Was macht dich stark? Diese Frage stellt der Autor David Kadel in seinem Buch aktuellen und ehemaligen Fußballprofis sowie Trainern. Pünktlich zur Fußball-WM wurde es neu aufgelegt. Größtenteils handelt es sich dabei um ältere Interviews – sieben neue Porträts sind dabei.
David Kadel kennt sie alle. Er hat in der Szene unbenommen den besten Draht zu gläubigen Fußballern. Und es ist anerkennenswert, wenn sich gläubige Fußballer öffentlich zu ihrem Glauben bekennen. Sie können authentische Vorbilder sein, wenn sie nicht nur über ihre Erfolge, sondern auch über ihr Scheitern sprechen. Gerne dürften noch einige neue Gesichter dabei sein.
Glaube gibt in Drucksituationen Stabilität
Kadel veröffentlicht aber eher Texte über die üblichen Verdächtigen. An erster Stelle Jürgen Klopp, der sich darüber freut, dass Gott seine Hand über allen hält und immer mehr Fußballer ihren christlichen Glauben bekennen. Ihm selbst gebe der Glaube Stabilität, wenn er im Sport unter Druck stehe. Da ist noch Marco Rose, der eine große „Leidenschaft für Jesus“ hat und der versucht, „viel, was im Leben gelingt, auf seine Tätigkeit als Trainer zu übertragen“.
Foto: David KadelAuch David Alaba kommt zu Wort, er spricht über seine innere Stärke und warum Demut gerade im Profi-Geschäft so wichtig ist. Thilo Kehrer ist davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft Gott braucht. Er nimmt Christen in die Pflicht, sich aktiv einzubringen und Zeit mit Gott zu verbringen.
Wie der christliche Glaube praktisch wird, zeigen die Beispiele von Fabian Bredlow, Ridle Baku und Bree Embolo. Sie laden krebskranke Kinder zu Veranstaltungen ein oder übernehmen Patenschaften in anderen Ländern, um dort christliche Nächstenliebe zu üben. Davie Selke zeigt: Christsein muss nicht uncool sein, auch wenn biblische Inhalte in den sozialen Medien definitiv weniger Likes brächten. Aber er schätze am Glauben, dass er dort ohne Gegenleistung wertvoll sein könne und gebe das trotzdem weiter.
Sandro Schwarz: Zum Tagesbeginn lese ich die Losung
Genauso geht es Trainer Sandro Schwarz: „Ich lese jeden Morgen, wenn ich aufstehe, einige Bibelzitate aus den Losungen.“ Dort lerne er viel über Gott, Jesus und den Glauben und so habe sich sein Glaube als „Anker“ entwickelt, der ihm in schwierigen Situationen half. Auch Eintracht-Legende „Charlie“ Körbel erzählt, wie er zu einem fleißigen Bibelleser wurde, der tief im Glauben verwurzelt ist.
Das große Plus des Buches ist, dass es sehr facettenreich ist und der Leser sehr viel über die Fußballer und Menschen erfährt. Es ist gut, dass es diese Sportler gibt, die sich nicht für ihren Glauben schämen und darüber reden. Es ermutigt, dass sie sich bei Gott geborgen wissen und er sie in ihrem Alltag inspiriert, auch und gerade, wenn es sportlich schlecht läuft.
Innovation hätte dem Buch allerdings gutgetan. Wenn der Leser im Interview vom 52-jährigen Jürgen Klopp und in einem anderen Interview von einer Frage zur nahenden WM 2018 liest, fragt man sich, ob man das Thema nicht besser oder noch einmal neu hätte aufbereiten können oder zumindest das richtige Alter hätte einfügen können. Das Kumpelhafte im Umgang mit den Profis ist gewöhnungsbedrüftig, wenn auch schlicht Kadels Stil.
Gut, dass er immer wieder christliche Sportler thematisiert. Dennoch ensteht der Eindruck, dass der Markt abgegrast ist. Vielleicht beginnt Kadel ja gerade jetzt, Interviews für das nächste große Sportereignis im Fußball zu führen. Es wären ja noch zwei Jahre Zeit.
David Kadel, Was macht dich stark?, mosaicstones, 160 Seiten, ISBN: 978-3-03965-100-9, 22,80 Euro