwungene Abstand zwischen den Protestierendengruppen für kühlere Gemüter. Gewalt, so sagt ein Gegenprotestant, soll nach seiner Auffassung hier nicht stattfinden. Eher kleine Störaktionen durch Musik und Tanzeinlagen.

Foto: PRO/Anna Lutz
Gegenprotest formierte sich unter anderem am Berliner Hauptbahnhof.
Foto: PRO/Anna Lutz

Die Veranstalter des Marschs für das Leben jedenfalls sind auf alles vorbereitet gewesen. In 17 Jahren haben sie vieles erlebt. Mannsgroße Holzkreuze der Marsch-Teilnehmer etwa wurden entwendet und in den Landwehrkanal geworfen. Doch dieses Mal bleibt es weitgehend ruhig. Das bestätigt auch Hartmut Steeb. Die Atmosphäre, so sagt er im Nachhinein, sei ruhiger gewesen als in den Jahren zuvor. Bis auf den fahrenden Musikwagen mit Popmusik und die schreienden Akrobatinnen natürlich.

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5 Antworten

  1. Menschen- und Lebensrechte haben für mich höchste Priorität bei meiner Wahlentscheidung.
    siehe dazu die Thesen 13 und 14 im PROphetomaten https://www.pro-medienmagazin.de/prophetomat/ ,
    sowie Thesen 19 und 20,
    da sind die Parteien, LINKE, SPD, GRÜNE und FDP weitgehend einig:
    – Gegen den Schutz des ungeborenen Lebens
    – Für eine weitgehende “Liberalisierung” der (kommerziellen) Sterbehilfe.

    Für mich unwählbar!

  2. Ich habe auf der Demo immer gehört. „My body, my choice, raise your voice!“
    Trotzdem danke, dass sie darüber berichten.

  3. Der Marsch findet die letzten Jahre immer am dritten Septemberwochenende statt, somit ist das auch immer eine Woche vor einer ordentlichen Bundestagswahl.

  4. Danke für diesen Tag des Eintretens für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder. Danke, dass dieses Mal die Gewaltexzesse ausgeblieben sind – entgegen der Ankündigungen. Dank an die Polizei, die für Trennung gesorgt hat und Dank für all diese Gebetserhörungen an Gott.

  5. Ich kenne Leute, die regelmäßig auf diesen Marsch gehen, aber auch mit die ersten waren, die sich haben gegen Corona impfen lassen. Nur passt das halt nicht zusammen (hier eine von vielen Quellen, man kann durchaus darum wissen, wenn man will): https://aerzte-fuer-das-leben.de/neues/aktuell-2021/24-03-21-corona-impfstoffe-in-deutschland-aus-ethischer-sicht/

    Darf man als Christ von Abtreibungen profitieren, auch wenn diese schon ca. 50 Jahre zurückliegen?
    Für mich ist nur einer gestorben, allerdings freiwillig, vor ca. 1990 Jahren, am Kreuz. Der ist es, der mich erlöst hat.

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