US-Kriegsminister verwechselt „Pulp Fiction“ mit der Bibel

Der amerikanische „Kriegsminister“ Pete Hegseth hat bei einem Treffen im Pentagon zu einem gemeinsamen Gebet aufgerufen. Dazu erklärte er, eine Stelle aus dem Buch Hesekiel zu zitieren – und brachte stattdessen ein bekanntes Filmzitat.
Von Anna Lutz

Und wieder sorgen religiöse Aussagen aus dem Kabinett von Donald Trump für Irritationen. Nachdem der Präsident selbst sich in einem Social Media-Post als Jesus Christus stilisierte, ist es nun sein Verteidigungsminister, der in den USA nun offiziell „Kriegsminister“ heißt, Pete Hegseth.

Während eines Gebetstreffens am Mittwoch im Pentagon zitierte er ein Gebet von US-Soldaten mit dem Titel „CSAR 25:17“. Der Titel leitet sich von dem Namen einer bestimmten Art von Mission ab (Combat Search and Rescue), im Rahmen derer unter anderem zwei jüngst mit ihrem Kampfjet über dem Iran abgeschossene US-Soldaten gerettet wurden. Das Gebet sei ursprünglich von einem Kameraden mit dem Titel „Sandy 1“ gesprochen worden, erklärte Hegseth und führte weiter aus, die Zahlenkombination ergebe sich wohl aus der Bibelstelle Hesekiel 25,17. Dann fordert er die Zuhörer zum gemeinsamen Gebet auf, während er die Worte zitiert.

Luther oder Tarantino?

In der Luther-Übersetzung liest sich die entsprechende Bibelstelle zusammen mit Teilen des vorangegangenen Verses so: „So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will meine Hand ausstrecken gegen die Philister und will die Kreter ausrotten und will umbringen, die übrig geblieben sind am Ufer des Meeres, und will bittere Rache an ihnen üben und sie mit Grimm strafen, dass sie erfahren sollen, dass ich der HERR bin, wenn ich Vergeltung an ihnen übe.“

Die Passage, die Hegseth zitierte, war aber wesentlich länger. Nicht nur Filmfans fanden schnell heraus: Sie war stark angelehnt an eine Textstelle, die der Kult-Regisseur Quentin Tarantino einst seinem Darsteller Samuel L. Jackson im bekannten Film „Pulp Fiction“ in den Mund legte. Und die weit über das biblische Zitat hinausgeht. 

Hegseth sagte etwa: „Der Weg des abgeschossenen Piloten ist von den Ungerechtigkeiten der Egoisten und der Tyrannei böser Männer von allen Seiten umgeben“, und weiter: „Gesegnet ist der, der im Namen der Kameradschaft und des Pflichtbewusstseins die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit führt.“ Zum Schluss sagte Hegseth: „Und ich werde mit großer Rache und wütendem Zorn diejenigen niederstrecken, die versuchen, meine Brüder zu vergiften und zu zerstören. Und du wirst wissen, dass mein Rufzeichen Sandy 1 ist, wenn ich meine Rache an dir vollziehe. Amen.“

Zum Vergleich: Der Killer Jules spricht in „Pulp Fiction“, kurz bevor er einen Geschäftspartner erschießt, vom „Weg des gerechten Mannes“, der von den Ungerechtigkeiten der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Menschen umgeben sei. Gesegnet sei derjenige, der im Namen der Nächstenliebe und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit führt. Schließlich kündigt er an, dass er mit großer Rache und Grimm diejenigen bestrafen werde, die versuchen, seine Brüder zu vergiften oder zu vernichten – und dass man dann erkennen werde, dass er im Auftrag des Herrn handelt.

Die Originalstellen

Im Englischen werden die Bezüge noch deutlicher, daher hier die Originaltexte, wie die US-Newsweek sie zitiert: 

Die Stelle in Hesekiel: 

„And I will execute great vengeance upon them with furious rebukes; and they shall know that I am the Lord, when I shall lay my vengeance upon them.“

Die Stelle in „Pulp Fiction“: 

„The path of the righteous man is beset on all sides by the inequities of the selfish and the tyranny of evil men. Blessed is he who, in the name of charity and good will, shepherds the weak through the valley of darkness, for he is truly his brother’s keeper and the finder of lost children. And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who attempt to poison and destroy my brothers. And you will know my name is the Lord when I lay my vengeance upon you.“

Das Gebet, zitiert von Pete Hegseth: 

„The path of the downed aviator is beset on all sides by the iniquities of the selfish and the tyranny of evil men. Blessed is he who in the name of comradery and duty shepherd the lost through the valley of darkness, for he is truly his brother’s keeper and the finder of lost children. And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who attempt to capture and destroy my brother. And you will know my call sign is Sandy One, when I lay my vengeance upon thee. Amen.“

Pressesprecher: „Fake News“

Am Donnerstag reagierte Pentagon-Pressesprecher Sean Parnell auf die Verwirrung um das Zitat. Auf „X“ postete er, das Gebet sei vom Film „Pulp Ficiton“ inspiriert gewesen. „Jeder, der behauptet, der Außenminister habe Hesekiel 25,17 falsch zitiert, verbreitet Fake News und ignoriert die Realität.“

Derweil machen nun im Internet Memes die Runde, die sich über Hegseth lustig machen, wie es schon bei Trumps Jesus-Post der Fall war. Eines zeigt etwa die beiden Hauptfiguren des Films „Pulp Fiction“ in ihrer bekannten Tanzszene mit der Überschrift: „Das ist meine Lieblingsszene aus der Bibel.“

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