Trump gegen Papst: Der Präsident hat sich mit den Falschen angelegt

Trotz seiner Eskapaden wusste Trump viele Christen hinter sich. Doch nun legt er sich nicht nur mit dem Papst an, sondern mit allen Gläubigen. Warum der US-Präsident diesen Kampf verlieren wird.
Von Nicolai Franz
Eine Fotomontage von Papst Leo auf der linken und Donald Trump auf der rechten Seite. Donald Trump hält eine Bibel in die Kamera und schaut grimmig.

Was muss eigentlich noch alles passieren, bis Christen in den USA erkennen, dass Präsident Donald Trump keiner der ihren ist?

Es ist sogar noch schlimmer: Trump gibt vor, Christ und Patron der Christenheit zugleich zu sein, zieht seine christlichen Fans aber immer tiefer in Abgründe, die mit dem Glauben an Jesus nichts zu tun haben. Im Gegenteil.

Kein Wunder, dass Papst Leo XIV. die Gefahr erkannt hat und seinen Landsmann jüngst in die Schranken wies. Anlass war der Krieg der USA und Israels gegen den Iran, auch wenn der Papst dies nicht explizit sagte. Der Krieg ist ohnehin umstritten, unter Völkerrechtlern wie in der Bevölkerung. Vor allem dürfte Leo gestört haben, dass führende Köpfe der Trump-Administration die militärische Gewalt verherrlichten und ihn zum göttlichen Willen erklärten.

Pete Hegseth, der selbsternannte „Kriegsminister“, liest bei wichtigen Auftritten immer wieder aus der Bibel vor, um seinen martialischen Worten geistliche Autorität zu verleihen. Sein Ministerium veröffentlichte vergangenes Jahr ein Video, in dem die gesamte militärische Stärke der USA zur Schau gestellt wurde, unterlegt mit dem Vaterunser.

Mit Jesaja gegen Gewaltverherrlichung

Dieser schamlose Missbrauch von Bibel und Glaube für eigene politische Ziele hat im Iran-Krieg seinen Höhepunkt erreicht. Der Papst kommentierte am Palmsonntag:

„Jesus erhört keine Gebete derer, die Krieg führen, sondern er verwirft sie und sagt: ‚und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut.‘“ Das Zitat stammt aus Jesaja 1,15.

Dass Leo sich so deutlich äußert, lässt aufhorchen. Anders als sein Vorgänger Franziskus ist der Kirchenjurist kein Heißsporn, der mit immer neuen Medienstatements für Unruhe sorgt, sondern eher ein Leisetreter. Wenn er sich dann aber aus der Deckung wagt, kann man davon ausgehen, dass jedes Wort in voller Übereinstimmung mit der katholischen Tradition steht und dass diese Worte auch intern gut vorbereitet wurden.

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Trump konnte dies natürlich nicht auf sich sitzen lassen, bezeichnete Leo als „schwach“ und blamierte sich , als er ein KI-geniertes Bild teilte, das ihn selbst als Jesus darstellte. Trump-typisch ließ er den Konflikt verbal eskalieren, statt ihn zu beruhigen, obwohl er das KI-Bild löschte.

Trumps Vize J.D. Vance, selbst Katholik, kritisierte den Papst in Worten, die man als Drohung verstehen konnte. Leo solle „aufpassen“, wenn er über Theologie spreche. Das sei „very, very important“.

Diesen Kampf wird Trump verlieren

Sein Parteikollege Mike Johnson, der Sprecher des Repräsentantenhauses, verstieg sich gar darin, dem Papst erklären zu wollen, dass es da doch „etwas, das gerechter Krieg heißt“ gibt. Der „gerechte Krieg“ („bellum iustum“) geht auf den Kirchenvater Augustinus zurück. In extremen Ausnahmefällen erlaubte dieser militärische Gewalt, etwa um sich selbst zu verteidigen. Auf Augustinus geht auch der Augustinerorden zurück. Ihr Vorsitzender war bis zu seiner letzten Beförderung übrigens Robert Prevost, der heutige Papst, der von „etwas, das gerechter Krieg heißt“, also gehört haben müsste.

Um es klar zu sagen: Diesen Kampf wird Trump verlieren. Er hat sich mit seinem gotteslästerlichen Meme und seinen kindischen Angriffen nicht nur mit der mächtigsten Institution der Welt angelegt, sondern fordert nun auch jeden Christen in den USA heraus, Farbe zu bekennen:

Kann jemand, der Gott spottet, wirklich der von Gott gesandte Retter sein, als der er sich spätestens seit dem gescheiterten Attentat in Pennsylvania gibt? Am Ostersonntag (!) sprach er nicht nur an der Seite des Osterhasen im Weißen Haus über den Irankrieg, sondern postete auch noch später in Richtung Iran: „Öffnet die verdammte Straße (von Hormus), ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – SCHAUT NUR! Ehre sei Allah.“ Kann ein Christ so einen Menschen wirklich unterstützen?

Aus guten Gründen sind gläubige Menschen sehr vorsichtig damit, über den Glauben eines Anderen zu urteilen. Dieser Mann mag konservativen evangelikalen Anliegen geholfen haben, zum Beispiel beim Lebensschutz. Das darf aber nicht dazu führen, jedes noch so antichristliche Verhalten zu relativieren, oder – schlimmer – im Nachhinein als irgendwie „christlich“ zu verdrehen.

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