Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) warnt in einem Interview mit der „Zeit“ vor „religiösem Anpassungsdruck“ in der Schule. Er trete insbesondere an Brennpunktschulen auf, wo Schüler „bezüglich ihrer sozialen und ethnischen Herkunft sehr einheitlich sind“. Hikel spricht von Fällen, in denen „alevitische Jugendliche ihren Glauben verbergen, weil es zum Beispiel eine starke Dominanz sunnitischer Schüler gibt“.
Zuletzt hatte es nicht nur in Berlin eine breite Debatte über religiöses Mobbing an Schulen gegeben. Der Berliner Senat hat deshalb eine Studie dazu in Auftrag gegeben und herausgefunden, dass Gewalt auf dem Schulhof immer normaler wird und Religion oft ein Auslöser ist.
Kopftuch und Fasten im Grundschulalter
„Es braucht nur wenige religiöse Eiferer in einer Schule, wenn viele passiv zustimmen. Wenn in einer Klasse von 26 Schülern 15, 16 die gleichen Einstellungen haben, ist es für die einzelnen Lehrkräfte extrem schwierig, dagegenzuhalten“, bestätigt Hikel im Interview. Und solches Eifern nimmt offenbar an Häufigkeit zu. Immer mehr Mädchen tauchten schon in der dritten oder vierten Klasse mit Kopftuch auf. Viele Kinder fasteten auch schon im Grundschulalter. Und Schulleitungen berichteten häufig davon, dass muslimische Schüler gemeinsam versuchten, Gebetsräume durchzusetzen.
Über Berlin sagt er: „Es ist uns nicht gelungen, gleichzeitig Rassismus und Islamismus zu bekämpfen. Auch weil behauptet wurde, der Staat diskriminiere Muslime, wenn etwa das Kopftuch für Lehrerinnen verboten wird.“ Oder wenn eine Studie, die religiösen Druck in Schulen feststellt, als rassistisch kritisiert werde, so Hikel.
Für ihn ist klar: „Religion ist eine Privatsache und hat aus meiner Sicht in einer Schule nichts zu suchen. Sie sollte im Grundsatz ein säkularer Raum sein.“