„BibleCraft“: Biblische Geschichten im Kinderzimmer nachspielen

Lego produziert keine Spielzeuge mit biblischem Bezug. Zwei Tüftler wollten das nicht hinnehmen und haben eine Alternative entwickelt. Im Herbst bringen sie eine neue Klemmbaustein-Serie auf den Markt, in der es um biblische Geschichten geht.
Von Johannes Blöcher-Weil
Der Adventskalender von BibleCraft enthält über 700 Teile

Thorsten Klahold und Alexander Schwarz sind sehr unterschiedliche Charaktere. Auch geografisch trennen die beiden Welten. Klahold ist Westfale, Schwarz ist Schwabe. Die zwei sind Macher und sie sind froh, dass sie sich auf der Spielwarenmesse in Nürnberg begegnet sind.

Diese Begegnung war die Geburtsstunde für die neue Spielzeugserie „BibleCraft“, die im Herbst auf den Markt kommen wird. Mit der selbst kreierten Klemmbaustein-Serie können Kinder biblische Geschichten nachspielen und erfahren so etwas über den christlichen Glauben. Ein Anliegen, das den Beiden sehr am Herzen liegt.

Im Programm sind zunächst der Stall von Bethlehem, ein Adventskalender zur Weihnachtsgeschichte sowie ein Set zum Gleichnis vom verlorenen Sohn. Bereits jetzt könnten die Sets vorbestellt werden, produziert werden jeweils 3.000 Exemplare. Mit PRO haben die Macher sich über ihre Idee, die Umsetzung und die langfristigen Ziele unterhalten.

Herr Klahold, woher rührt Ihre Begeisterung für die Klemmbausteine?
Klahold: Lego war ein wichtiger Bestandteil meiner eigenen Kindheit. Natürlich habe ich es mit meinen beiden Kindern auch gespielt. Nachdem ich einen Rechtsstreit gegen die Firma verloren hatte, habe ich vor acht Jahren mein eigenes Produkt entwickelt.

Was war der Auslöser für ein Set mit biblischen Geschichten?
Schwarz: Wir handeln seit mehr als 20 Jahren Online mit Spielzeug. Um auch christliche Werke mit unseren Gewinnen zu unterstützen, haben wir 2017 mit der Liebenzeller Mission die „Geben tut Gut GmbH“ gegründet. Dort ist die Idee entstanden, Klemmbausteine zu entwickeln, die biblische Geschichten erzählen. Durch mein Ehrenamt in der Jungschar weiß ich, wie wertvoll das ist.

Was hat Ihnen am meisten Kopfzerbrechen bereitet, Herr Schwarz?
Schwarz: Die Entwicklung der Figuren hat uns seit 2020 beschäftigt. Fünf Jahre später bin ich Thorsten auf der Spielwarenmesse begegnet und aus der Idee wurde ein gemeinsames konkretes Projekt. Thorsten und sein Team von KiddiCraft haben die Figuren entwickelt und die Basis für „BibleCraft“ gelegt. Für mich ist Thorsten ein Geschenk Gottes.

Thorsten Klahold hat sich bemüht, die Figuren möglichst authentisch zu gestalten (Foto: KiddiCraft)

Welche Hürden mussten sie überwinden, um das Projekt umzusetzen?
Klahold: Wir dürfen mit den Figuren keine Markenrechte anderer Anbieter verletzen. Trotzdem sollen sie kompatibel mit anderen Systemen sein. Ich hatte den Anspruch, dass sie möglichst authentisch aussehen und wir keinen blonden Jesus haben.

Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Leben, Herr Klahold?
Klahold: Ich bin hier in Paderborn in einem christlichen Umfeld aufgewachsen. Ich würde mich als ideentreuen Christen bezeichnen. Das christliche Gedankengut und dessen Wertekanon tun unserer Gesellschaft enorm gut. Deswegen müssen Kinder den Glauben kennenlernen. Wir sollten ihnen vermitteln, was an Ostern und Weihnachten passiert ist.

Und das geht am besten spielerisch?
Klahold: Genau. Wir haben den kleinen Bibelspatzen Tzippor entwickelt, der die Geschichten für die Kinder erzählt. Er ist dabei, als Jesus geboren wird, als der verlorene Sohn zurückkommt und als der Wirt Maria und Josef einen Stall anbietet. So kann er den Kindern wichtige Dinge vermitteln. Die Arche Noah ist das meistverkaufte Set und Martin Luther die beliebteste Einzelfigur. Demnach scheint der Markt gegeben zu sein.

Wie ist die Auswahl der „BibleCraft“-Themensätze erfolgt?
Schwarz: Wir verkaufen in unserem Shop bisher extrem viele Adventskalender. Deswegen wollten wir einen Adventskalender anbieten, der alle Bestandteile der Krippenszene enthält.Das Set enthält über 700 Teile.
Klahold: Zur Preisfindung des Kalenders gibt es eine schöne Geschichte. Wir haben mit unserem chinesischen Hersteller gesprochen, an welchen Stellen wir den Preis noch senken können. Weil der Hersteller wusste, dass er für Christen produziert, hat er fast die komplette Marge gestrichen. Wir haben es ähnlich gemacht, damit das Produkt bezahlbar bleibt. Auch wenn keine der beiden Seiten viel daran verdient, hat jeder Abstriche gemacht, damit Kinder mit religiösen Inhalten in Berührung kommen. Das hat mich innerlich sehr berührt und mich motiviert, das Projekt weiter zu forcieren.

Gab es auch Gegenwind für diese Entscheidung?
Klahold: Einige Menschen folgen mir nicht mehr auf Social Media, weil ich mich so klar zur Religion positioniert habe. Ich werde mich da nicht verleugnen. Einige haben mir eine Nähe zur AfD unterstellt, aber das ist völlig absurd.

Welche Spendenzwecke bedenken Sie mit Ihrer Firma?
Schwarz: Die Liebenzeller Mission wählt im Rahmen ihres 74-prozentigen Gesellschaftsanteils aus wohin der auf diesen Anteil entfallende Spendenanteil geht. Für die verbleibenden 26 Prozent entscheide ich als zweiter Gesellschafter selbst. Dieses Jahr unterstützen wir das Projekt „Bricks4theKids“. Wir finden, dass Klemmbausteine Kinder auf vielen Ebenen fördern und unterstützen. Der Verein ermöglicht es, dass Heimkinder oder andere sozial-schwache Familien einen Zugang dazu erhalten.
Klahold: Als Lego gegen mich geklagt hat, empfahl mir mein Anwalt, Geld für den Rechtsstreit zu sammeln. Ich wollte aber nicht meine geschäftlichen Probleme mit Spenden bezahlen. Wir haben die Spenden genutzt, um Menschen in prekären Situationen mit dem Spielzeug zu versorgen.

Welchen Wunsch haben Sie für die Zukunft?
Schwarz: Unser Firmenname „Geben tut gut“ sollte Programm sein. Wir geben mehr als Geld. Im Rückblick muss ich sagen, dass wir nur mit Gottes Hilfe den Status quo erreicht haben. Als Mensch, der gerne alles kontrolliert, muss ich sagen, dass Gott das alles super geführt hat.
Klahold: Ich möchte Kindern sinnvolle Spielsachen anbieten. Glaube und Religion spielen in unserer Gesellschaft eine immer kleinere Rolle. Ich wünsche mir, dass Kinder ganz natürlich mit Klemmbausteinen zu christlichen Themen spielen. Die werden später bestimmt nicht alle Christen, aber wir können sie ohne Vorurteile an das Thema heranführen.

Gibt es noch gute Ideen für das nächste Jahr?
Schwarz: Für das kommende Jahr planen wir einen Mose, der Wasser aus Felsen sprudeln lässt. Außerdem soll es einen Jesus geben, der auf einem Esel reitet, und David, der Schafe hütet. Ich träume davon, dass in zehn Jahren im Kaufhaus neben jeder Lego- auch eine BibleCraft-Packung steht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Alexander Schwarz ist Geschäftsführer der „Geben tut gut GmbH“. Diese gehört zu 74 Prozent der Liebenzeller Mission. Er selbst hält mit 26 Prozent die Sperrminorität. Die GmbH spendet den steuerlich maximal möglichen Betrag an gemeinnützige Zwecke. Der Rest wird in die Firma investiert.

Thorsten Klahold betreibt den YouTube-Kanal „Johnnys World“, der sich mit Themen rund um Klemmbausteine beschäftigt. Nach einem Rechtsstreit mit Lego hat er mit seiner Firma KiddiCraft eine eigene Marke mit 60 Produkten entwickelt. Die Figuren für „BibleCraft“ hat er selbst gestaltet.

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