Kommentar

Es gibt kein Recht auf eine Bühne für Antisemitismus

Der US-Rapper Macklemore hat Konzerte des Sängers Ed Sheeran genutzt, um gegen Israel zu hetzen. Als Konsequenz darf er nicht mehr auftreten. Anstatt Kritik, erfährt Macklemore jedoch breite Solidarität. Wie kann das sein?
Von Martin Schlorke
Macklemore

Der US-Rapper Macklemore trat vor wenigen Tagen im Vorprogramm des Sängers Ed Sheeran auf. Dabei rief er den tausenden Fans zu: „Free Palestine“. Für diese Solidarisierung mit den Palästinensern zahlte der Künstler einen hohen Preis. Anders als geplant, darf er nun nicht mehr bei weiteren Ed-Sheeran-Konzerten auftreten. Der britische Superstar warf den amerikanischen Rapper aus seinem Programm – wohl auch auf Druck mehrerer Stadionbesitzer, die mit der Absage der Konzerte gedroht haben. Auftrittsverbot wegen Palästina-Solidarität. Ein Skandal. Das dachten sich auch die anderen Künstler, die bei den Konzerten auftreten sollten, und sagten daraufhin aus Protest ihre Auftritte ab. Sheeran erntet unterdessen einen heftigen Shitstorm, auch von anderen prominenten Künstlern und Medienschaffenden, die Macklemore öffentlich verteidigen.

So ungefähr lautet die gängige Erzählung in den (sozialen) Medien quer über den Globus. Doch – wer hätte es gedacht – das ist nicht die ganze Wahrheit. Und bekanntermaßen ist die halbe Wahrheit auch eine ganze Lüge, wie es in einem jüdischen Sprichwort heißt.

Neben dem Ruf nach Freiheit für Palästina sprach Macklemore nämlich auch in Richtung Israel von Apartheid und Völkermord. Beides Vorwürfe, die nicht nur halb wahr, sondern glatt gelogen sind. Und zudem nach der IHRA-Antisemitismus-Definition als antisemitisch gelten. Eine Definition, die unter anderem der Deutsche Bundestag angenommen hat.

Macklemore ist kein Opfer

Auch in der Vergangenheit fiel Macklemore wegen antisemitischer Ausfälle auf. 2014 verkleidete er sich mit Hakennase, Bart und schwarzen Haaren und „personifizierte die dunkelsten Klischees über Juden, als sei er aus einer historischen ‚Stürmer‘-Karikatur auf die Bühne geklettert“, schreibt etwa der „Spiegel“ treffend. In einem Musikvideo 2025 verglich er die Zustände im Gazastreifen mit dem Warschauer Ghetto und machte Israel für steigende Lebenshaltungskosten in den USA verantwortlich. Das alles ist Antisemitismus. Kein Graubereich. Kein „Man-kann-es-aber-auch-anders-verstehen“. Nein, lupenreiner Antisemitismus.

Macklemore ist kein Opfer. Er wird nicht gecancelt, weil er eine angebliche Wahrheit sagt oder weil eine Israel-Lobby ihn mundtot machen will. Oder wie der Journalist Tilo Jung auf „X“ vermutet, weil „superreiche Israelultras“ das so wollen. Ultras, zu denen dann auch die jüdische Sängerin „P!NK“ zählt oder der deutsche Publizist Mickey Beisenherz, denn beide zählen zu den eher wenigen Prominenten, die sich derweil auf die Seite Sheerans schlugen.

Das eigentlich Erschreckende an der Geschichte ist deshalb nicht, dass Macklemore von einer Bühne verbannt wird. Es ist die Tatsache, dass sein Antisemitismus von vielen offenbar deshalb nicht erkannt oder benannt wird, weil er ihn mit einer vermeintlich guten Sache verbindet.

Wer für die Rechte der Palästinenser und Frieden im Nahen Osten eintritt, verdient Gehör. Fraglos. Wer seiner Solidarität jedoch nicht sachlich korrekt und ohne Hass auf Israel und Juden Ausdruck verleihen kann, muss mit den Konsequenzen leben.

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

Unabhängigen christlichen Journalismus häufiger bei Google sehen

PRO bei Google bevorzugen

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen