Der US-Rapper Macklemore trat vor wenigen Tagen im Vorprogramm des Sängers Ed Sheeran auf. Dabei rief er den tausenden Fans zu: „Free Palestine“. Für diese Solidarisierung mit den Palästinensern zahlte der Künstler einen hohen Preis. Anders als geplant, darf er nun nicht mehr bei weiteren Ed-Sheeran-Konzerten auftreten. Der britische Superstar warf den amerikanischen Rapper aus seinem Programm – wohl auch auf Druck mehrerer Stadionbesitzer, die mit der Absage der Konzerte gedroht haben. Auftrittsverbot wegen Palästina-Solidarität. Ein Skandal. Das dachten sich auch die anderen Künstler, die bei den Konzerten auftreten sollten, und sagten daraufhin aus Protest ihre Auftritte ab. Sheeran erntet unterdessen einen heftigen Shitstorm, auch von anderen prominenten Künstlern und Medienschaffenden, die Macklemore öffentlich verteidigen.
So ungefähr lautet die gängige Erzählung in den (sozialen) Medien quer über den Globus. Doch – wer hätte es gedacht – das ist nicht die ganze Wahrheit. Und bekanntermaßen ist die halbe Wahrheit auch eine ganze Lüge, wie es in einem jüdischen Sprichwort heißt.
Neben dem Ruf nach Freiheit für Palästina sprach Macklemore nämlich auch in Richtung Israel von Apartheid und Völkermord. Beides Vorwürfe, die nicht nur halb wahr, sondern glatt gelogen sind. Und zudem nach der IHRA-Antisemitismus-Definition als antisemitisch gelten. Eine Definition, die unter anderem der Deutsche Bundestag angenommen hat.
Macklemore ist kein Opfer
Auch in der Vergangenheit fiel Macklemore wegen antisemitischer Ausfälle auf. 2014 verkleidete er sich mit Hakennase, Bart und schwarzen Haaren und „personifizierte die dunkelsten Klischees über Juden, als sei er aus einer historischen ‚Stürmer‘-Karikatur auf die Bühne geklettert“, schreibt etwa der „Spiegel“ treffend. In einem Musikvideo 2025 verglich er die Zustände im Gazastreifen mit dem Warschauer Ghetto und machte Israel für steigende Lebenshaltungskosten in den USA verantwortlich. Das alles ist Antisemitismus. Kein Graubereich. Kein „Man-kann-es-aber-auch-anders-verstehen“. Nein, lupenreiner Antisemitismus.
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— Micky Beisenherz 🍌 (@MickyBeisenherz) September 16, 2026
Macklemore ist kein Opfer. Er wird nicht gecancelt, weil er eine angebliche Wahrheit sagt oder weil eine Israel-Lobby ihn mundtot machen will. Oder wie der Journalist Tilo Jung auf „X“ vermutet, weil „superreiche Israelultras“ das so wollen. Ultras, zu denen dann auch die jüdische Sängerin „P!NK“ zählt oder der deutsche Publizist Mickey Beisenherz, denn beide zählen zu den eher wenigen Prominenten, die sich derweil auf die Seite Sheerans schlugen.
Das eigentlich Erschreckende an der Geschichte ist deshalb nicht, dass Macklemore von einer Bühne verbannt wird. Es ist die Tatsache, dass sein Antisemitismus von vielen offenbar deshalb nicht erkannt oder benannt wird, weil er ihn mit einer vermeintlich guten Sache verbindet.
Wer für die Rechte der Palästinenser und Frieden im Nahen Osten eintritt, verdient Gehör. Fraglos. Wer seiner Solidarität jedoch nicht sachlich korrekt und ohne Hass auf Israel und Juden Ausdruck verleihen kann, muss mit den Konsequenzen leben.