Wilmer befürchtet antikirchliche AfD-Maßnahmen

Der Chef der Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, hält eine antikirchliche Politik der AfD für möglich. Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt bereite ihm Sorge. Schließlich stellt die Partei die „Grundwerte unseres Zusammenlebens“ infrage.
Von Johannes Blöcher-Weil
Bischof Heiner Wilmer blickt mit Sorge nach Sachsen-Anhalt

Die katholische Kirche bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der AfD. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer: „Die AfD möchte ein anderes Deutschland im Blick auf unsere Grundwerte und auf unsere Demokratie.“ Dagegen müsse sich die Kirche positionieren und dem Menschenwürde und Nächstenliebe entgegenstellen.

Im Blick auf Sachsen-Anhalt hat der Theologe Sorge vor konkreten Maßnahmen gegen die Kirchen. Die AfD hatte in ihrem Wahlprogramm angekündigt, den Kirchensteuereinzug zu beenden und auch das Kirchenasyl nicht mehr zu dulden. Von Abschiebungen bedrohte Menschen könnten dann keinen Schutz mehr in der Kirche erhalten.

„Wir gehören alle zusammen!“

Die Kirche müsse mit den AfD-Wählern weiterhin im Gespräch bleiben. Die Treue gegenüber dem Evangelium als zentrales Element bedeute aber auch, dass jeder Mensch die gleiche Würde habe. „Diese Grundhaltung ist für uns nicht verhandelbar“, betonte der Theologe. Christen hätten einen klaren Auftrag für die ganze Welt: „Wir gehören alle zusammen.“

Im Blick auf den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland wünschte er sich interreligiöse Gesprächsformate, um das gegenseitige Verständnis zwischen den Religionen zu fördern. Er stellte klar: „Antisemitismus ist Sünde.“ Es gehe darum, zu klären, wie man gemeinsame Verantwortung für das Land übernehme, in dem man zusammenlebe.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte 2024 völkischen Nationalismus als unvereinbar mit dem Christentum bezeichnet. In dieser Frage seien sich alle Bischöfe einig. Wilmer ist seit Februar dieses Jahres Nachfolger von Georg Bätzing als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zugleich steht er an der Spitze des mitgliederstärksten katholischen Bistums Münster.

Vertrauensverlust ernst nehmen

Bereits am Montag hatten die christlichen Kirchen nach der Wahl in Sachsen-Anhalt ihrer Sorge um den sozialen Frieden und das Miteinander in dem Bundesland Ausdruck verliehen. Die Kirchen würden diese Politik kritisch begleiten und „nicht schweigen, wenn die Würde des Menschen verletzt, unsere Demokratie aufs Spiel gesetzt oder der Rechtsstaat ausgehöhlt wird“. Auch wenn der Vertrauensverlust ernst zu nehmen sei, sei die Kirche dem Evangelium und dem christlichen Menschenbild verpflichtet.

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