Seit der russischen Vollinvasion 2022 hat das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill, diese immer wieder verteidigt. Dazu war er sich auch nie zu schade, den Krieg religiös aufzuladen. Etwa wenn er davon sprach, dass russische Soldaten aufseiten „der Wahrheit Gottes“ kämpften.
In einem Gottesdienst am Wochenende hat Kyrill nun auch die russische Atombombe religiös legitimiert. Anlass war das 35-jährige Jubiläum der Wiedereröffnung des Klosters zur Heiligendreifaltigkeit in Diwejewo. Dort sind die Reliquien des Heiligen Seraphim aufbewahrt. Seraphim von Sarow (1759 bis 1833) war ein russischer Mönch und ist seit 2007 Schutzpatron der Atomstreitkräfte des Landes.
In seiner Predigt behauptete Kyrill, dass die Entwicklung der russischen Atomwaffen durch Gebete von Seraphim möglich gewesen sei. Und weiter: „Die Wissenschaftler, die hier in Sarow gearbeitet haben, haben unsere russische Atombombe entwickelt, die den Feind daran gehindert hat, Pläne zur Zerstörung und Versklavung unseres Vaterlandes umzusetzen.“ Durch die Arbeit von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Arbeitern sei Russland Gottes Gnade und Barmherzigkeit offenbart worden, erklärte Kyrill.
Gebet für den Krieg
Wie das Portal „Orthodox Time“ berichtet, bezeichnete Kyrill zum Abschluss seiner Predigt die Wiederbelebung des orthodoxen Christentums im postsowjetischen Russland als Ergebnis von Gebeten der Heiligen. Eine Erhebung des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM von 2023 zeigt jedoch, dass sich immer weniger Russen zum orthodoxen Christentum bekennen. Demnach bezeichneten sich 2023 nur noch 57 Prozent der Erwachsenen als orthodox. 2019 waren es noch 63 Prozent.
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PRO bei Google bevorzugenIm Rahmen seines Besuchs rief Kyrill auch zum Gebet auf. Gott möge „das russische Land, unseren orthodoxen Präsidenten, die Behörden und die Streitkräfte“ beschützen. Bereits in der Vergangenheit rief er zum Gebet für Russlands Kriegsanstrengung auf und sprach von einer „besonderen historischen Berufung“ seines Landes. Eine wichtige Rolle spiele dabei Präsident Wladimir Putin. Für ihn müsse daher „unser besonderes Gebet“ gelten. Gott solle diesen „klüger machen, stärken, erleuchten, vor Sünden und Fehlern beschützen“.