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ACK: Kirchen nicht frei von Rassismus

Auch in christlichen Kirchen ist Rassismus noch ein Thema. Darauf haben Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland hingewiesen.
Von Norbert Schäfer
Erzpriester Radu Constantin Miron

Foto: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK)

Erzpriester Radu Constantin Miron (Archivbild)

„Menschen werden aufgrund ihrer Hautfarbe, religiösen Zugehörigkeit, Sprache oder Kultur diskriminiert und ausgegrenzt, auch in unseren Kirchen, Gemeinden, staatlichen Institutionen und in unserer Gesellschaft“, sagte Pfarrerin Annegreth Schilling, die Vorsitzende der ACK Frankfurt, bei einem Gottesdienst zur Eröffnung der Gebetswoche für die Einheit der Christen am Sonntag in Frankfurt.

Die ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland) repräsentiert eigenen Angaben zufolge rund 50 Millionen Christen im Land. Ihr gehören 18 Kirchen sowie sieben Kirchen als Gastmitglieder an. Schwerpunkte der ACK-Arbeit sind „die theologische Reflexion, das Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sowie das gemeinsame Gebet und der Kontakt zu anderen ökumenischen Organisationen“. Die ACK veranstaltet jährlich vom 18. bis zum 25. Januar die Gebetswoche für die Einheit der Christen.

Eigene Geschichte oft kein „Ruhmesblatt“

„Oft ist es Rassismus im Alltag, der in allen Teilen der Gesellschaft verbreitet ist. Die Handlungen und Gedanken sind oft nicht reflektiert“, sagte Schilling laut einer ACK-Pressemitteilung am Sonntag. Dadurch würden Menschen verletzt und ausgegrenzt. Christliche Kirchen sollten sich konfessionsunabhängig mit der eigenen Geschichte und Tradition befassen, forderte der griechisch-orthodoxe Erzpriester Radu Constantin Miron, der den ACK-Vorsitz innehat. Die eigene Geschichte zu hinterfragen, fördere nicht immer „Ruhmesblätter“ zutage.

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Ulrike Scherf, stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau (EKHN) sieht auch die evangelische Kirche beim Thema Rassismus in eine lange Geschichte der Schuld verstrickt. Wie die gesamte Gesellschaft sei die Kirche bis heute keineswegs vor Alltagsrassismus und Stereotypen gegenüber Menschen gefeit. Es sei höchste Zeit, sich dem offen zu stellen.

Pfarrerin Stefanie Bohn wertete es bei dem Gottesdienst als eine Verantwortung von Christen, die eigene Machtpositionen zu hinterfragen und zu reflektieren. „Auch Kirche ist kein rassismus- und diskriminierungsfreier Raum,“ sagte die Theologin bei dem Gottesdienst in Frankfurt und wies auf latente Alltagsrassismen hin, die sie selbst erlebt habe. „Die Kirche muss ihre Denkmuster, Strukturen und ihre Organisationsweise verändern“, forderte Bohn. Für Heilungs- und Verarbeitungsprozesse brauche es geschützte Rahmen mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hätten.

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15 Antworten

  1. Ehrlich gesagt kann ich mit solchen pauschalen Unterstellungen wenig anfangen: „Auch Kirche ist kein rassismus- und diskriminierungsfreier Raum“

    Wenn angeblich alle&jeder rassistisch diskriminiert, was sagt so ein Vorwurf dann noch aus?
    (Außer der offensichtlichen Überheblichkeit des Anklägers, der meint, als einziger von diesem Vorwurf befreit zu sein?

    Da gilt aber diese Warnung:
    “Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?
    Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen!
    – und siehe, ein Balken ist in deinem Auge?
    Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.”)

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    1. Es geht um Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, im Sinne von “Herr, bin ichs?”
      Wenn Sie so auskeilen, muss Frau Schilling wohl an einen Nerv gerührt haben.

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      1. Frau Schilling hat schlicht pauschale, ungerechtfertigte Behauptungen aufgestellt. Sicherlich finden sich hunderte Beispiele darüber, wie gerade Kirchen und Gemeinden Grenzen der Rasse, Hautfarbe, Nationalität und sonstiger Andersartigkeiten überwunden haben.

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  2. Mir ist noch nie jemand aus dem evangelikalen Bereich begegnet, der die ACK, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, positiv beurteilt hätte. Und auch an diesem Artikel sieht man es wieder: Die ACK bringt nichts zustande außer offensichtlich nur die Beschäftigung mit internen Problemen..

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      1. @Ines
        Das ist durchaus denkbar, jedenfalls anteilig. Denn Teile der Evangelikalen kennen die Frage “Herr, bin ich’s?” nicht, sondern leben nach dem Motto “Ich danke dir, Herr, dass ich nicht so bin wie diese Sünder!”. Selbstreflexion und metanoia werden dort konsequent gemieden, das eigene Sünder-Sein wird im Kern abgelehnt, weil manche Sünde dort nicht als Sünde definiert wird. Fehlverhalten wird häufig mit frommen Worten oder gar durch Bibelverse legitimiert.
        Dass Diskriminierung in diesem Teil der evangelikalen Christenheit verbreitet ist, davon zeugen die Lebensberichte zahlreicher “Aussteiger”. Von rassistischen Tendenzen habe ich zumindest im deutschsprachigen Raum noch nicht im großen Stil gehört.
        Mir fehlen hier im Artikel konkrete Beispiele für Rassismus. Die zitierten Aussagen sind alle sehr allgemein gehalten.

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    1. Warum sind dann abrr so viele EAD Freikirchen gleichzeitig Mitglieder auch in der ACK? Dann würde es da eine Abgrenzung geben. Das Gegenteil ist dich richtig: EAD und ACK rücken immer mehr zusammen und vor allem scheint sich die EAD der ACK anzupassen und nicht umgekehrt.

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      1. Die EAD hat ja mittlerweile selbst ein Problem. Die EAD ist gespalten, deshalb würde ich nicht von DIE Evangelikalen im Allgemeinen sprechen, wenn ich von der EAD spreche. Die EAD nimmt nämlich nicht wahr, dass viele, sehr viele einzelne landeskirchliche Gemeinschaften ganz anders denken als die EAD-Spitze.

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  3. Im Kern geht es mit dieser Haltung der hier sich äussernden Personen darum konservative evangelikale Positionen unmöglich zu machen, da sich im kirchlichen Bereich geäußert wird: Es ist z.B. schon immer anstößig gewesen zu sagen Jesus ist DER einzige Weg zum Vater. Und was wird die EAD tun? Wahrscheinlich nichts und wieder mal jeden weiteren Schritt zur Demontage des Evangeliums einfach hinnehmen

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    1. @Matze
      In welchem inhaltlichen Zusammenhang steht Ihr Kommentar zudem Artikel?
      Sind denn konservative evangelikale Positionen rassistisch – und, wenn ja, heißen Sie das etwa gut?
      Und was hat das mit Jesu Aussage zu tun, er sei der Weg, die Wahrheit und das Leben?
      Inwiefern wird das Evangelium “demontiert” wenn man sich der eigenen rassistischen und diskriminierenden Verfehlungen bewusst wird und Buße tut?

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      1. Es hat ganz einfach damit zu tun, dass Diskriminierung und Rassismus sich früher an ethischen Regeln festgemacht hat. So hatte man einen Maßstab. Und was ist heute? Heute entscheidet der Betroffene ob er sich als diskriminiert FÜHLT. Es gibt ein Beispiel wo Rosaria Butterfield die in einem guten Beitrag im Netz erwähnt wie sich eine Person durch eine zufällig èrwähnte sehr große Hand persönlich angegriffen gefühlt hat, obwohl sie als Person nicht direkt angesprochen wurde. Es ist nun also die Person, die wegen ihrer Aussagen als diskriminierend bezeichnet wird in der Nachweisplicht dies nicht zu sein. So ist es dann auch bei christlichen Aussagen, die das Gegenüber als diskriminierend ansehen kann, obwohl das nicht die Absicht war. Wenn die Dinge so verdreht werden wird es echt ein Problem.

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        1. @Matze
          Nun weiß ich aber immernoch nicht, was das Ganze mit Jesus und dem Evangelium zu tun hat. Was ist da der Zusammenhang?

          Ihr Beispiel mit der großen Hand verstehe ich nicht. Wer ist Rosaria Butterfield?

          Im Artikel werden doch klar die ethischen Regeln genannt, an denen man Diskriminierung/Rassismus festmachen kann: Ausgrenzung aufgrund der Hautfarbe, der religiösen Zugehörigkeit, Sprache und Kultur.

          Was ich andauernd erlebe ist das gefühlte Diskriminiertsein und permanente Lamento von Neurechten und AfD-Anhängern, die Kritik mit Einschränkung der Meinungsfreiheit verwechseln. Und die die logischen Konsequenzen ihrer Missachtung der Maßstäbe unserer demokratischen Grundordnung und der Menschenrechte (also die Missachtung der “Spielregeln”) als “Diskriminierung” umdeuten.

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        2. P.S.
          Ausführliche ethische Maßstäbe finden Sie übrigens in den Grund-& Menschenrechten. Hier im Artikel ist Diskriminierung ja auf das Thema rassistische Diskriminierung beschränkt.
          Aber es gibt ja auch Diskriminierung aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit oder der sexuellen Orientierung u.a.m.

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  4. In unsere Gemeinde (FeG) gehen Menschen aus Deutschland, Russland, Ukraine, Iran, Nigeria, (ab&zu) Mexiko und vermutlich noch ein paar nichteurop. Ländern, in gutem Miteinander. Irgendwie finde ich mich nicht wieder in der Behauptung, wir seien auch alle Rassisten und würden Leute wegen xxx ausgrenzen.

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