Der frühere CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn hat sich bei den CDU-Mitgliedern seines Wahlkreises in Nordrhein-Westfalen für seinen Umgang mit einer Leihmutterschaft in den USA entschuldigt. Im Juli war bekannt geworden, dass Spahn und sein Mann Daniel Funke mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden sind.
„Ich war zu feige, bei diesem sensiblen Thema offen Farbe zu bekennen“, schrieb Spahn nun in einem Brief, der PRO vorliegt. Er habe eine „schwierige Debatte“ vermeiden wollen und dadurch eine „viel schwierigere“ ausgelöst. Sich dieser Debatte nicht gestellt zu haben, sei falsch und er bedauere dies zutiefst. Und weiter: „Vor allem aber habe ich durch den Widerspruch zwischen meiner früher öffentlich vertretenen Haltung und meiner persönlichen Entscheidung Vertrauen enttäuscht. Dafür möchte ich Sie um Entschuldigung bitten.“
Sichtweise hat sich geändert
Spahn erklärt im Brief auch seine persönlichen Beweggründe für diese Entscheidung. Den Wunsch, eine Familie zu gründen, hegten er und sein Mann demnach „seit wir uns kennen“. Die beiden hätten sich über unterschiedliche Wege, Eltern zu werden, Gedanken gemacht. Seine zunächst skeptische Haltung gegenüber Leihmutterschaft habe sich im Laufe der Jahre verändert.
Schließlich habe auch die Entscheidung des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2018 eine Rolle gespielt, schrieb Spahn. Demnach ist eine in den USA gerichtlich festgestellte Elternschaft nach einer Leihmutterschaft unter bestimmten Voraussetzungen mit der deutschen Rechtsordnung vereinbar und kann anerkannt werden. Das habe ihm bei seiner „persönlichen Abwägung zusätzliche rechtliche Sicherheit gegeben“.
Weiterhin schreibt er: „Vertrauen entsteht über Jahre, kann aber sehr schnell beschädigt werden. Ich weiß, dass eine Entschuldigung oder ein Rücktritt allein dieses Vertrauen nicht einfach wiederherstellen. Das kann nur durch mein eigenes Tun in der kommenden Zeit gelingen.“ Spahn hatte im Zuge der Leihmutterschaftsdebatte angekündigt, nicht mehr für den CDU-Vorsitz im Wahlkreis zu kandidieren. Zudem trat er bereits im Juli von seinem Posten als Fraktionschef im Bundestag zurück.