In wenigen Wochen finden in den USA die Kongresswahlen statt. Auch religiöse Themen wie der Lebensschutz oder die Haltung zum christlichen Nationalismus spielen eine wichtige Rolle und zeigen die unterschiedlichen Meinungen unter Christen. Das SRF hat für die einstündige Doku „Midterms: Halten die Christen zu Trump?“ Menschen besucht, die „die amerikanische Politik im Namen Gottes verändern wollen“, wie es vonseiten des Senders heißt.
In dem ausgewogenen Beitrag kommen Theologen und Wissenschaftler mit verschiedenen theologischen Prägungen zu Wort. Dabei wird deutlich, dass es trotz vieler Gemeinsamkeiten scheinbar unversöhnliche Themen gibt, etwa den Lebensschutz. Der Streit um solche Themen spalte die amerikanische Gesellschaft.
Eine der etwa konservativen Stimmen ist der Pastor Travis Carey. Ihm ist es ein Anliegen, den Einfluss der christlichen Gemeinden auf die Politik zu stärken. Es schade der Gesellschaft, wenn das Christentum zurückgedrängt wird, behauptet er. Er beobachte zudem immer wieder gezielte Angriffe auf Christen oder den christlichen Nationalismus, im aus seiner Sicht eigentlich christlich geprägten Amerika: „Die Christen werden zum Feindbild gemacht.“
„Immer mehr christliche Kampfrhetorik“
Der Bedeutungsverlust der Evangelikalen lässt sich auch an Zahlen des Public Religion Research Instituts ablesen. Der Anteil nicht-religiöser Menschen (28 Prozent) steige und die Dominanz der weißen Evangelikalen bröckele und liege laut Statistik nur noch bei 13 Prozent. Doch Politiker wie Verteidigungsminister Pete Hegseth versuchten mit christlichen Gebetsveranstaltungen, den Einfluss des christlichen Nationalismus zu stärken, und benutzten zunehmend „christliche Kampfrhetorik“, heißt es in der Doku.
Eine andere Sichtweise nimmt der Theologe Doug Pagitt ein. Strenggläubige Christen müssen nicht zwangsläufig Republikaner wählen. Er plädiert für einen Glauben, der ohne zu viele Vorschriften auskommt. Für die anstehenden Wahlen würden so viele christliche Pastoren wie noch nie für die Demokraten kandidieren, behauptet er. Der bekannteste Vertreter ist wohl James Talarico, für den „nichts am christlichen Nationalismus christlich ist“.
Sehr deutlich wird die Bandbreite bei der Gegenüberstellung von Franklin Graham und Shane Clairbourne. Während die Journalisten Graham einen „direkten Draht ins Weiße Haus“ attestieren und er den christlichen Nationalismus diskreditiert sieht, gilt Clairbourne als Vorkämpfer der linken Evangelikalen, denen es vor allem um soziale Gerechtigkeit geht.
„Trump hat Evangelikalen viele Zusagen gemacht“
Und natürlich kommt eine Dokumentation über amerikanische Politik nicht ohne die konträren Positionen zur Abtreibung aus. Für die SRF-Reporter zeige sich an kaum einem anderen Punkt, wie stark das Thema mit seinen kompromisslosen Positionen nicht nur Christen, sondern das ganze Land spaltet.
Trump stehe deswegen bei vielen Evangelikalen so hoch im Kurs, weil er ihnen und der Pro-Life-Bewegung vor der Wahl viele Versprechungen gemacht habe. Das habe bereits existierende Gräben noch einmal vertieft. Um Amerika zu einen, so das Fazit der Dokumentation, sollten die Kirchen Gott ins Zentrum stellen und sich von jeglicher Gewalt christlicher Gemeinden distanzieren. Wenn die Gräben nicht zugeschüttet werden, würde der „Kampf um die Deutung des christlichen Glaubens zum Kampf um die Deutung Amerikas“.